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„Verwandtenspenden forcieren“

Knapp vier Oberländer pro Jahr erhalten eine Spenderniere

Drei bis vier Landecker und Imster pro Jahr erhalten eine Nierentransplantation, sie warten knapp vier Jahre auf ein Spenderorgan. Bei Verwandtenspenden ist die Wartezeit deutlich kürzer. Internist Oberarzt Dr. Ludwig Knabl wünscht sich diesbezüglich mehr Aufklärung in der Bevölkerung.
9. September 2025 | von Daniel Haueis
„Verwandtenspenden forcieren“
Das Dialysezentrum befindet sich im Carl-Hochstöger-Gesundheitszentrum in Perjen. RS-Foto: Haidegger
Im vergangenen Jahr haben drei Oberländer Patienten eine Nierentransplantation erhalten. Dabei ist die Wartezeit bis zur Transplantation um ein Vielfaches länger als bei anderen Organen. Internist OA Dr. Ludwig Knabl vom Krankenhaus St. Vinzenz in Zams sagt: „Das hängt damit zusammen, dass die Warteliste auf eine Niere mindestens fünfmal so groß (in Tirol 320 bis 360 Patienten) ist wie für alle anderen transplantierbaren Organe zusammen.“ Dr. Knabl hat genaue Zahlen für die Bezirke Landeck und Imst: In einem Jahrzehnt (2014 bis 2023) wurden 33 Oberländer nierentransplantiert, 21 aus dem Bezirk Landeck und 12 aus dem Bezirk Imst, ein Patient hat Niere und Bauchspeicheldrüse erhalten. Die neuesten Zahlen: Im Jahr 2024 haben zwei Landecker und ein Imster eine Spenderniere erhalten; und im Jahr 2025 wurden Oberländern bisher drei Spendernieren eingesetzt (zwei Landeckern, einem Imster).

WARTEZEIT IM OBERLAND KNAPP VIER JAHRE. Es könnten und sollten aber mehr Transplantationen sein, da der Bedarf größer ist als das Angebot: Im Durchschnitt haben 3,5 Patienten pro Jahr aus dem Oberland ein Spenderorgan (Niere bzw. Niere/Pankreas) erhalten – auf der Warteliste für eine Nierentransplantation stehen im Dialysezentrum Landeck (bis Anfang 2024 befand es sich in Zams; Anm.d.Red.) „derzeit aber zehn Patienten, heuer haben bis August 2025 bereits drei Patienten ein geeignetes Transplantat erhalten. Die Warteliste auf eine Niere wird sich aber heuer noch um zwei bis drei Patienten vergrößern“, weiß Dr. Knabl. Dabei ist in Österreich aufgrund des bestehenden Transplantationsgesetzes (Widerspruchsregelung – man wird zum Organspender, wenn man dem nicht dezidiert widersprochen hat) die Wartezeit auf eine geeignete Niere mit durchschnittlich drei bis vier Jahren europaweit sehr niedrig: „In unserem Zentrum seit 2014: 3,79 Jahre (6 bis 111 Monate), in Deutschland wartet man 8 bis 10 Jahre!“, berichtet Dr. Knabl. Meist deutlich kürzer ist die Wartezeit bei einer Verwandtenspende, da diese planbar ist. Von 42 transplantierten Oberländern (2014 bis August 2025) haben sechs eine Niere von einem Verwandten erhalten. Dr. Knabl bricht daher eine Lanze für diese Art der Organspende: „Um die Wartezeit für Nierentransplantationen signifikant zu verkürzen, müsste man die Verwandtenspenden forcieren. Aber da wird in Tirol bzw. in Österreich zu wenig Aufklärung betrieben“, muss er anmerken. Wenn eine Transplantation möglich ist, werden junge und auch ältere Patienten (bis maximal 70 Jahre), sofern sie keine schweren Begleiterkrankungen haben, zur Nierentransplantation im Zentrum Innsbruck angemeldet. Sie müssen dafür ein aufwendiges Voruntersuchungsprogramm, das mehrere Wochen bis Monate dauert, durchlaufen.

