Mit der „Helfer-Karte“ in der Geldtasche

Ein Team von LandeckerInnen beriet sinnvolle Maßnahmen zur Verhinderung von Suiziden. RS-Foto: Haueis

Projekt zur Suizidprävention startet in Landeck

Das Wissen des Psychiaters Christian Haring und anderer Fachleute, kombiniert mit den Ideen von LandeckerInnen, soll helfen, Suizide in Landeck und vielleicht auch im gesam-ten Bezirk zu verhindern.

Bgm. Wolfgang Jörg hat auf die beiden Suizide junger Menschen im Jänner in Landeck rasch reagiert – er sagte sich: Da muss was geschehen. Und nun liegt ein erster, grober Fahrplan für das Jahr 2016 vor, nachdem sich Fachleute wie Univ.-Prof. Christian Haring vom Landeskrankenhaus Hall und Vertreter etlicher weiterer Hilfseinrichtungen zusammengesetzt haben. Der Stadtrat hat rasch 5.000 Euro für das Projekt zur Verfügung gestellt.

„HELFER-KARTE“. Es sollen z. B. Gespräche geführt werden – in diesem Fall mit den ÖBB -, wie in puncto Suizid auffällige Stellen schwer zugänglich gemacht werden können. Derartige Maßnahmen senken nachweislich die Häufigkeit von Suiziden. Zeitlich ist die Nacht kritisch. Daher soll es eine „Helfer-Karte“ im Scheckkartenformat geben, die man z. B. in der Geldtasche hat und damit immer bei sich trägt. Christian Haring schweben zudem „Gatekeeper“-Trainings vor – spezielle Schulungen für Polizisten, Rettungsleute, Lehrer etc. Vorträge von Fachleuten sollen zur Enttabuisierung des Themas beitragen, was wieder das Hilfesuchverhalten verändern könnte: Je eher man über die eigenen Gefühle und unter Umständen Depressionen sprechen kann/“darf“, desto eher zückt man die „Helfer-Karte“ oder wendet sich z.B. an die auch nachts erreichbare Polizei. Es wird auch gegen die „Stigmatisierung“ der Einrichtungen gearbeitet, die mit „Psy“ beginnen – Psychiatrie, psychologische Betreuung u. ä.

VORTRÄGE, FOTOPROJEKT U. A. Möglicherweise gibt“s auch ein Fotoprojekt – im Ötztal gab es vor fünf Jahren ebenfalls mehrere Suizide, woraufhin jugendliche das abgelichtet haben, was ihr Dorf „l(i)ebenswert“ macht. Es wurde zudem ein Theaterprojekt angeboten. Da vielfach Alkohol im Spiel ist, kommt das Projekt „Alk-Sackerl“ des Landecker Jugendzentrums L. A. Jump in gerade recht: Norbert Zangerl & Co. machen damit auf einen „gescheiten“ Umgang mit Alkohol aufmerksam. Christian Haring will aber noch mehr: „Erste Hilfe“ für die BürgerInnen, wenn sich depressive oder suizidale Menschen an sie wenden – wie man bei einem Herzstillstand weiß, was zu tun ist, soll man es auch bei einem depressiven Menschen wissen. Thema im kommenden Jahr wird auch sein, wie Schuldgefühle im Umfeld abgefangen werden können.

AUSDEHNUNG? Die Initiative geht also von der Bezirkshauptstadt aus, sie kann sich aber ausbreiten. Christian Haring (in Landeck zur Schule gegangen) hat bereits LH Günther Platter wegen der Finanzierung eines bezirksweiten Projekts angesprochen. Auch thematisch sind mehrere Schwerpunkte möglich – etwa die diesbezügliche Situation älterer Menschen. Auch wenn vorderhand einmal die Jugend gefragt ist: „Wichtig ist, dass die Jungen in Landeck mitmachen, wegen der Multiplikatorwirkung“, so Chris-tian Haring, der die Jugendlichen einladen will, um sie fragen zu können, was sie sich vorstellen können. Es wird also wohl auch an Schulen herangetreten. Das Projekt „Youth aware for mental health“, das im Herbst in Tirol startet, könnte in die Landecker Initiative „eingebunden“ werden – Schulen können sich melden. In der Bezirkshauptstadt wird zudem mit der Anstellung eines weiteren mobilen Jugendarbeiters (rund 30 Wochenstunden) in die richtige Richtung gearbeitet.
Und bis die „Helfer-Karte“ in den Geldtaschen möglichst vieler Menschen steckt: 112 (Notruf), 142 (Telefonseelsorge) und 147 (Rat auf Draht) sind immer erreichbar.