Mia san mia…

Liebe Freunde der Menschen südlich des Weißwurstäquators!

Jahrelang waren wir neidisch auf unsere nördlichen Nachbarn. Wirtschaftlich hoch erfolgreich. Im Fußball Weltklasse. Und statt Oper und Operette genügte als weltweit berühmter Kulturhöhepunkt ein kollektives Besäufnis auf einer großen Wiese. Ja, die Bayern haben es uns vorgezeigt! Mit Laptop und Lederhose, einer gesunden Mischung aus Tradition und Moderne, gepaart mit unbändigem Selbstvertrauen, eilten die Leute vom Freistaat von Erfolg zu Erfolg. Mittlerweile freilich kehrt beim „Mia san mia“ Ernüchterung ein. Der FC Bayern München ist in der Krise. Hat trotz millionenschwerer Kasse keine gute Mannschaft mehr. Und selbst der Wirtschaftsmotor stottert. Riesige Autokonzerne wie BMW oder Audi leiden unter einer Weltuntergangsprophezeiung. Starke Motoren, einst Inbegriff des Wohlstandes, werden im Zuge der Debatten um den Klimawandel vom Segen fast schon als Fluch verdammt. Und selbst die Freundschaft mit uns Tirolern ist in massiver Gefahr. Der Lkw-Transit durch unser Land ist den Bayern wurscht. Statt Verständnis für unsere Belastung provoziert der Häuptling der Weißwurstesser populistisch unsere Volksseele. Die Aufforderung an seine Landsleute, sie mögen künftig Zuhause Urlaub machen, um den Pkw-Verkehr in Tirol einzudämmen, ist ein Stich ins Herz unserer Tourismuswirtschaft. Dabei leben wir doch beide – die Bayern wie wir Tiroler – in einem wunderschönen Land. Bunte Trachten und Dirndln einen unser Bild nach außen. Da muss ja noch was zu retten sein. Vielleicht bei einem gemeinsamen Stammtischtreffen. So eine Maß Bier könnte Wunder wirken, um im Miteinander wieder das richtige Maß zu finden. Und wenn wir Güter auf die Bahn verlegen, ist der Zug noch nicht abgefahren!

Meinhard Eiter