Landwirt’ und Wirtsleut’ – beste Freunde?

Regionale Meinungsbildner und Akteure waren zum Frühstück der Grünen Wirtschaft geladen. Foto: Grüne Wirtschaft

Tourismusfrühstück der Grünen Wirtschaft Tirol

Im Rahmen des Projekts Tourismus 2030 lud die Grüne Wirtschaft Tirol zu einem Tourismusfrühstück und so konnten in der Bezirksstelle Reutte der Wirtschaftskammer Tirol regionale Meinungsbildner und Akteure an einem vom Bauernmarkt.mobil bereitgestellten köstlichen Frühstückstisch Platz nehmen. 

Die Grüne Wirtschaft Tirol und zahlreiche Touristiker widmen sich intensiv dem Tourismus in Tirol, seinen Ausprägungen und der Dringlichkeit nachhaltiger Veränderung und Entwicklung. „Wir sind hier Leit-Organisation in der Befassung mit dieser Herausforderung und im Aufzeigen neuer Wege.
Seit Jahren weisen wir auf die eklatanten Folgen der Übernutzung unserer alpinen Regionen hin“, beschreibt Projektleiterin Angelika Hörmann ihren Auftrag. „Manchmal dauert es eben ein bisschen länger, bis gar nicht mehr so neue Erkenntnisse in Kreisen politisch Verantwortlicher Gehör finden. Meistens erst dann, wenn „Feuer am Dach ist “, so Hörmann weiter.

Ökologisch, ökonomisch, regional, erfolgreich.

Kernthema der spannenden Debatte der Gäste war, wie man tatsächlich regional wirtschaften, zugleich ökologisch und ökonomisch authentisch und erfolgreich am Weg ist.
Wolfgang Winkler, Leiter der Bezirksstelle der WK-Tirol und treibende Kraft für das Wiedererstarken einer regionalen Produktkette, berichtet dazu von einem ersten wichtigen Schritt: „Was früher völlig selbstverständlich war: Wir schlachten wieder in unserer Region und können regionales Fleisch anbieten.“ Der Hürdenlauf durch die Instanzen ist geschafft, das sei zwar erst ein Aspekt der Nachhaltigkeitsbestrebungen. „Im Rahmen des Planungsverbandes 2 für Gäste und Einheimische drängen wir darauf, wieder ein attraktives Angebot für die Nutzung der Außerfernbahn von Vils bis Garmisch-Partenkirchen bereitzustellen, Verhandlungen laufen bereits“, so Winkler weiter.
„Die Nahrung soll unsere Medizin sein“, zitiert Lech-Life-Wirtin Karin Kühbacher den griechischen Arzt Hippokrates und unterstreicht damit den Zugang zu regionaler Versorgung – so wie Thomas Storf, Gorihof. Er richtet „einen dringenden Appell“ an alle Beteiligten, gerade in der Vermarktung ehrlich zu sein, denn „wir können nicht mehr – mangels entsprechender landwirtschaftlicher Betriebe – das abdecken, was benötigt würde.“
Wie Landwirte wieder so produzieren können, dass sie auch davon leben können oder die Tatsache, dass 80% „Convenience“ Produkte verlangt werden, seien infrage zu stellen oder zu berücksichtigen. „Du musst sozusagen passend produzieren, ein schwieriges Unterfangen.“
Wie fordernd der Einstieg in die Hotellerie ist, beschreibt der junge Hotelier Sebastian Müller vom „Mellow Mountain“ in Ehrwald. „Und doch tu‘ ich es, weil ich es gern tu‘. Heute einen Dreistern-Betrieb führen, geht nur, wenn Du ein Konzept einbringst, das Dich vom früheren unterscheidet. Und das scheint wohl zu funktionieren“, stellt Sebastian Müller nach einem guten Jahr seiner Hotelleitung fest.
„Einen wertschätzenden Blick wirft Georg Kaltschmid, Grüner Landtagsabgeordneter und selbst Hotelier am Walchsee, auf seine Gäste: „Die Zuschreibungen, die wir oft treffen, sind nicht immer gerechtfertigt: Unsere Gäste schauen sehr genau drauf, was sie zu essen bekommen, wie die Umgebung aussieht, welche Mobilität sie wählen und auch, welche Alternativen sie zur Massenabfertigung auf technisch beschneiten Pisten finden und ob Ruhe und Erholung möglich sind.“ Die Kitzbüheler Piefke-Saga-Beschneiungaktion, „die durch alle deutschen Medien geisterte, hat dem Tourismus mehr geschadet, als den Liftbetreibern nun recht ist“, unterstreicht Hörmann.

Vorschläge.

Die leidige Tourismusabgabe und deren Verwendung, das Dumping seitens der Billigstanbieter, die mehrfach festzustellende Pseudoregionalität werden genauso thematisiert wie die Häufung von virtuellen Plattformen, die kaum genutzt werden, „weil wir ja im Lokal stehen“, so Katharina Ziegler von „Das Kaffee & Freiraum“, „ich will auch gar nicht stundenlang am PC sitzen.“
Das Fehlen einer Institution oder einer Person, die in der Lage ist, als tatsächlicher Knotenpunkt der Vernetzung zu agieren, der „Gebietsschutz“, bei dem man oft nicht weiß, was geschützt wird, die Idee der Markthalle, die seitens der Gemeinde nicht aufgegriffen wurde, die Tatsache, dass bei einem regionalen Industriegroßbetrieb bis zu 70 Köche arbeiten, weil sie dort passendere Arbeitsbedingungen haben als in der Hotellerie/Gastronomie und vieles andere mehr – zahlreiche Anregungen und Vorschläge derer, die direkt im Geschehen sind, liegen auf dem Tisch. „Wir sehen es in unserer Verantwortung, genau diese Themen zu vertreten und deren oft ganz unkomplizierten Lösungen in die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Tirol hineinzureklamieren.
Auch der Landeshauptmann als Verantwortlicher für die weitere Entwicklung des Tourismus hat erkannt, dass das aufgenommen werden muss, wir bieten ihm an, unsere Expertise zu nützen. Gemeinsam nützen wir dann dem Land“, so Hörmann abschließend.