Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Menschen

Links der Schmelzwasser führende Inn, rechts der mächtige Seitenarm, der nun nach mehrmonatiger Bauzeit fertig gestellt wurde. Tiere, Pflanzen und Menschen können sich an dem Gewässer und den Ufern erfreuen. RS-Foto: Schnöll

Renaturierungsprojekt „der.inn“ bei Telfs wurde nun abgeschlossen – Land Tirol investierte 600.000 Euro

Der Inn hat nun nach mehrmonatiger Bauzeit bei Telfs einen neuen Seitenarm erhalten, der Vögeln, Fischen, Fröschen, Pflanzen und auch den Menschen neuen Lebensraum bietet. Die Revitalisierungsmaßnahme nahe der Autobahn A 12 bei Telfs/West erfolgte im Rahmen des Projekts „der.inn“. Rund 600.000 Euro investierte das Land Tirol in das Vorzeigeprojekt, 30.000 Euro kamen aus Spendengeldern der ORF-Aktion „Mutter Erde“. 

Mit einem 580 Meter langen Seitenarm, ausgedehnten Schotterflächen und besten Voraussetzungen für die Entwicklung eines standorttypischen Auwalds – so präsentiert sich der Inn am orographisch linken Ufer bei Telfs West nach knapp zweijähriger Bauzeit. „Die Revitalisierung des Inns bei Telfs West ist die nunmehr 16. der im Rahmen des Projekts ‚der.inn‘ abgeschlossenen Revitalisierungsmaßnahmen am Hauptfluss Tirols“, freute sich Umweltschutzreferentin LH-Stv. Ingrid Felipe am vergangenen Donnerstag bei einem Lokalaugenschein. Einmal mehr sei es gelungen, neuen Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tierarten zu schaffen und den Fluss ein Stück seinem natürlichen Lauf anzunähern.

HOCHWASSERSCHUTZ. Ziel des Projekts „der.inn“, das seit 2008 läuft und bereits zwei Mal verlängert wurde, ist ein integrierter Hochwasserschutz im Zusammenspiel mit gewässerökologischen Verbesserungen am Gewässer. „Das Thema Hochwasserschutz spielt hier in Telfs West eine untergeordnete Rolle. Generell können Flussaufweitungen alleine Hochwasserschutzmaßnahmen nicht ersetzen. Grundsätzlich bewirken sie aber bei niedrigeren Hochwasserereignissen eine lokale Reduzierung der Fließgeschwindigkeiten und einen lokal niedrigeren Wasserspiegel. So leisten Flussaufweitungen einen kleinräumigen Beitrag zum Hochwasserschutz bei kleineren Ereignissen“, verweist Katastrophenschutzreferent LH-Stv. Josef Geisler auf den Mehrfachnutzen der Revitalisierungsprojekte.

FLORA UND FAUNA PROFITIEREN. Im knapp 30.000 Quadratmeter großen Abschnitt zwischen der Autobahnabfahrt Telfs West und der Autobahnbrücke wurden die im Zuge des Autobahnbaus zum Schutz des Ufers errichteten  Flussbauwerke, so genannte Buhnen, rückgebaut und ein temporär durchströmter Seitenarm angelegt. Ein vor der Maßnahme kaum mehr vom natürlichen Überflutungsgeschehen erfasster Auwaldstreifen wird nun wieder von der Flussdynamik erfasst. Auch Amphibien wie die gefährdete Gelbbauchunke oder Vogelarten wie der Flussuferläufer profitieren von der neuen Vielfalt der Gewässerlebensräume.

BGM. HÄRTING DANKT. Entstanden ist aber nicht nur eine neuer Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sondern auch ein neuer Erholungsraum. „Im Raum Telfs stehen Erholungssuchenden die verschiedensten Naturräume zur Verfügung. Dass dieses Angebot jetzt durch eine so gelungen revitalisierte Aulandschaft ergänzt wird, ist wunderbar und ein echter Gewinn für Telfs und seine Bevölkerung“, dankt Bgm. Christian Härting allen Beteiligten.

BEDEUTENDER MEILENSTEIN. Durch die Aufweitung des Flussraumes erhält der Inn wieder Auen, Schotterbänke und attraktive Seitenarme zurück. Von Weiden gesäumte Naturufer laden wieder zum Verweilen am Fluss ein. „Das Projekt der.inn – lebendig und sicher ist ein absolutes Vorzeigebeispiel. Die Maßnahme in Telfs West ist ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg den Inn wieder sicherer und lebendiger zu machen“, betont auch Gerhard Egger vom WWF. Der Inn ist mit einer Länge von über 500 Kilometern einer der längsten und mächtigsten Alpenflüsse. Von dem ursprünglichen Wildfluss mit ausgedehnten Auwäldern und großem Artenreichtum sind heute nur noch Reste erhalten. Daher gilt es, die intakten Bereiche vor Eingriffen zu schützen und naturferne Strecken wieder in einen natürlicheren Zustand zu versetzen.Die Baukosten von rund 600.000 Euro hat das Land Tirol übernommen. 30.000 Euro kamen aus Spendengeldern des ORF-Schwerpunkts „Mutter Erde“.

Lokalaugenschein: V.l. Bürgermeister Christian Härting, LH-Stv. Josef Geisler, LH-Stv. Ingrid Felipe und Gerhard Egger vom WWF. RS-Foto: Schnöll
Die Schautafel gibt Auskunft über das großartige Renaturierungsprojekt und die dazu notwendigen Baumaßnahmen, die von der Firma „Fiegl Tiefbau“ aus Ötztal-Bahnhof durchgeführt wurden. RS-Foto: Schnöll