Mit der Kuh per Du

Liebe Freunde der Kunst!

Aufsehen erregendes fand im Rahmen der „kuisa“, einer Viehausstellung im Imster Agrarzentrum, statt. Neben den schönsten Exemplaren des Tiroler Grauviehs wurden in der Versteigerungshalle auch Kunstwerke präsentiert. Insgesamt 23 Kulturschaffende zeigten Bilder, Fotografien und Objekte rund um die Kuh. Da trafen Bauern auf Künstler. Die Leute aus scheinbar unterschiedlichen Welten wirkten sehr vergnügt. Mich hat das fasziniert. Weil es ein berührendes Miteinander war. Und ein schönes Beispiel dafür, was Kunst vermitteln kann. Kühe sind seit der Steinzeit Nutztiere an der Seite von uns Menschen. Sie liefern Milch und Fleisch. Und doch sehen sie manche nur als Mistvieh. Jüngst gerieten sie als Mütter, die ihre Kälber verteidigen, sogar in Verruf. Als Killerkühe gingen sie in die Schlagzeilen der Medien ein. Ein tragischer Einzelfall stellte die uralte Kultur, Rinder auf die Alm zu treiben, schlagartig in Frage. Dabei war das dramatische Ereignis doch auch Sinnbild dafür, wie sehr im Alpenraum die Freizeitnutzung der Natur und die Überlebenswiese für Mensch und Tier in eine bedrohliche Enge geraten. Die einstige Oase für Hirten und Vierbeiner ist heutzutage oft ein Tummelplatz für das Vergnügen. Da wird es eng. Die Kuh selbst, die in anderen Kulturen gar als heiliges Wesen verehrt wird, kann nichts dafür. Sie verdient weder Verachtung noch Undankbarkeit. Und schon gar nicht das altbekannte Schimpfwort „dumme Kuh“. Bei der Kunstausstellung wurden die Grauen in ein ästhetisches Licht gestellt. Herrliche Tiere. Kraftvoll und edel. Seit Jahrtausenden an der Seite der Menschen. Behausungen und Ställe gehören zusammen. Und das achtsame Miteinander bewahrt. Mein Freund, der Imster Wortkünstler Wilfried Schatz, hat eine wunderbare Formulierung kreiert. Er verwandelte die Versteigerung in eine „fairSteigerung“. Und führt damit unser Schwarz-Weiß-Denken zurück in die sensible Grauzone.

Meinhard Eiter