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Landeck | Politik | 2. November 2020 | Von Herbert Tiefenbacher

„Akt der Vernunft“

„Akt der Vernunft“<br />
Der Neubau des Seniorenzentrums Zams-Schönwies würde inklusive Baukostenindex auf rund 23 Mio. Euro kommen. RS-Foto: Tiefenbacher
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Neubau des Seniorenzentrums Zams-Schönwies abgeblasen

Der Neubau des Seniorenzentrums Zams-Schönwies mit einer Übergangspflegestation für die Bezirke Landeck und Imst in Zams musste in seiner geplanten Form abgeblasen werden. Der Grund: Für die Gemeinden Zams und Schönwies ist das nicht leistbar.
Von Herbert Tiefenbacher

Eine Handvoll Bürger und die Medienvertreter mussten vergangenen Dienstag eine Weile ausharren, weil Gemeinderevisor Andreas Walser den Gemeinderäten von Zams und Schönwies hinter den verschlossenen Türen des Schönwieser Gemeindesaales seine Abschätzung der finanziellen Auswirkungen des Neubau-Projektes auf die beiden Gemeinden darlegte und man dann auch das Thema debattierte. Der Beschlussfassung konnten die Wartenden beiwohnen. Es gab ein einstimmiges Votum gegen die Umsetzung des Siegerprojektes des Architekturwettbewerbes. Dem siegreichen Entwurf zufolge hätte das 23 Jahre alte Seniorenzentrum einem Neubau mit 60 Pflegebetten (also eine Aufstockung um 30 Betten) plus einer Übergangspflegestation mit 20 Betten weichen sollen. Dass zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal über einen Neubau diskutiert werden könnte, blieb nicht einmal als theoretische Möglichkeit im Raume stehen. Wohin die Reise geht, kann noch niemand sagen.

BAUKOSTEN. Verbandsobmann Bgm.Siegmund Geiger fasste die Situation, die zu diesem Entschluss führte, kurz und knapp zusammen: Die Baukosten belaufen sich laut der vom Architekten durchgeführten Kostenschätzung auf rund 20 Mio. Euro. Darin sind künftige Steigerungen bei den Baukosten nicht eingepreist. Zuzüglich dem geschätzten Baukostenindex käme der Neubau auf rund 23 Mio. Euro. Nach den Berechnungen von Gemeinderevisor Walser würden sich die beiden Gemeinden auf 10 bis 15 Jahre hinaus kräftig verschulden: die Gemeinde Zams zu 90 Prozent und die Gemeinde Schönwies zu 100 Prozent. Hinzu kommt der Wackelfaktor hinsichtlich der Voraussetzung für die Förderwürdigkeit (Wohnbauförderung). Für die Förderung des Heimprojektes in Zams gilt eine Obergrenze von 180.000 bis 190.000 Euro pro Pflegebett. Derzeit betragen die Kosten aber rund 240.000 Euro. Das hieße, die Kosten sind nicht im definierten Rahmen, es gibt keine Förderung.

AUSSTIEG BESCHLOSSEN. Bgm. Geiger sprach sich für den Ausstieg aus: „Je länger wir warten, umso schwieriger wird es auszusteigen und desto mehr Kosten fallen an. Es ist Zeit, die Notbremse zu ziehen. Der Neubau ist finanziell nicht stemmbar. Nein, dieses Risiko können wir nicht eingehen, denn es stehen auch noch andere Projekte wie zum Beispiel die Kindergartenerweiterung mit Kosten von zwei Millionen in Zams an.“ Für Bgm. Wilfried Fink ist die Reißleine zu ziehen „ein Akt der Vernunft“. Gemeinderevisor Walser gab den Gemeinderäten eine klare Empfehlung: „Angesichts der durch das Neubauvorhaben entstehenden Verschuldung der Gemeinden warne ich das Projekt in vollem Umfang umzusetzen. Denn es hieße, ein großes Wagnis einzugehen.“ Seinem Rat sind die Gemeinderäte bei der Abstimmung geschlossen gefolgt.

ZURÜCK AN DEN START. Jetzt heißt es wieder zurück an den Start. Einen Plan B hat man nicht im Talon. Einen solchen muss man sich nun überlegen. „Wir müssen eine Lösung, basierend auf den finanziellen Möglichkeiten beider Gemeinden finden“, betonte Geiger. „Jede Idee ist jetzt hilfreich“, meinte Geigers Bürgermeisterkollege aus Schönwies. Dieser erneuerte gleich seinen Vorschlag, in Schönwies einen Ableger des Seniorenzentrums zu errichten, der einer gemeinsamen Leitung untersteht. Fink argumentierte, dass dies eine Möglichkeit sei, über die man reden müsse. Immerhin gäbe es dabei Win-win-Effekte für die beiden Gemeinden und die Zwei-Standort-Variante würde einige Vorteile bieten, z.B. die Gemeinde Schönwies kann ein 6000 m2 großes Grundstück in Starkenbach in das Projekt einbringen, des Weiteren ist das Problem der Unterbringung der Heimbewohner während der Sanierung eines Bestandsgebäudes gelöst und es ist auch für diese Zeit keine Miete für ein Ersatzquartier zu bezahlen.


Vorlaufkosten
Für das abgeblasene Neubauprojekt „Seniorenzentrum Zams-Schönwies mit einer Übergangspflegestation“ sind beträchtliche Vorlaufkosten angefallen: 148.000 Euro für den Architekturwettbewerb, wobei es vom Land eine Förderung von 30.000 Euro gibt, und 23.000 Euro für das Verfahren zur Ausschreibung eines Projektmanagers. Abzugelten sind auch alle von Architekt Andreas Xander erbrachten Leistungen. Bgm. Geiger rechnet mit 40.000 bis 50.000 Euro.
 
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