Lange Haftstrafen für Oberländer Kokainbande

Vier der sieben Angeklagten wurden aus der U-Haft in den Schwurgerichtssaal gebracht. Richterin Helga Moser, die Vorsitzende des Schöffensenats, verhängte lange Haftstrafen. RS-Foto: Schnöll

Sieben Angeklagte wurden am Landesgericht zu Haftstrafen verurteilt, der Bandenkopf muss insgesamt 11,5 Jahre absitzen

Fünf Oberländer und ein Bulgare mussten sich am vergangenen Donnerstag am Landesgericht Innsbruck vor einem Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Helga Moser wegen Suchgifthandels und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verantworten. Der Drahtzieher der Drogengeschäfte, ein Baggerfahrer aus dem Hinterötztal, muss insgesamt elfeinhalb Jahre ins Gefängnis, über die anderen Angeklagten wurden ebenfalls lange Haftstrafen verhängt. Die Urteile sind rechtskräftig.

Von Gebi G. Schnöll

In einer Reihe saßen die sechs Männer auf der der Anklagebank, vier von ihnen wurden von Justizbeamten in den Schwurgerichtssaal begleitet. Sie befinden sich nämlich seit mehreren Monaten in U-Haft. Seit 2018 wurde gegen die Kokainszene im Großraum Imst ermittelt, heuer im Frühjahr klickten bei mehreren Verdächtigen die Handschellen. Einige von ihnen waren bereits einschlägig vorbestraft. Auch der aus dem Hinterötztal stammende Baggerfahrer, der mit Kokainhandel im großen Stil bereits öfters großes Geld machen wollte. Zweimal wurde er bereits wegen Drogengeschäften zu je siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt, geläutert haben ihn die mehrjährigen „Hotel Gitterblick“-Aufenthalte offenbar nicht. „100.000 Euro Schulden habe ich aus einem Konkurs, da ist halt alles nicht so leicht“, erklärte er vor dem Schöffensenat. Schulden in Höhe von 30.000 Euro, die sich aus Drogengeschäften angesammelt haben, gab der aus Bulgarien stammende Zweitangeklagte an. Er war vor seiner Verhaftung arbeitslos und lebte mit seiner Frau und den beiden Kindern (sechs und acht Jahre) in Linz. Der Ötztaler, der 2018 bedingt aus der Haft entlassen wurde, und der Südosteuropäer lernten sich über eine Unterländerin kennen und man stieg gemeinsam ins Kokaingeschäft ein. Der Bulgare wollte einem Wiener „Koks“ in großen Mengen abkaufen und nach Tirol bringen. Die Rede war von einem 40.000-Euro-Deal, am Ende waren es zwei Kilogramm, die der Hauptangeklagte über den Bulgaren bestellte.

150 Gramm Kokain in der Ötztaler Ache entsorgt

Das Kokain wurde im Großraum Imst in Umlauf gebracht. Drei der sieben Angeklagten sind irgendwie über den Kontakt zum Hauptangeklagten in das Kokaingeschäft hineingeschlittert. Sie haben sich das „weiße Pulver“ selbst hineingezogen und zum Teil zur Finanzierung des Eigenkonsums auch damit gehandelt. Auf der Anklagebank saßen auch zwei Geschäftsleute, die zwar Kokain „geschnupft“, aber keinen Handel betrieben haben. Einer von ihnen schilderte, dass er aus einem privaten Naheverhältnis heraus dem Hauptangeklagten 15.000 Euro geliehen habe, damit dieser Kokainschulden begleichen könne, die sich angesammelt hatten, weil einige Abnehmer in Zahlungsverzug geraten waren. Der Geschäftsmann fing danach selbst zu „koksen“ an und er hatte, laut Staatsanwalt Thomas Willam, 200 Gramm in seiner Firma gelagert. Etwa 50 Gramm habe der Angeklagte aus dem Depot geholt, den Rest habe er kurz vor seiner Verhaftung aus Angst vor der Polizei in der Ötztaler Ache entsorgt. Vor dem Schöffengericht schilderte der Unternehmer: „Was ich gemacht habe, ist eine Katastrophe für meine Familie und meinen Betrieb. Unter Drogeneinfluss glaubt man, der Beste zu sein, dem ist aber nicht so. Ich litt zeitweise sogar unter Verfolgungswahn und musste mich einer Therapie unterziehen!“

Lange Haftstrafen

Staatsanwalt Thomas Willam erklärte während der Verhandlung, dass irgendwann jeder vor Gericht landet, wenn der Drogenmissbrauch zu heftig wird. Dem rückfällig gewordenen Hauptangeklagten drohten bis zu 20 Jahre Haft, dem Bulgaren und einem Imster bis zu 15 Jahre, den anderen vier Angeklagten bis zu zehn Jahre. Richterin Helga Moser berücksichtige bei der Bewertung die Geständnisse der Angeklagten. Der Hauptdrahtzieher erhielt neun Jahre plus 2,5 Jahre aus dem Widerruf der erlassenen Bewährungsstrafe, der Bulgare muss für vier Jahre ins Gefängnis, ein Imster erhielt drei Jahre Haft, zwei Imster wurden zu zwei Jahren beziehungsweise 18 Monaten Haft verurteilt, einer der Geschäftsmänner wurde ebenfalls zu 18 Monaten Haft verurteilt, der andere erhielt ein Jahr Gefängnis, davon acht Monate bedingt. Alle Angeklagten nahmen das Urteil an. Rechtskräftig!