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Landeck | Sport | 20. Dezember 2021 | Von Albert Unterpirker

„Das war so nicht ausgemacht“

„Das war so nicht ausgemacht“<br />
Dominik Schranz siegte beim RATA 2021: „Ein großes Danke an mein Team und meine Sponsoren!“ RS-Foto: Unterpirker
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Landeck  Von Albert Unterpirker
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RATA-Sieger Dominik Schranz wusste nichts von seinem Vorsprung

In Tschupbach aufgewachsen, zählt Dominik Schranz zu den besten Radsportlern im Oberland. Aber nicht nur in die Pedale tritt der gebürtige Tösner mächtig, auch im Wintersport macht Schranz eine gute Figur. Die RUNDSCHAU besuchte den 30-Jährigen in seinem heimatlichen Haus und staunte über seine Story.
Von Albert Unterpirker

2019 siegte er beim Weißen Rausch, dem legendären Extrem-Skirennen in St. Anton, 2021 triumphierte Dominik Schranz beim RATA (Race Across the Alps), dem härtesten Eintages-Radrennen der Welt. Auch beim Gletscher-Kaiser, dem 3-Länder-Giro, dem Ischgl Iron-Bike, oder der Salzkammergut-Trophy stellt Schranz seinen Mann – immer wieder mit hervorragenden Ergebnissen. Zudem begeisterte er heuer bei der Challenge „Everesting“ in Fiss, als er 8900 Höhenmeter per Tourenski in 10 Stunden und 40 Minuten absolvierte. „Faible für einen Sport gibt es aber nicht“, sagt der Obergrichter, der im Winter als staatlich geprüfter Skilehrer in Fiss arbeitet. In den nächsten zwei Jahren macht Schranz eine „Umschulung“, denn er besucht seit heuer das Baukolleg an der HTL Imst. „Das ist ein bisschen ein Umbruch“, nickt der gelernte Fliesenleger, „aber ein zweites berufliches Standbein schadet sicher nicht.“ Zurück zum Sportlichen: 2020 habe es ein aufgrund der Pandemie ziemlich holpriges Jahr gegeben, dafür gründete er mit seinem Radsportkollegen und 4-fachen RATA-Sieger Daniel Rubisoier ein eigenes Radteam samt eigenem Verein („George’s Cyclists“). Ohne Druck und ohne Stress wolle das Team, dem mittlerweile fünf Fahrer angehören, seinem Hobby frönen. Allerdings: Das vergangene Jahr (mit längeren heurigen Ausläufern, Anm.) sei coronabedingt nicht immer einfach gewesen.

MEGAGUT. „Und Gott sei Dank gab es dann das RATA“, so Schranz, das gleichzeitig das Saison-Highlight für ihn darstellte. In einer Rekordzeit von 20 Stunden und 3 Minuten bewältigte der Tschupbacher die 14000 Höhenmeter und 525 Kilometer. „Heuer bin ich es anders angegangen“, sagt er, denn vorher habe das RATA für ihn mehr abenteuerlichen Charakter gehabt, nach dem Motto: „Schaffe ich das überhaupt? Es war eher eine Fahrt ins Ungewisse!“ Beim diesjährigen Rennen hatte er mit Rubi-soier zudem einen „sehr erfahrenen“ Mann an seiner Seite, der auch als sein Trainer fungierte. Übrigens: Was schätzt er selbst höher ein, den RATA-Sieg oder den Sieg beim Weißen Rausch? Schranz überlegt lange. „Das kann man so nicht vergleichen. Beim Weißen Rausch bist du in acht Minuten wieder in St. Anton, und beim RATA bist du einen Tag lang mit deiner ganzen Mannschaft unterwegs.“ So gesehen sei dieses Radrennen „viel mehr Herausforderung“. Außerdem spiele beim Weißen Rausch immer ein wenig Glück beim Massenstart mit. „Ich habe mich megagut auf das RATA vorbereitet, habe alles gemacht, damit ich abliefern kann“, erzählt der 30-Jährige, und fügt an: „Aber dass es so gut funktioniert, damit habe ich nie gerechnet!“

RIESEN GLÜCK. Am Stilfser Joch habe er zum ersten Mal realisiert, dass er wohl gewinnen würde. Allerdings habe ihm sein Team nie gesagt, wieviel er Vorsprung hat. War das ausgemacht? „Nein“, lacht er, „das war so nicht ausgemacht!“ Seine Betreuer wussten zwar, dass er auf Rekordzeit liegt, „aber sie wollten, dass ich noch richtig Gas gebe“. In Mals habe er dann erfahren, dass er eine halbe Stunde Vorsprung hat. Letztendlich fuhr er einen Rekordsieg ein. Die sportliche Laufbahn von Schranz hört sich indessen spektakulär an. Erst im Jahr 2016 habe er nachhaltig zu trainieren begonnen. In seinen Jugendjahren spielte er Fußball im Prutzer Nachwuchs. „Nicht viel getan“ habe er sportlich während seiner Lehrzeit und in den Jahren darauf. Irgendwann sagte er sich selbst: „Jetzt warst du als Kind so fit und so gut drauf, jetzt fang wieder an zu trainieren!“ Worauf kommt es beim Extremsport an? „Wenn du mental stark bist, kannst du viel schaffen“, weiß der Oberländer. Mentale Geheimnisse gibt es für ihn derweil nicht wirklich, nur: „In die Natur oder auf die Jagd gehen, wenn ich Zeit habe“, das bringe ihn runter. Ob es schon mal etwas sportlich Niederschmetterndes gegeben hat? „Eigentlich nicht. Aber beim Weißen Rausch (Siegesfahrt) habe ich mir beim Sturz in die Hand geschnitten. Da muss ich mit der Skikante drüber sein. Ich hab da Gott sei dank die Ski nicht verloren, aber wenn du diese Wunde siehst, fragst du dich schon: Steht da soviel dafür – ich habe in dieser Situation riesiges Glück gehabt!“ Ungut seien auch die Probleme gewesen, die er bei der diesjährigen Salzkammergut-Trophy hatte, ereilte ihn doch dreimal eine Reifenpanne. Spricht man ihn auf seine Ziele an, wäre die Mitwirkung am Race Across America (RAAM) „schon ein Traum, aber da sind wir halt beim Thema Profi“, weiß der Tiroler. „Finanziell und das Rundherum ist ein anderer Aufwand, und du brauchst viele Leute!“ Seine nahe Zukunft heißt jetzt mal HTL Imst. Er lacht: „Ich muss da schauen, dass ich wieder ins Lernen reinkomme. Nebenbei trainieren wir jetzt schon für das nächste Jahr.“ Der Weiße Rausch sei vorerst das einzige, „das ich im nächsten Jahr konkret machen möchte“. Nachsatz: „Es soll ja alles auch eine Gaudi machen.“
 
„Das war so nicht ausgemacht“<br />
Der RATA-Rekordsieger legt sich für die RUNDSCHAU in seinem Fitnessstudio ins Zeug. RS-Foto: Unterpirker
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