Mit Angeboten befasst

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Krankenhaus Zams ist beabsichtigt ein zusätzliches Neubauprojekt (Pathologie & Schwerpunktpflege) zu errichten. RS-Foto: Tiefenbacher

Anrainer bemängelten geplantes Neubauprojekt beim KH Zams – Gemeinde Zams lässt Gutachten erstellen

 

Gutachten sollen die rechtliche Seite des zusätzlichen Neubauprojekts (Pathologie & Schwerpunktpflege) beim Krankenhaus Zams klären. Auf Empfehlung des Raumordnungsausschusses der Gemeinde Zams wurden Angebote eingeholt. Mit diesen befasste sich das Dorfparlament vergangenen Montag.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Der Krankenhausausbau in Zams ist voll im Gange. Derzeit ist allerdings viel mehr die bekanntgewordene Kostensteigerung von 85,5 Millionen Euro auf zunächst 94,9 Millionen Euro und inzwischen auf 109 Millionen Euro in der Öffentlichkeit Gesprächsthema. Bei den ersten Plänen war die Kostensumme noch niedriger: 2007 war von 46 Millionen, dann von rund 55 Millionen und 2009 von 68 Millionen die Rede. Diese Ausbaupläne wurden nun um ein zusätzliches Neubauprojekt erweitert. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Krankenhaus beabsichtigt der Grundeigentümer (Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern Zams) ein mehrgeschossiges Gebäude für die Unterbringung der Pathologie und der im Strukturplan Pflege des Landes vorgesehenen Schwerpunktpflegeeinrichtung mit 24 Betten (Pflege und ärztliche Begleitung von Menschen, z.B. mit einer schweren demenziellen Erkrankung, einer Altersdepression oder einer Suchterkrankung) zu errichten. Dafür wurde bei der Gemeinde Zams eine Umwidmung in Mischgebiet beantragt.

 

STELLUNGNAHMEN EINGELANGT. Als erster Schritt ist das Örtliche Raumordnungskonzept (ÖROK) abzuändern. Der Zammer Gemeinderat befasste sich in der Juli-Sitzung damit und beschloss mehrheitlich die Auflage und die Erlassung des Entwurfs zu dieser Abänderung. Gegen diesen Beschluss langten zwei Stellungnahmen bei der Gemeinde ein. Bemängelt wird vor allem die mit dem Projekt zusammenhängende Verkehrsproblematik und die hohe Kubatur des geplanten Gebäudes. Der Raumordnungsausschuss ist nach wie vor vom Überwiegen des öffentlichen Interesses dieses Bauvorhabens überzeugt und empfahl Gutachten zur Frage der verkehrstechnischen und damit zusammenhängenden immissionstechnischen Auswirkung des Vorhabens auf das Anrainerumfeld einzuholen. Der Gemeinderat schloss sich in der September-Sitzung dieser Meinung an und beauftragte den Ausschuss zur Einholung von Angeboten.

 

DREI ANGEBOTE. In der jüngsten Gemeinderatssitzung vergangene Woche präsentierte der Obmann des Raumordnungsausschusses Andreas Grüner drei Angebote: Der angebotene Preis für das Verkehrsgutachten liegt bei knapp 4.200 Euro, jener für das Lärmgutachten beträgt rund 3.500 Euro und jener für das Luftgutachten circa 17.200 Euro. Die Vergabe des Verkehrsgutachtens erfolgte sofort. Für die beiden anderen Gutachten will man Vergleichsangebote vorliegen haben. Um nicht unnötig Zeit zu verlieren, beschloss der Gemeinderat (auch einstimmig), dass der Gemeindevorstand diese zwei Gutachten an den jeweiligen Bestbieter vergeben kann.

 

DISKUSSION. Vor der Abstimmung wurde noch einmal eine grundsätzliche Diskussion zu den Gutachten geführt. GV Christian Kohler äußerte Vorbehalte gegen die Einholung dieser Gutachten. „Das Problem ist das, dass die Gemeinde in Hinkunft immer solche Messungen machen muss“, so Kohler. Verkehrsgutachten erstellen lassen ja, aber darüber hinaus noch Lärm- und Luft-Gutachten, das geht ihm etwas zu weit. Es sei die Notwendigkeit zu hinterfragen, da man diese Gutachten auch beim viel größeren Ausbauprojekt am KH Zams nicht brauchte. Zudem sei es auch nicht die bisher geübte Praxis. Kohler möchte auch, dass sich die Bauwerber an den Gutachtenkosten mitbeteiligen. Eine ähnliche Auffassung vertrat GV Mathias Venier. Er regte an, die Gemeinde solle eine Kostenbeteiligung des Krankenhauses bzw. Pathologie überlegen. VBgm. Josef Reheis meinte, es sei erforderlich Gutachten einzuholen, „wenn man rechtlich sicher sein will“. Auch Bgm. Siegmund Geiger hält diese Gutachten für notwendig. Der Ortschef verwies darauf, dass sich der Gemeinderat danach noch mit dem Flächenwidmungs- und Bebauungsplan auseinanderzusetzen hat. Und schon deshalb müsse „die rechtliche Seite dieses Bauvorhabens einwandfrei geklärt sein“. Eine rechtlich einwandfreie Vorgehensweise sei auch wichtig im Hinblick auf die Zustimmung im Gemeindeverband.

 

 

Beschluss gefasst

 

Von Daniel Haueis

 

Die Erweiterung des Krankenhauses St. Vinzenz in Zams kommt teurer als erwartet: Dank guter Baukonjunktur waren der Wettbewerb geringer und die Angebote höher, aus Preissteigerungen von erwarteten 2,3 Prozentpunkten wurden tatsächliche Erhöhungen von bis zu 20%. Beim Bau in Zams (derzeit „Haus 3“) macht dies rund 14 Millionen Euro aus, wovon schluss-endlich rund 3 Millionen Euro von den 54 Oberländer Gemeinden zu berappen sind (es sind rund 6,8 Millionen, wovon aber ein Teil als Bedarfszuweisung des Landes zugesagt ist); der Rest kommt vom Land, vom Orden u.a. Die Übernahme der Kosten wurde von den Verbandsgemeinden einstimmig beschlossen, erklärt Bgm. Mag. Siegmund Geiger, Obmann des Gemeindeverbandes St. Vinzenz: „Der Geschäftsführer hat die Mehrkosten nachvollziehbar dargelegt“, weiß Geiger. Dipl.-KH-Bw. Bernhard Guggenbichler sprach von „Mehrkosten aufgrund der überhitzten Konjunktur“. Wichtig für die rund 100000 Oberländer: Das geplante medizinische Angebot bleibt auch bei den nunmehrigen Mehrkosten uneingeschränkt erhalten. Siegmund Geiger bestätigt: „Die medizinische Versorgung muss gewährleistet sein, es gibt keine Projektänderung.“ Derzeit sind etwa 80 Prozent des mehr als 100 Millionen Euro teuren Vorhabens realisiert, in zwei Jahren ist das Erweiterungsprojekt abgeschlossen.

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