„Meist ist er schwer, der Rucksack“

Zigtausende Fundstücke umfasst die Mineralien-, Gesteins- und Fossiliensammlung von Johann Tschol. RS-Fotos: Zangerl

Der St. Jakober Johann Tschol zeigt seine beeindruckende Mineraliensammlung

 

Zigtausende Mineralien, Gesteine und auch Fossilien umfasst die Sammlung des St. Antoners Johann Tschol. Neben inter-nationalen Stücken besitzt er auch viele Funde aus der Region. Dem Fimbatal in Ischgl schreibt der Experte bezirksweit das -größte Mineralienvorkommen zu.

 

Von Elisabeth Zangerl

 

Das Ötztal besitzt einen besonderen Schatz an Mineralien, der Granatenkogel in Obergurgl ist auch der Ursprung der Sammelleidenschaft von Johann Tschol: „Es war ein Novembertag des Jahres 1982, als mich ein Arbeitskollege an einem Sonntag fragte, ob ich ihn zur Mineraliensuche auf den Granatenkogel begleite“, erinnert sich der passionierte Sammler. Nahezu 36 Jahre und schätzungsweise 100 Bergtouren später wurde daraus eine stolze Mineraliensammlung mit zigtausend Exemplaren: „Der Rucksack ist meist schwer beim Heimkommen“, schmunzelt Tschol und zeigt dabei internationale Mineralien und Fossilien, die im Flur seines Arlenhofs in St. Jakob zu sehen sind, angefangen vom brasilianischen Wasserachat, über Gips vom Haller Salzberg, hin zum Millionen Jahre alten Bergkristall. Die Sammlung umfasst auch den in Österreich sehr selten vorkommenden Smaragd: „Smaragde gibt es nur im Habachtal (Salzburg)“, weiß der Fachmann. Daneben gesellen sich ein Gelbbleierz aus Bleiburg und auch zahlreiche Fundstücke aus dem Ausland: „Durch das Sammeln und Tauschen lernt man viele andere Sammler kennen“, erzählt Johann Tschol, während er auf einen Gold- und einen Opalfund zeigt. „Die meisten Mineralien gibt es in Brasilien“, erzählt Tschol, „tirolweit würde ich sagen im Zillertal.“ Tschol hat sich aber im Laufe von fast vier Jahrzehnten nicht nur eine beeindruckende Sammlung zugelegt, er hat sich auch umfassendes Fachwissen angeeignet: „Lapis, eine Mineralienzeitung, habe ich lange Zeit abonniert und gelesen und ich muss gestehen, dass ich daraus viel gelernt habe“, verrät Tschol.

 

Mineralienzimmer. „Gehen wir weiter ins Mineralienzimmer“, sagt Johann Tschol beim Besuch der RUNDSCHAU. Sichtlich erstaunt, dass es ein solches gibt, wird die interessante Führung in das „Herzstück“ des Hauses fortgesetzt. „Viele Touren habe ich auch in der Schweiz gemacht, dort ist das Gebirge wesentlich älter als bei uns“, erklärt Tschol die vermehrten Mineralienvorkommnisse im Nachbarland. „In der Schweiz gibt es sogenannte Strahler, alpine Kristall- und Mineraliensucher, die diese Tätigkeit hauptberuflich ausüben“, weiß Tschol, um zu einem äußerst interessanten Stück zu wechseln: Bergleder, das auch im Zillertal vorkommt, und eine sehr spezielle Mineralvarietät bezeichnet. Sehr besonders sind auch die am Granatkogel in Obergurgl vorkommenden Mineralien der Granatgruppe. Beleuchtet man den Bezirk Landeck, so finden sich in der Sammlung von Johann Tschol Cyanide und Andalusite aus dem Kaunertal, natürliche Bleivorkommnisse aus St. Anton, Angarite oder Baryte aus dem Flirscher Kohlwald oder Bergkristalle von Serfaus, Fiss, Ried, Tösens oder Pfunds: „In Fiss gibt es einen Steinbruch, da kommen Bergkristalle vor“, erklärt Tschol. „Im Großen und Ganzen ist unser Bezirk nicht allzu sehr gesegnet mit Mineralien, am meis-ten davon kommen im Fimbatal in Ischgl vor.“ Neben Bergkristallen umfasst die Sammlung Tschols Calcite u.a.m. Stolz zeigt er auch seinen neuesten Fund: In St. Anton wird derzeit das frühere Bergwerk Gand wissenschaftlich aufgearbeitet (die RUNDSCHAU hat berichtet). In diesem im Mittelalter bekannten Bergbaugebiet wurde Quecksilber abgebaut: „Daher gehe ich davon aus, dass es sich um Quecksilbererz handelt“, erklärt Tschol. Für nähere Auskünfte müssten die Mineralien jedoch zur Abklärung ins Labor geschickt werden. Der St. Jakober jedenfalls untersucht seine Fundstücke mit dem Mikroskop – diese Betrachtung eröffnet einen neuen, höchst faszinierenden Blickwinkel. Johann Tschol schmunzelt angesichts seiner Schätze: „Mir geht es um den ideellen Wert, nicht um den materiellen – das Ganze ist irgendwie wie eine Sucht“, erzählt er schmunzelnd, und: „Nach dieser ersten Tour 1982 auf den Granatenkogel bin ich einfach narrisch geworden.“

 

 

 

 

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