„Lindern, aber nicht heilen“

Im Bild: Wohnbauförderung-Abteilungsvorstand Otto Flatscher, Bezirkshauptmann Raimund Waldner, Landesrätin Beate Palfrader, der Imster Bürgermeister Stefan Weirather und Markus Lechleitner, Geschäftsführer der Alpenländischen Wohnbaugesellschaft. RS-Foto: Matt

Imst: Neuerungen bei der Wohnbauförderung vorgestellt

Die Immobilienpreise haben in den vergangenen Jahren tirolweit kräftig angezogen. Das ist nicht nur Suchenden auf dem Wohnungsmarkt leidlich bekannt, sondern auch dem Land Tirol. Die landesweiten Maßnahmen, die das Wohnen zumindest im erschwinglichen Rahmen halten sollen, werden momentan in den Bezirken vorgestellt – so auch vergangenen Freitag in Imst.

Von Manuel Matt

Viele Herausforderungen und Schrauben im „schweren Themenfeld“ des Wohnens sieht die für die Wohnbauförderung zuständige Tiroler Landesrätin Beate Palfrader. Das Zinsniveau bleibt niedrig und Immobilien dementsprechend attraktiv für Investoren und Spekulanten, was zu Preisen führt, die von vielen auf der Suche nach Wohnraum nur noch als jenseits von Gut und Böse angesehen werden. Es sei eine Entwicklung, die sich in ganz Europa abzeichne, so Palfrader, wobei Tirol aufgrund des knappen Angebots an bebaubaren Flächen wohl ein besonderes Alleinstellungsmerkmal zukommt. Helfen sollen mehrere Maßnahmen seitens der Politik, wobei die Landesrätin gleich zu Beginn relativiert: „Wir können lindern, aber nicht heilen“.

Wohnbauförderung & Mietzinsbeihilfe

Besondere Bedeutung genießt dabei vor allem die Wohnbauförderung, die mit Jahresanfang erhöht wurde. Das solle für Käufer einer neu errichteten Eigentumswohnung „besonders spürbar“ sein, sagt Palfrader und lässt ihr Versprechen von Otto Flatscher, Vorstand der Wohnbauförderung-Abteilung, in ein konkretes Zahlenbeispiel gießen. Im Fall einer Familie mit zwei Kindern, die eine 110 Quadratmeter Eigentumswohnung erwerben möchte, belaufe sich die maximale Summe des Wohnbauförderung-Kredits auf 126.500 Euro – eine Steigerung von 11.000 Euro. Auch Mieter würden  von den Änderungen profitieren, fließt die Wohnbauförderung doch in diesem Fall an die Errichtungsgesellschaft, die in weiterer Folge einen niedrigeren Mietzins verlangen soll. Höher wird zukünftig auch die Mietzinsbeihilfe ausfallen, zumindest am Beispiel einer dreiköpfigen Familie in einer 90 Quadratmeter großen Wohnung und einem Netto-Einkommen von 1.720 Euro, was in diesem Fall dem Tiroler Durchschnitt entspricht.  Waren es hier bisher monatliche 55 Euro, werden es zukünftig 193 Euro an Mietzinsbeihilfe sein. Verlängert wird zudem die einkommensunabhängige Sanierungsoffensive des Landes, die bis zu 30 Prozent der förderbaren Sanierungskosten bei Maßnahmen wie Fenster- oder Heizungstausch sowie der Erneuerung von Dachdämmungen übernimmt. Das solle Kosten, aber auch Energie einsparen und Kohlendioxid-Emissionen reduzieren, so Palfrader.

Fünf-Euro-Wohnen & Verdichtung

„Erschwinglichen Wohnraum“, gerade für junge Familien, sieht Palfrader in Fünf-Euro-Wohnprojekten, jüngst realisiert in Haiming, geplant in Umhausen. Knapp dran ist in Imst die gemeinnützigen Alpenländische Wohnbaugesellschaft mit der 2015 erbauten Wohnanlage am Rofen. Die Miete betrage aktuell 5,77 Euro pro Quadratmeter, zeigt sich Geschäftsführer Markus Lechleitner stolz – „und dies ohne die geringsten Abstriche bei der Ausstattungs- und Wohnqualität sowie einer großzügigen Tiefgarage“. Als größte Kostenschraube sieht Lechleitner dabei eine Erhöhung der Baudiche, da Gründe mittlerweile „unendlich rar“ seien. Einige Gemeinden würden sich aus verschiedensten Gründen gegen eine solche Erhöhung sträuben, in Imst trifft sie hingegen bei Bürgermeister  Stefan Weirather auf offene Ohren, schon in der Vergangenheit ein Befürworter von Verdichtung, wie sie in der Stadt in den letzten zehn Jahren passiert sei. Es sei sinnvoll, Verdichtung weiterhin zu ermöglichen, so Weirather, denn Wohnen sei menschliches Grundrecht. Auch im urbanen Raum, der aufgrund von Infrastruktur und Arbeitsplätzen wohl auch zukünftig nicht an Attraktivität einbüßen wird. Die Maßnahmen des Landes seien jedenfalls der richtige Weg, so Weirather, der als Abgeordneter auch im Tiroler Landtag wirkt.