Leistbares Wohnen soll in Zirl Realität werden

Leistbares Wohnen als Ziel: Ein Eigenheim oder eine Mietwohnung – für viele Ortsansässige ist Wohnen in Zirl längst nicht mehr erschwinglich.RS-Foto: Archiv/Schnöll

Gemeindevertreter wollen den schwindelerregenden Preisentwicklungen am Wohnungsmarkt Einhalt gebieten

Schaffe, schaffe, Häusle baue: Aber angemessen zu wohnen, Platz zu haben für sich und seine Familie, das wird zunehmend schwieriger. In Anbetracht des Status quo bleibt der Wunsch vom Eigenheim für viele Zirler lediglich ein Traum. Vor allem für junge Familien ist es unmöglich, sich eine Wohnung – geschweige denn ein Haus – zu leisten und sich Eigentum zu schaffen. Nach dem rapiden Anstieg der Wohnpreise in den vergangenen Jahren zieht die Gemeinde nun einen Schlussstrich. 

Tirol hat die höchsten Grundstücks- und Immobilienpreise Österreichs, gleichzeitig aber die niedrigsten Durchschnittseinkommen. Zirl ist da keine Ausnahme – im Gegenteil: „Am Zirler Wohnungsmarkt sind schwindelerregende Preisentwicklungen im Gange“, weiß Bürgermeister Thomas Öfner. Für einen Quadratmeter Baugrund werden mittlerweile Beträge jenseits der 1.000 Euro Marke gefordert. Kaufangebote für Wohnungen mit einem Preis von 7.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche sind in Zirl längst Usus. „So wie es jetzt gelaufen ist, kann es nicht weitergehen. Die Preise sind viel zu hoch gestiegen“, bemängelt GV Josef Gspan. „Zahlungen in dieser Größenordnung sind z.B. für junge Familien, alleinerziehende Mütter oder ein junges Paar mit Zukunftsplänen schlicht und ergreifend unfinanzierbar“, so Öfner. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre sind Anlass und zugleich Startschuss für die aktuelle Initiative: Bürgermeister Thomas Öfner, Gemeindevorstand Josef Gspan und Wohnausschussobmann Alfred Stecher wollen in Zirl wieder leistbaren und qualitätsvollen Wohnraum ermöglichen. Ihnen geht es darum zu verhindern, dass Junge zum Abwandern gezwungen werden, weil sie sich keine Wohnung im Ort leisten können. 

EXPLODIERENDEN PREISEN EINHALT GEBIETEN. Die drei Gemeindevertreter haben sich zusammengetan und bei Dr. Markus Kostner juristischen Rat eingeholt – unter anderem zu Vergaberechten und zur Preisgestaltung. Mit seiner Hilfe sollen die Möglichkeiten der Vertragsraumordnung ausgeschöpft werden. „Wir wollen keine Bausperre, aber dennoch müssen wir den Bauträgern eine Art die Stopptafel zeigen“, erklärt Gspan. Man wolle Projekte keinesfalls ewig aufschieben. „Wie lange das dauert, kommt unter anderem auf die Partner an“, so Bürgermeister Öfner. Vieles hänge von der Einsicht der Bauträger ab. Denn es ginge darum, auch etwas anderes als den maximalen Gewinn mitzudenken. Bis geeignete Instrumentarien bzw. neue Wege gefunden werden, sollen für Projekte, bei denen mehr als drei Wohneinheiten errichtet werden, keine Bebauungspläne mehr erlassen werden. Ausgenommen sind Bauvorhaben, die Wohnraum zu erschwinglichen Preisen sicherstellen. Gewünscht sei ein partnerschaftlicher Vertrag für beide Seiten, aber ein „Wunschkonzert“ werde es keines geben, denn: „Unsere Möglichkeiten sind gedeckelt“, berichtet Stecher.

LEISTBARES WOHNEN NEU POSITIONIEREN. Die Gemeindevertreter streben somit die Ausarbeitung von Rahmenbedingungen an, die die Wirtschaftlichkeit der Bebauung beeinflussen und Wohnraum zu erschwinglichen Preisen möglich machen. „Es geht uns darum, in Zusammenarbeit und Kooperation mit den in Zirl tätig werdenden Wohnbauträgern, leistbares Wohnen neu zu positionieren und damit die Wohnsituation, vor allem für junge Menschen, nachhaltig zu verbessern“, betont Öfner. Parallel dazu sei man bestrebt, zeitnah auf den wenigen gemeindeeigenen Grundstücken erschwingliche Wohneinheiten zur Verfügung zu stellen, so der Bürgermeister weiter.

Die angeführten Maßnahmen wurden bereits im Raumordnungsausschuss einstimmig beschlossen. In Kürze soll der Gemeinderatsbeschluss folgen.

Von Beatrice Hackl

GV Josef Gspan, BM Thomas Öfner und GR Alfred Stecher wollen in Zirl wieder für leistbaren Wohnraum sorgen. Dafür sollen die Möglichkeiten der Vertragsraumordnung ausgeschöpft werden – die drei Gemeindevertreter sind zuversichtlich, rechnen aber auch mit Gegenwind. RS-Foto: Hackl

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