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Landeck | Politik | 20. September 2022 | Von Johannes Pirchner

Mutig nach vorne schreiten

Mutig nach vorne schreiten<br />
LR Anton Mattle ist Spitzenkandidat der ÖVP für die Landtagswahl. Foto: ÖVP Tirol
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Landeck  Von Johannes Pirchner
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Spitzenkandidat der ÖVP Landesrat Anton Mattle im Gespräch mit der RUNDSCHAU

Die Landtagswahlen stehen vor der Türe. Kommendes Wochenende werden die Tiroler zu den Urnen gerufen, um eine neue Landesregierung zu wählen. Die RUNDSCHAU interviewte Landesrat Anton Mattle zu verschiedenen Themen.
Von Johannes Pirchner

RUNDSCHAU: Herr Mattle, was ist Ihre Vision für das Land Tirol?
LR Anton Mattle: Ich will, dass es unsere Enkel einmal genauso gut haben wie wir heute. Dazu gehört natürlich vieles. Einerseits sind mir der Umwelt- und Klimaschutz und die Energiewende echte Herzensanliegen, weil Politik immer nachhaltig und zukunftsorientiert sein muss. Andererseits bin ich für gelebte Gleichberechtigung. Das heißt Chancengleichheit für Stadt und Land – zum Beispiel mit dem Ausbau des Breitbands und der Umsetzung des Rechts auf einen Kinderbetreuungsplatz. Und zum Dritten müssen wir dafür Sorge tragen, dass sich unsere Jungen etwas aufbauen können und Eigentum leistbar bleibt.

RS: Was wäre eine Ihrer ersten Amtshandlungen als Landeshauptmann?
LR Anton Mattle: Ich möchte von Anfang an ein hohes Tempo fahren, um möglichst schnell energieunabhängig zu werden. Wir müssen raus aus Kohle, Öl und Gas. Das ist auch eine wichtige Maßnahme gegen die Inflation, weil wir derzeit vor allem eine importierte Teuerung haben. Um das zu erreichen, braucht es nicht nur den Ausbau der Wasserkraft, sondern auch eine Photovoltaik-Offensive und Investitionen in Biomasse und Fernwärme. Und ich bin auch technologieoffen was Windräder betrifft – aber nur da, wo sie ins Landschaftsbild passen, technisch realisierbar und wirtschaftlich sinnvoll sind.

RS: Wie ist Ihr Verständnis gegenüber der Euroregion Tirol (Bundesland Nordtirol, Südtirol und Trentino) und wie würde diese Region unter einem LH Mattle aussehen?
LR Anton Mattle: Ich bin nicht nur Paznauner und Tiroler, sondern begeisterter Österreicher und Europäer. Deshalb ist mir die Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern sehr wichtig. In der Euregio haben wir diese Zusammenarbeit zwischen Tirol, Südtirol und Trentino in den vergangenen Jahren enorm intensiviert. Diesen Weg möchte ich weiterhin fortsetzen. Als Landeshauptmann werde ich ein verlässlicher Partner für Südtirol und das Trentino sein, denn es gibt viele Projekte, von denen wir alle profitieren. Manche Herausforderungen wie der Transit oder die Rückkehr der Großraubtiere lassen sich zudem nur grenzüberschreitend lösen.
RS: Wie würde sich ein Landeshauptmann Mattle gegenüber dem Bund positionieren? (Tirol first, Kooperation, aktive Mitarbeit)
LR Anton Mattle: Natürlich braucht es ein gutes Miteinander, aber für einen Landeshauptmann müssen an erster Stelle immer die Interessen des Landes Tirol und der heimischen Bevölkerung stehen. Das habe ich bereits bei der Umsetzung der Strompreisbremse untermauert, aber auch als ich beim Thema „Wien Energie“ klargestellt habe, dass der Westen nicht für die Energie-Misswirtschaft im Osten bezahlen darf. Wenn Entscheidungen unseren Interessen zuwiderlaufen, dann werde ich mich mit aller Kraft zur Wehr setzen.

RS: Was würden Sie anders machen als der derzeitige Amtsinhaber LH Günther Platter?
LR Anton Mattle: Wir sind zwar in etwa zur gleichen Zeit in die Politik eingestiegen, Günther Platter ist dann aber recht schnell Nationalrat geworden, dann Landesrat, anschließend Minister und Landeshauptmann. Ich habe neben meiner politischen Karriere 30 Jahre lang ein Unternehmen führen dürfen, kenne die Sorgen der MitarbeiterInnen und Kunden aus erster Hand. Diese Erfahrungen haben mich geprägt.

