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Die Wehranlage mit insgesamt 11000 m3 verbautem Beton soll bis August fertig-gestellt werden. Foto: GKI

Tiwag übernimmt Verbund-Anteile am GKI – Bauarbeiten in Ovella wieder gestartet

 

Die Tiwag übernimmt die restlichen Verbund-Anteile am GKI und hält somit 86 Prozent. Die Arbeiten an der Wehrbau-stelle und der Tunnelvortrieb sind wieder angelaufen.

 

Von Daniel Haueis

 

Die Tiwag schaut in die Zukunft: Für die Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz wird noch heuer mit der finalen Entscheidung durch den Verwaltungsgerichtshof in Wien gerechnet. Die Bauvorhaben Erweiterung Kraftwerk Kirchbichl und Gemeinschaftskraftwerk Inn (GKI) im Oberen Gericht befinden sich in Bau. Nach Fertigstellung werden beide Anlagen zusammen zusätzlich rund 470 Gigawattstunden (GWh) Strom pro Jahr erzeugen. Das entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch von etwa 120000 Haushalten. Ihre Beteiligung am GKI wird die Tiwag durch Übernahme der Anteile der Verbundgesellschaft von zuletzt noch zehn Prozent weiter aufstocken – sie hält damit künftig 86 Prozent der Gesellschaftsanteile (die Engadiner Kraftwerke behalten ihren Anteil von 14 Prozent entsprechend dem Schweizer Erzeugungsanteil unverändert bei). „Nach Übernahme der Mehrheitsanteile im Jahr 2014 ist das der nächste logische Schritt. Damit werden sich künftig alle österreichischen Anteile in Tiroler Hand befinden“, freut sich Tiwag-Vorstandsvorsitzender Erich Entstrasser. Der Tiwag-Bezugsanteil wird sich mit der Übernahme um weitere 40 GWh erhöhen. „Das entspricht der durchschnittlichen Erzeugung von drei Kleinkraftwerken. Wir können damit die Eigenversorgung im Land erhöhen und leisten so einen weiteren Beitrag zur Energieautonomie Tirols“, so Entstrasser.

 

BÖRSENNOTIERUNG. Wolfgang Syrowatka, Verbund-Pressesprecher für Salzburg, Tirol und Bayern, erinnert an die Vereinbarung aus dem Jahr 2014: Bei der Reduktion von ehemals 50 auf 10 Prozent wurde vereinbart, dass der Verbund später aussteigt oder auf 25 Prozent erhöht – in diesem Fall hat sich der Verbund für den Ausstieg entschieden. Die Abtretung der letzten 10 Prozent an die Tiwag seien aber noch von der Wettbewerbsbehörde zu genehmigen, merkt Syrowatka an. Als Grund für den Ausstieg bringt der Pressesprecher die Börsenotierung des Konzerns ins Spiel: Als börsenotiertes Unternehmen passe der Verbund sein Projektportfolio dauernd an; aktiv sei man dort, wo sich betriebliche Synergien mit eigenen Anlagen ergeben. Und: Für ein börsenotiertes Unternehmen würden „strengere Richtlinien“ gelten. Personell sei die Verbund AG beim GKI aber nach wie vor involviert – der Bau wird weiterhin von deren Fachleuten begleitet. GKI-Geschäftsführer Johann Herdina drückt’s so aus: Die Tiwag sei für eine sichere Stromversorgung in Tirol zuständig, der Verbund sei börsenotiert und müsse „in kurzfristiger Wirtschaftlichkeit“ denken. Herdina ist jedenfalls „froh, dass wir die 10 Prozent auch übernommen haben“. Nur einen „Ehepartner“ zu haben (die Engadiner Kraftwerke) werde das Vorhaben nicht erschweren.

 

BAUARBEITEN BEI WEHRANLAGE. Seit 2. Mai wird auf der Wehrbaustelle in Ovella wieder mit Hochdruck gearbeitet. Wegen der extremen Schneemengen und der Lawinengefahr musste die Baustelle im Jänner vorübergehend eingestellt werden. Weitere massive Schneefälle und Regen hatten zu Schneeeinlagerungen und Beschädigungen an den oberhalb der Wehrbaustelle installierten Steinschlagschutznetzen geführt. Aufgrund der kalten Witterung und verzögerter Schneeschmelze konnte erst Ende April mit den Instandsetzungsarbeiten begonnen werden. Herdina geht von einer bis zu sechsmonatigen Verzögerung aus. Auch die Umleitung des Inn sowie der damit verbundene Baustart für das neue Dotierkraftwerk verschieben sich dadurch auf die nächste Niederwasserperiode im September 2018.

 

TUNNELVORTRIEB. Die beiden Tunnelvortriebsmaschinen sollen bis Ende Mai wieder den Betrieb aufnehmen. 42 Prozent des Triebwasserweges sind hergestellt. Die Schneidköpfe werden nun ca. 5 cm angehoben, wodurch ein besseres Vorankommen möglich sein sollte (da mehr Raum zwischen Bohrmaschine und „hereindrückendem“ Fels bleibt). Die Arbeiten am neuen Krafthaus zwischen Prutz und Ried stehen vor dem Abschluss. Parallel dazu wurde mit der Geländegestaltung begonnen – bis zum Sommer sollte wieder Grün vorherrschen. Die Inbetriebnahme ist für 2020 vorgesehen. Das neue Kraftwerk wird über 400 Gigawattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Das entspricht dem Stromverbrauch von rund 90000 Haushalten.

 

DI Johann Herdina: „Froh, dass wir die 10 Prozent auch übernommen haben“. RS-Foto: Haueis