(Motorrad-) Lärmfrei rund ums Joch

Reinhard Oberlohr (Sprecher IG „Xund’s Leben im Lechtl“), Fritz Gurgiser (Transitforum Austria-Tirol) und Markus Arzl (IG Xund’s Leben im Lechtl“) (v.l.) fordern ein lärmfreies Natura 2000-Gebiet. RS-Foto: Schretter

„Zua isch – a Ruah isch“ – Bürgerversammlung fordert bestehende Schutznormen ein

Am 23. Mai wurden in Stanzach die Ergebnisse der vom Land beauftragten Motorradlärmstudie vorgelegt. Das von LH-Stv. Ingrid Felipe angedachte Sonntagsfahrverbot reicht der betroffenen Bevölkerung und der IG „Xund’s Leben im Lechtl“ nicht. 

Nachdruck verleiht eine am Mittwoch, dem 29. Mai, bei der Bezirkshauptmannschaft Reutte angezeigte Bürgerversammlung für den 23. Juni. Gemeinsam mit dem Transitforum Austria-Tirol ruft „Xund‘s Leben im Lechtl“ an diesem Sonntag von 9 bis 16 Uhr zur Bürgerversammlung im Kreuzungsbereich B 198 (Lechtalbundesstraße) und L 266 (Bschlaber Landesstraße) auf. Diese Versammlung erstreckt sich über alle Fahrbahnen der L 266 von Kilometer 0 bis Kilometer 1,0. Die Straße über das Hahntennjoch wird in ihrer gesamten Länge bis zum „Linserhof“ auf der Imster Seite für den motorisierten Verkehr gesperrt sein.
„Wir führen diesbezüglich alle notwendigen Gespräche mit der Bezirkshauptmannschaft und der Polizei. An diesem Tag haben Radler und Mountainbiker einmal die Möglichkeit, angstfrei und ohne Staub- und Lärmbelastung über das Hahntennjoch zu fahren“, so Reinhard Oberlohr, Sprecher der IG „Xund’s Lechtl“.

Hier wird am 23. Juni, von 9 bis 16 Uhr, die motorradlärmfreie Bürgerversammlung stattfinden. RS-Foto: Archiv

Betont wird, dass sich die Bürgerversammlung nicht gegen die Motorradfahrer richtet, sondern dem Schutz der Bevölkerung dient.

Forderung.

In der Gesamtregion um das Hahntennjoch – Lechtal und Tannheimer Tal, Naturpark Tiroler Lech, Lechweg, Ruhegebiet Muttekopf bis zum Wohngebiet auf Imster Seite – wurden über 200.000 Schallpegelmessungen durchgeführt, die zeigen, dass die Lärmbelastung hier extrem und mit anderen Regionen nicht vergleichbar ist. „Lärmschutzmaßnahmen, die etwa entlang von Autobahnen, Schnellstraßen oder Eisenbahnlinien helfen, bringen hier nichts. Im betroffenen Gebiet steigt der Lärm von Elmen (976m) bis auf eine Höhe von 1894m an und beschallt von der Höhe aus die gesamte Region“, schildert Fritz Gurgiser, Obmann des Transitforums Austria-Tirol, die topografische Besonderheit der Region.
Ein Umgebungslärm dieser Art kann von der Polizei nicht kontrolliert werden. Er beschränkt sich auch nicht auf Sonntage oder Wochenenden. „Die Bürgerversammlung ist daher ein Anlass, um die Behörde zu vertärkten Maßnahmen zu bringen. Die Politik hat mit der Alpenkonvention (internationales Abkommen zwischen den Alpenländern Deutschland, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Monaco, Österreich, Schweiz und Slowenien sowie der EU für eine nachhaltige Entwicklung und den Schutz der Alpen, Anm. d. Red.) die entsprechenden Rahmenbedingungen längst geschaffen. Jetzt müssen Vorgaben gemacht werden, erst dann ändert sich etwas“, stellt Fritz Gurgiser unmissverständlich klar.
Lärm ist der entscheidende Faktor und davon ist die gesamte Region, die als Ruhegebiet ausgewiesen ist, betroffen. Mit der Bürgerversammlung bewege man sich im Rahmen der gesetzlichen Schutznormen und fordere deren Einhaltung, so Gurgiser. „Freiheiten, die bestimmte Gruppen genießen und die anderen zur Last werden, darf/kann es nicht geben“, untermauert er die Anliegen der Bürgerversammlung.
Die betroffene Bevölkerung und Wirtschaft haben nur eine Möglichkeit, dem Lärm zu entkommen – die Flucht. Die Verursacher des Lärms – die Biker – und Bikerhotel-Betreiber haben mehr Möglichkeiten, den Lärm zu reduzieren.

Lärmfrei.

Mehr als 70 Prozent der Außerferner Bevölkerung gab an, sich vom Motorradlärm gestört zu fühlen. „Wir fordern daher ein lärmfreies Natura 2000-Gebiet“, stellt Reinhard Oberlohr klar. Für die Bevölkerung, die Familien und die Wirtschaftstreibenden soll die Lebensqualität in der Region erhalten werden, manifestiert er die „enkeltaugliche“ Forderung der IG „Xund’s Lechtl“.
Mit weiteren Geschwindigkeitsbeschränkungen ist es nicht getan. Damit zeigt sich die Bevölkerung nicht länger einverstanden und tat dies unmissverständlich bei der Präsentation der Motorradlärmstudie in Stanzach kund. „Damit treibt man nur einen Keil in die Bevölkerung. Weitere Geschwindigkeitsbeschränkungen treffen nämlich auch die, die gar nicht auskommen, die, die täglich mit dem Auto zur Arbeit oder zur Schule fahren – und das oft über weite Strecken“, gibt Oberlohr zu bedenken.
Auch das von LH-Stv. Ingrid Felipe in Aussicht gestellte bzw. „angedachte“ Sonntagsfahrverbot reicht nicht für eine nachhaltige Entlastung. Der Lärm muss während der gesam-ten Woche und nicht nur am Sonntag bekämpft werden, fordern Fritz Gurgiser und Reinhard Oberlohr unisono.
Die Forderung ist eindeutig formuliert: Der Lärm muss weg! Den Auftakt macht die Bürgerversammlung am 23. Juni – an einem Sonntag mit Fahrverbot.