Leichen im Wohnzimmer

Liebe Freunde spannender Kriminalfilme!

Der Sonntag Abend ist etwas Besonderes. Eine undefinierbare Mischung zwischen Ende der alten und Start der neuen Woche. In aller Regel sind da meine Frau und ich fix Zuhause. Und haben ein Programm. Tatort. Oder Polizeiruf. Jedenfalls Krimi. Wir lieben das seit Jahrzehnten. Und fühlen uns irgendwie fast selbst wie ein Ermittler-Duo. Aber ich muss eingestehen. Der Hauptkommissar ist weiblich. Im Ratespiel, wer der Mörder sein könnte, liegt Margit geschätzt mit 60:40 vorne. Die Kunst, Verdächtige
systematisch auszuscheiden, beherrscht meine liebe Gattin wie kaum eine andere. Ich hingegen bin leicht auf eine falsche Fährte zu führen. Vielleicht lasse ich mich ja zu stark von der Action ablenken. Während meine Angetraute feinsinnig auf Details schaut.
Außerdem bin wohl zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Mit allgemeinen, grundsätzlichen philosophischen Betrachtungen. Wie zum Beispiel: Warum mag eigentlich ausgerechnet ich, der überzeugte Pazifist, der Gewalt hasst und Waffen ablehnt, die Suche nach Mördern? Ich denke, es ist dieses Spiel mit dem Ungewissen. Und bei mir – ganz ehrlich – manchmal auch die Identifikation mit den Tätern. Gut inszeniert gelingt es den Regisseuren nicht selten, mich auf die Seite des Bösen zu bringen. Vielleicht sollte ich das einmal mit meiner Psychotherapeutin besprechen. Dazu gehört wohl auch die Frage, warum mich die vielen Toten ziemlich kalt lassen. Apropos Leichen. Jüngst versuchte ich mit meiner Frau, eine Art persönliche Kriminalstatistik zu erstellen. Wir schauen jetzt seit fast 40 Jahren Tatort. Das Ganze 50 Mal pro Jahr. Im Schnitt zwei Ermordete
pro Streifen. Das ergäbe überschlagsmäßig gut 4000 Dahingeschiedene. Hätte ich geglaubt. Aber die Chefermittlerin klärte auf. Seit Jahren sei ich im Schnitt bei jedem zweiten Film zwischendurch eingeschlafen. Was mich letztlich nur neben gefühlten 2000 Leichen aufwachen ließ!

Meinhard Eiter

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