RS: Hr. Mattle, wie genau kann man sich den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung genau vorstellen? (Finanzierung… Land/Gemeinden)
LR Anton Mattle: Für mich muss ein Kinderbetreuungsplatz für ein zweijähriges Kind genauso selbstverständlich sein wie ein Volksschulplatz für ein sechsjähriges Kind. Die Gemeinden werden hier vom Land Tirol entsprechende Unterstützung bekommen. Auch seitens des Bundes gibt es bereits Signale, dass die Förderungen deutlich angehoben werden. Wichtig ist mir, dass es eine echte Wahlfreiheit gibt. Wer will, soll seine Kinder zu Hause betreuen. Gleichzeitig soll es aber für alle Eltern in Tirol die Möglichkeit geben, ihr Kind in eine Kinderbetreuungseinrichtung zu geben. Der Platz soll entweder nah am Wohnort, am Arbeitsweg oder in der Nähe des Arbeitsplatzes zur Verfügung stehen.

RS: Bei leistbarem Wohnraum streben Sie viele Projekte an. Wie funktioniert beispielsweise die Vertragsraumordnung in der Praxis, können dadurch Mieten bzw. Wohnungspreise durch Gemeinden gesteuert werden und wie wollen Sie junge TirolerInnen beim Wohnungskauf unterstützen? (Die Frage zielt auf den Punkt Eigenmittel aus Ihrem Wahlprogramm ab).
LR Anton Mattle: Leistbares Eigentum ist wichtig, weil es eine Perspektive schafft. Wir müssen junge Menschen dabei unterstützen, sich etwas aufzubauen. Als ich 1991 mit meiner Frau Daniela unser Haus gebaut habe, war der Zinssatz bei 8%. Damals hat es das sogenannte Eigenmittelersatzdarlehen gegeben, mit dem vielen jungen Menschen unter die Arme gegriffen werden konnte. Genau das habe ich erst letzte Woche von der Finanzmarktaufsicht eingefordert, weil die mittlerweile gesetzlich notwendigen 20% Eigenmittel für viele Junge schlichtweg nicht machbar sind. Hier müssen wir ansetzen, und junge Tirolerinnen und Tiroler unterstützen. Gleichzeitig müssen wir schauen, dass wir Spekulation eindämmen, wo es nur geht. Dazu braucht es einerseits eine rigorose Kontrolle von illegalen Freizeitwohnsitzen, wofür ich eine eigene Einsatzgruppe einrichten möchte. Andererseits möchte ich mit der verpflichtenden Umsetzung der Vertragsraumordnung sicherstellen, dass jungen Einheimischen leistbare Grundstücke zur Verfügung stehen.

RS: Sie sind Landesregierungsmitglied, aber auch gerne in den Bergen unterwegs und auch im Stall bei Kuh und Haflinger zu finden. Das spricht für einen urigen Tiroler, bodenständig und verwurzelt. Was bedeutet Ihnen Ihre Heimat Galtür, was Tirol?
LR Anton Mattle: Jeder braucht einen Kraftplatz, wo er seine Batterien aufladen kann, das ist für mich Galtür. Daheim im Kreise meiner Familie kann ich abschalten und Kraft und Energie tanken. Meine Heimat hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin. Meine Wurzeln sind mir wichtig, was aber nie dazu führen darf, dass man nicht über den Tellerrand hinausblickt. Wir Tiroler sind immer dann am stärksten, wenn wir mutig nach vorne schreiten. Diesen Mut brauchts auch in Zukunft.

RS: Ihre Urlaube führen Sie aber auch mal auf den Berg Athos oder nach Albanien. Außergewöhnliche Wege, vielleicht auch im Denken, sind Ihnen also nicht fremd. Der (geistige) Horizont muss also nicht immer ganz nah sein, oder?
LR Anton Mattle: Es schadet nicht, wenn man schon einiges von der Welt gesehen hat. Auch weil es einem bewusst macht, was wir an Tirol haben. Ich sage immer: wer sich vor der Zukunft fürchtet, verdirbt sich die Gegenwart. Und wir haben trotz aller Herausforderungen wirklich keinen Grund uns zu fürchten, weil Tirol ein Land mit unglaublichen Möglichkeiten ist. Wenn ich beispielsweise an die Energiewende denke, dann haben wir alle Chancen. Für Tirol kann das eine echte Erfolgsgeschichte werden. Das heißt aber auch, dass wir manche eingetretenen Pfade verlassen müssen. Mit Antworten aus dem letzten Jahrhundert werden wir die Fragen der Zukunft nicht lösen können.

RUNDSCHAU: Menschen in Notlagen sind Ihnen durchaus vertraut – sei es als Bergretter, als Krisenmanager wie bei der Lawinenkatastrophe 1999 oder als Bürgermeister. Welchen Nutzen haben Ihre Erfahrungen in diesem Bereich in der aktuellen Situation mit Inflation, Energiekrise u. a. m.?
Keine Krise ist wie die andere: aber immer gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und mit sicherer Hand zu führen. Wichtig ist, dass man auch in stürmischen Zeiten den Blick auf das Wesentliche nicht verliert. Meine Erfahrung kommt mir sicher zu Gute, weil ich weiß, was es heißt, Verantwortung in schwierigen Situationen zu tragen und wenn sich viele Menschen auf einen verlassen. Es ist immer wichtig, ein gutes Team um sich zu haben, aber die zentralen Entscheidungen muss man selbst treffen. Das hat mich das Leben gelehrt.

RS: Vielen Dank für das Gespräch.
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