Miteinander reden

Die aufmerksame Diskussionsrunde. RS-Foto: Chauvin

Flüchtlinge – für uns Krise oder Herausforderung?

Zum Thema „Die Flucht – und jetzt?“ hatte das Kath. Bildungswerk in das Schwesternhaus in Elbigenalp geladen.

Elke Wolf, Begründerin der Erwachsenenschule im „Duarf“ konnte unter anderen Pfarrer Otto Walch, Pastoralreferent, den neuen Bürgermeister von Biberwier, Paul Mascher und natürlich die Referentin, Claudia Habringer, begrüßen und dankte Sr. Maria Verena für die zur Verfügungstellung des Tagesraums.
Die Referentin, die als Trainerin beim BFI Tirol für Menschen mit positivem Asylstatus arbeitet, ist ganz nahe mit der im letzten halben Jahr in unser aller Fokus gerückten Problematik „Flüchtlinge“ verbunden. Sie meint zum Beispiel: „Hier haben wir die Wahl des Blickwinkels. Ist das, was uns durch die Flüchtlinge beschert wird, eine Chance oder eine Katastrophe. Lassen wir uns auf eine neue Herausforderung ein oder vergeuden wir unsere Kräfte im Widerstand. Sind es Probleme oder Aufgaben, die bewältigt werden können?“ Aus ihrer Arbeit heraus erzählte Habringer einige Erlebnisse. In Afghanistan zum Beispiel koste der Schulbesuch Geld und nicht jeder könne es sich leisten. Welche Maßnahmen sind von unserer Seite her richtig und was gilt es zu vermeiden? Wie können wir das Fremde integrieren? Genau wie wir die Situation in den ehemaligen Heimatländern der geflüchteten Menschen nicht kennen, genauso wissen sie nicht, wie sie sich bei uns verhalten müssen. Wie können sie sich in unser System einordnen und wie weit sollte dieses Muss gehen? Für viele ist es ein regelrechter Kulturschock, sich in unseren Werten wie Struktur, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Schnelligkeit zurechtzufinden und eigenverantwortlich zu handeln.
Habringer hat auch selbst erfahren, wie respektvoll Lehrer, aus ihrer Kultur heraus, behandelt werden. „Diese Menschen kommen aus Kriegsgebieten und schrecklichen Situationen und alle bringen sie ihr Packerl mit. Es wird lange dauern, bis sie diese Situation aufarbeiten können.“ Integration funktioniert, wenn wir sie vorleben – neugierig und offen sind und das Neue zu erkunden suchen. „Mach dir das Fremde zum Vertrauten“ – könnte eine wunderbare Formel sein für ein fruchtbringendes Miteinander.
In Elbigenalp gibt es verschiedene Projekte, in denen Einheimische und Fremde zusammenkommen können – wie „Miteinander kochen – miteinander reden“.

Von Claudia Chauvin

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.