VORSORGE WÄRE MÖGLICH. Und Dr. Knabl merkt kritisch an: „Eigentlich sollte es gar nicht notwendig sein, dass Patienten in das Dialysestadium kommen und letztendlich transplantiert werden müssen.“ Da eine chronische Verschlechterung der Nierenfunktion meist unbemerkt verläuft und schließlich bis zur Dia­lysepflichtigkeit und Notwendigkeit einer Transplantation führen kann, bestehe im Vorsorgesystem in Österreich dringender Handlungsbedarf: „Eine eingeschränkte Nierenfunktion könnte mit zwei einfachen und kostengünstigen Parametern der Harnuntersuchung frühzeitig erkannt werden, die jedoch bislang in der empfohlenen Gesundenuntersuchung keine Berücksichtigung finden. Denn chronische Nierenerkrankungen verursachen hohe direkte und indirekte Gesundheitskosten. In Europa übersteigen sie bereits jene von Diabetes und Krebs“, weiß der Fachmann.



Rund 50 Oberländer Dialysepatienten – und Gäste

Die häufigsten Ursachen für eine Dialysepflichtigkeit sind ein fortgeschrittener, meist jahrzehntelanger Diabetes mellitus und kardiovaskuläre Erkrankungen oder chronische Herzinsuffizienz mit eingeschränkter Nierenfunktion, seltener sind es genetische Erkrankungen und chronische Autoimmunerkrankungen der Nieren. Die „Blutwäsche“ wird im Dialysetrainingszentrum durchgeführt. Das DTZ Zams wurde am 8. März 1995 eröffnet. Da die Räumlichkeiten aufgrund steigender Patientenzahlen mit der Zeit zu klein wurden, wurde für einen Neubau in Zams ein Baugrund für ein neues Zentrum gesucht – aber kein geeigneter gefunden. Daraufhin wurde 2023 im Carl-Hochstöger-Gesundheitszentrum in Perjen ein neues, modernes Dialysezentrum errichtet und am 22. Jänner 2024 eröffnet. In diesem „B. Braun Avitum Austria DTZ Landeck“ gibt es derzeit 15 Dialyseplätze für Patienten mit Bedarf für eine Hämodialyse. Durchschnittlich werden ca. 50 Patienten aus den Bezirken Landeck und Imst, die eine chronische dialysepflichtige Niereninsuffizienz haben, dreimal wöchentlich für ca. vier Stunden einer Nierenersatztherapie mit Hämodialyse/Hämodiafiltration unterzogen“, weiß Dr. Ludwig Knabl. Zur Dialysebehandlung zugewiesen werden die Patienten großteils von der Nierenambulanz Zams, der Intensivstation Krankenhaus Zams und teilweise von der Nephrologie Klinik Innsbruck. Neben den chronischen Dialysepatienten aus beiden Bezirken haben Gäste die Möglichkeit einer Feriendialyse: Sie machen Sommer- oder Winterurlaub im Oberland und daneben dreimal wöchentlich die lebensnotwendige Dialysetherapie. Bisher wurden in Zams bzw. Landeck ca. 400 neue Patienten aus beiden Oberländer Bezirken in das chronische Dialyseprogramm aufgenommen. Ärztlich betreut werden sie vom Krankenhaus Zams, zuletzt auch von Ärzten der Nephrologischen Abteilung Innsbruck. Am 1. Juli 2025 wurde Dr. Karin Helm von der Inneren Medizin im Krankenhaus Zams mit der ärztlichen Leitung des Dialysezentrums betraut. Das ärztliche Dialyseteam besteht derzeit aus fünf Ärzten.
„Verwandtenspenden forcieren“
Dr. Ludwig Knabl: Im Schnitt haben 3,5 Patienten pro Jahr aus dem Oberland eine Spenderniere erhalten, auf der Warteliste stehen derzeit aber allein im Dialysezentrum Landeck zehn Patienten. Foto: KH Zams

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