Müllvermeidung und Müllaufbereitung

In den sogenannten Schneckenpressen wird das bereits Fermentierte auf 30 bis 35 Prozent Trockensubstanz gepresst. RS-Foto: Dorn

Abfälle als Thema beim Vernetzungstreffen der Klima- und Energiemodellregion

In Zusammenarbeit mit Energie Tirol und dem e5-Team der Gemeinde Roppen lud die Klima- und Energiemodellregion Imst zu ihrem jüngsten Vernetzungstreffen, das sich ganz dem Thema Abfall, seiner Vermeidung und Aufarbeitung widmete. Als passende Einstimmung zum Thema besuchte man zunächst die Biogasanlage des Abfallbeseitigungsverbands Westtirol, wo man eine Ahnung davon bekommen konnte, welches Potenzial in der Ressource Abfall steckt.

Von Agnes Dorn

Vor zwei Jahren musste man die Anlage im Gewerbegebiet Tschirgant vergrößern, da die Mengen an Bioabfall, die aus allen Imster und Landecker Bezirken (außer Sölden und Ischgl) gebracht werden, nicht mehr verarbeitet werden konnten. Heute sind es jährlich 16000 Tonnen an kompostierbaren Abfällen – davon 7000 Tonnen Baum- und Strauchschnitt, aus deren Fermentierung zwischen drei und vier Gigawattstunden Strom geholt werden können. Seit der Erweiterung ist die Biogasanlage zudem eingehaust, sehr zur Freude der Roppener Bevölkerung, die seitdem wieder aufatmen kann, wie Bürgermeister Ingo Mayr den rund 30 Teilnehmern des Vernetzungstreffen beim Rundgang erzählt. Neben dem Strom, der zu fünf Sechsteln ins Netz eingespeist wird und umgerechnet rund 1000 Haushalte versorgt, werden noch zwei weitere Produkte in der Biogasanlage hergestellt: Trockenkompost und Flüssigdünger, die von Bauern und Privaten kostenlos sowie von Gewerbebetrieben vor Ort abgeholt werden können.

Bioabfall und der Rest

Einfach alles gleichermaßen in den Fermenter zu schicken, das geht nicht, wie Werksleiter Hartwig Rangger, sein Sohn und Stellvertreter Philipp Rangger und die Ökologin Eva-Maria Weinseisen erklären: Denn zunächst müssen die rund 500 Tonnen Müll, die ebenfalls im Bioabfall landen, herausgefiltert und geblasen werden. Plastik, Glas, Eisen und alles was größer ist als 80 Millimeter kommt dabei direkt nach Oberösterreich in die Müllverbrennung. Probleme bereiten den Werksarbeitern die beträchtliche Menge an Säcken aus angeblich kompostierbaren Materialien, die in immer größerer Anzahl in die Biogasanlage geliefert werden. „Maisstärkesackerln können von der Anlage nicht von Plastik unterschieden werden“, erläutert Weinseisen, warum es besser wäre, Papier oder gar keinen Bioabfallbehälter in die Biotonne zu geben. Derzeit läuft die von ihr ins Leben gerufene „Aktion scharf“, bei der alle gewerblichen und kommunalen Abfallsammler des Verbands die Tonnen dann stehen lassen, wenn sie etwas anderes enthalten als Bioabfall. Wie wichtig richtige Mülltrennung ist, erläuterte auch Geschäftsführer Martin Baumann vom Umweltverein Tirol, der im Anschluss an die Führung beim neuerlichen Zusammentreffen im Kultursaal Roppen zunächst die Bedeutung der einzelnen Materialien als Ressourcen analysierte. Die Weiterverwendung von eigentlich „entsorgten“ Produkten wie Schultaschen trägt seit einigen Jahren dazu bei, nachhaltig Abfall zu vermeiden. Richtig getrennte Stoffe können zudem recycelt wieder zu neuen Produkten verarbeitet werden. Der Verzicht auf möglichst viele Verpackungsmaterialien ist aber sicher der allererste Schritt zur Abfallbeseitigung.

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