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Kinderkrippe vor Gericht

Stadt Landeck beantragt Außerstreitverfahren

Weil die nötige Zustimmung der Miteigentümer ausbleibt, will die Stadtgemeinde Landeck den Umbau des bisherigen Kindergartens in der Brixnerstraße zu einer Kinderkrippe gerichtlich klären lassen. Der Gemeinderat hat die Einleitung eines Außerstreitverfahrens einstimmig beschlossen.
17. Feber 2026 | von Daniel Haueis
Kinderkrippe vor Gericht
Seit über 50 Jahren ist in diesen Räumen in der Brixnerstraße der Kindergarten untergebracht – künftig soll hier eine Kinderkrippe entstehen. Foto: Herbert Tiefenbacher
In der Brixnerstraße sollen die seit über 50 Jahren als Kindergarten genutzten Räume künftig als Kinderkrippe dienen. Mit Beginn des Kinderbetreuungsjahres 2026/27 im September sollen die Räumlichkeiten bezugsfertig sein. Der bestehende Kindergarten zieht in den Neubau in der Urichstraße, während die freiwerdenden Flächen an die Betriebskinderkrippe Kunterbunt – nach öffentlicher Ausschreibung die einzige Bewerberin, die bereits in Bruggen tätig ist – vermietet werden. Hintergrund ist der steigende Bedarf an Krippenplätzen: Über das Landesportal „Frida“ liegen aktuell 54 Anmeldungen vor.

KEINE ZUSTIMMUNG. Für den Betrieb sind bauliche Anpassungen notwendig: Innenwände sollen verändert, Fenster erneuert und teilweise vergrößert sowie der Eingangsbereich an der Urichstraße barrierefrei gestaltet werden. Zusätzlich sollen Spielgeräte im Gemeinschaftsgarten errichtet werden. Für diese Maßnahmen ist die Zustimmung aller Miteigentümer erforderlich. Von 20 benötigten Einverständniserklärungen sind bislang lediglich vier eingelangt. Auch bei einer Informationsveranstaltung im Rathaus Anfang Februar wurde keine Zustimmung für die Umbauten erteilt.

STADT GEHT VOR GERICHT. „Wir versuchen, im Rahmen des Außerstreitverfahrens eine Lösung mit den Miteigentümern zu erreichen“, erklärt VBgm. Thomas Hittler, Obmann des Planungs-, Verkehrs-, Bau- und Wasserausschusses. Kommt keine Einigung zustande, kann das Bezirksgericht die Zustimmung einzelner ablehnender Eigentümer ersetzen, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. „Wir haben leider keine andere Möglichkeit“, betont VBgm. Hittler.

PFLICHT ZUM HANDELN. Mit Blick auf den gesetzlichen Versorgungsauftrag nach dem Tiroler Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsgesetz sei die Stadt verpflichtet zu handeln. „Wir müssen froh sein, dass wir diese Betreuungseinrichtungen anbieten können. Sich grundsätzlich dagegenzustellen, ist für mich nicht verständlich“, so Hittler. Auch Stadtrat Peter Vöhl kann die Ablehnung – insbesondere hinsichtlich der geplanten Spielgeräte im Garten – nur schwer verstehen. Krippenkinder seien höchstens drei Jahre alt und deutlich weniger mobil als Kindergartenkinder. Der zweite Vizebürgermeister Mathias Niederbacher zeigt sich verwundert: Über Jahrzehnte sei dort ein Kindergarten untergebracht gewesen, mit einer derartigen Gegnerschaft habe man nicht gerechnet. Die Gemeinde habe klar den Auftrag, Kinderbetreuungseinrichtungen bereitzustellen – Widerstand dagegen sei heute nur schwer erklärbar.

KEINE ALTERNATIVE. Rechtlich stützt sich die Stadt auf das Wohnungseigentumsgesetz 2025, das ein Außerstreitverfahren beim zuständigen Bezirksgericht vorsieht. Der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, die Rechtsanwaltskanzlei „Lenfeld Leys Sonderegger“ mit der Vertretung der Stadt beim Bezirksgericht Landeck zu beauftragen. Für die Stadt steht viel auf dem Spiel: Eine Alternative zu dem Projekt gibt es derzeit nicht.



KOMMENTAR

Macht Platz für die Jüngsten

Es ist erstaunlich, wie sehr sich einige gegen ein Projekt sperren, das vor allem den unter Dreijährigen zugutekommt. In der Brixnerstraße in Landeck soll eine Kinderkrippe entstehen – für die Jüngsten, Alleinerziehenden und Familien, die dringend Plätze benötigen. Vier von zwanzig Eigentümern haben bereits zugestimmt, der Rest zögert noch. VBgm. Thomas Hittler bringt es nüchtern auf den Punkt: „Wir haben leider keine andere Möglichkeit.“ Wer will schon, dass Kinder womöglich keinen Betreuungsplatz bekommen, während Erwachsene über Wände streiten? Es ist Zeit, das Wohl der Kinder in den Vordergrund zu stellen – und ein bisschen Vernunft walten zu lassen.

Herbert Tiefenbacher

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