Männerspiele im Zirkuszelt

Ganz oder gar nicht – ob die Stripteasegruppe bis zum bitteren Ende durchhält, darf man gespannt erwarten. Für ein arbeiterklassetaugliches Bühnenbild hat wieder der geniale Karl-Heinz Steck gesorgt. RS-Foto: Agnes Dorn

Tiroler Volksschauspiele handeln heuer von nackten Männern und einer wilden Frau

Nachdem vergangenes Jahr das angeblich schöne Geschlecht im Mittelpunkt des Bühnengeschehens der Volksschauspiele in Telfs stand, hat sich das heurige Theaterprogramm ganz auf das angeblich starke Geschlecht festgebissen. Bei „Ladies’s  Night“ darf man auf ganz viel nackte Haut hoffen, bei Mitterers „Die wilde Frau“ dagegen auf Gänsehautfeeling. Neben den zwei Theaterstücken bestehen die heurigen Spiele vor allem aus einem Rahmenprogramm, das dank schillernder Namen für beiderlei Geschlecht einen Besuch der Spiele wert sein dürfte.

Die Aussichten der sechs Männer im weniger als dem besten Alter sind alles andere als rosig: Job weg, Frau weg, Motivation gleich null und auch Aussehen und Auftreten der im Unglück Verbündeten lässt deutlich zu wünschen übrig. Dann die rettende Idee: Sie gründen als „Die wilden Stiere“ eine Männerstripteasegruppe, die fortan durch ihre Auftritt Geld scheffelt. Da ist nur ein Problem, denn: „Da sitzen tausende Weiber, die machen dich fertig“. Ganz oder gar nicht (ausziehen) bleibt daher bis zum Schluss die spannende Frage, der sich sowohl die Männer als auch die zusehenden Frauen stellen müssen. Der Regisseurin Astrid Großgasteiger hat die Arbeit am Stück sichtlich Spaß gemacht, denn die Produktion habe die Qualität der britischen Arbeiterkomödie aufgegriffen, diesen leisen Humor, der gerne auch mal deftiger daherkommt. Untermalt wird das Stück mit 80-er Jahre Musik.

THRILLER. Auch wieder fünf Männer und eine Frau, aber in einer ganz anderen Geschichte, treffen in Felix Mitterers Stück „Die wilde Frau“ aufeinander. Der Thriller, der den Machern eine Vielfalt an Interpretationen biete, sei „eines der interessantesten Stücke, wenn nicht das interessanteste von Mitterer“, macht Klaus Rohrmoser, der in diesem Stück Regie führt, neugierig auf diese spannende Geschichte rund um fünf Holzfäller, die in ihrer Berghütte von einer wilden, schweigenden Frau besucht werden und in ihrem Verlangen nach ihr ihr männlichstes Inneres nach außen kehren.

DRUMHERUM. Auch das Rahmenprogramm verspricht einiges Interessantes: Während die Hauptspielzeit der Schauspiele von den zwei Stücken dominiert wird, konzentriert sich das Rahmenprogramm auf die letzte Augustwoche: Gleich drei Autorenlesungen bringen Größen wie Uli Brée, Barbara Aschenwald, Martin Kolozs, Julia Gschnitzer, Felix Mitterer und Markus Völlenklee als Autoren beziehungsweise deren Gäste in den Kranewitterstadl. Auch der Kabarettist Markus Koschuh beehrt die Schauspiele heuer wieder, diesmal als Solostar mit einem Best-of-Programm. Am vorletzten Abend wird es noch einmal musikalisch und Judith Keller lädt mit Musikerkollegen zu einem Piaf-Konzert in den Großen Rathaussaal. Auch Felix Mitterer ist nicht nur als Autor wieder dabei, sondern ihm wird eine Ausstellung im Noaflhaus gewidmet sein, die mit einem Geburtstagsfest für den 70-jährigen Schriftsteller am 29. Juli eingeläutet wird. Eine zweite Ausstellung wird die Arbeiten von Helmut P. Ortner zeigen, der sich ab dem 27. Juli ironisch-humorvoll den großen und kleinen Fragen des Lebens in der Raiffeisengalerie Telfs nähert. Den heurigen Abschluss bildet der „Heilig Abend“, ein Zweipersonenstück von Daniel Kehlmann, das in drei Vorstellungen ebenfalls im Kranewitterstadl den Zuschauern Spannung garantiert.

Von Agnes Dorn

Bürgermeister Christian Härting, Regisseurin Astrid Gasteiger, Geschäftsführerin Silvia Wechselberger, Regisseur Klaus Rohrmoser und Hausherr KR Arthur Thöni freuen sich auf die Spiele. RS-Foto: Dorn
Francesco Cirolini und Lisa Hörtnagl unterbrachen die Pressekonferenz mit einer Darbietung ihrer Schauspielkunst, die in der Wilden Frau zum Ausdruck kommen wird. RS-Foto: Dorn
Für das neue Logo zeichnet sich der Tiroler Künstler Anton Christian verantwortlich. RS-Foto: Dorn

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