Licht, Leben, Liebe

Eine tolle Frauen-Performance: Renate Bähne, Annemarie Gigl, Gabriele Prieth, Christine Schneider, Cangül Bozkurt und Brigitte Lang ließen bei der Vernissage in der evangelischen Kirche das Leben hochleben. RS-Foto: Gerrmann

Christine Schneiders Bilder in der evangelischen Kirche in Reutte

Das Leben ist vielfältig, das Leben ist bunt, das Leben ist schön – und von all dem erzählt eine Ausstellung, die zurzeit in der evangelischen Kirche in Reutte zu sehen ist. Das Motto der Gemälde von Christine Schneider: „Viva la Vida – Es lebe das Leben!“ – Am Freitag gab es anlässlich der Langen Nacht der Kirche die Vernissage.

Von Jürgen Gerrmann

Der Pfarrer, die Künstlerin und die Kunst.

Das Leben ist auf Kommunikation angelegt. Auch mit Gott könne man in einen Dialog treten, unterstrich Pfarrer Mathias Stieger in seiner Begrüßung. Sei es durch das Wort, sei es durch das Sakrament. Aber auch über die Kunst. Auch Christine Schneiders Bilder lüden zum Dialog ein, auch wenn der eine im ein- und demselben Gemälde etwas völlig anderes sehe als die andere oder die Künstlerin selbst.

Ein Höhepunkt der Vernissage war die Performance, die die Reut-tenerin mit ihren Freundinnen Brigitte Lang, Cangül Bozkurt, Gabriele Prieth, Annemarie Gigl und Renate Bähne gestaltete. Sie spannte den Bogen vom Meditativen, nach innen Gekehrten bis hin zur pulsierenden Lebensfreude, die einfach ansteckend ist und der sich wohl kaum jemand entziehen kann, und drehte sich dabei um die Entdeckung des Ich, dessen, was trotz des Stresses der täglichen Arbeit und dem, was einen sonst einengt, in einem wohnt, wachgeküsst und geliebt werden will.

Viele von Christine Schneiders Bildern lassen einen an die Schöpfungsgeschichte denken: „Gott sprach ,Es werde Licht‘. Und es ward Licht!“ Die Sehnsucht nach dem Licht, nach den Farben des Lebens, spiegelt sich auch in ihrer Kunst wider. Es ist eine erfüllte Sehnsucht, die aus ihrer Begeisterungsfähigkeit lebt, die ihre Wurzeln auch in den kleinsten Kleinigkeiten zu haben vermag – sei es in einer Heuschrecke, die Eier legt, oder in einer zarten Wolke am blauen Himmel, in der sie einen Engel entdeckt. Dieser Ur-Funke der Begeisterung springt dann sowohl auf ihre Bilder als auch auf deren Betrachter über.

Als Naturführerin im Naturpark Tiroler Lech ist ihr aber auch eine zweite Dimension des „Viva la Vida“ wichtig: Das Leben soll leben können. In all seinen Schattierungen, in all seinen Farben. Daher sind einige Bilder in dieser Ausstellung auch ein Fingerzeig, eine Mahnung, ein Appell oder ein Wink mit dem Zaunpfahl, genau hinzuschauen.

Das Artensterben etwa ist für die Diplom-Biologin nicht nur Statistik, sondern eine existenzielle Frage. Auch dass das Außerfern im Verkehr zu ersticken droht, lässt ihr keine Ruhe. Denn sie liebt ihre Heimat und ihre Mutter Erde und hat ein feines Gespür für die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind.

Diese Liebe spricht gerade aus den Bildern, die das Thema Heimat aufnehmen, widerspiegeln und beleuchten. Ihre Alpen-Szenerien zum Beispiel, deren Falten auch an die Würde und das Unvergängliche bei einem alternden Menschen erinnern. Aber auch das Edelweiß, das als Symbol weit mehr als nur eine Dimension hat, für Gutes, aber auch für Schlimmes steht und, obwohl es das Symbol der mitteleuropäischen Berge ist, dennoch auch einen Migrationshintergrund hat.

Mit all dem kann man noch bis zum Sonntag, 24. Juni, einen inneren Dialog führen. Dann findet  um 10 Uhr die Finissage statt. In diesem Gottesdienst, der vom Chor der Kirchengemeinde umrahmt wird, werden zugleich die vor kurzem gewählten Pfarrgemeinderäte auf ihr Amt verpflichtet.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.