Nesselwängler Almabtrieb lockte Massen aus nah und fern

Das Hirten-Team der Krinnenalpe nach getaner Arbeit und gelungenem Almsommer. RS-Fotos: Zeller

Das Tannheimer Tal im Alpfahrt-Fieber

Am vergangenen Wochenende brach im Tannheimer Tal die alljährliche Almabtrieb-Saison an, während der über 1000 Kühe und andere Weidetiere nach dem Almsommer festlich in Nesselwängle, Grän, Jungholz, Schattwald und Tannheim empfangen werden. Allein in Nesselwängle tummelten sich am Sonntag bei strahlendem Herbstwetter rund 2000 Schaulustige.

Von Jenni Zeller

Martin Rief, Hirte der Krinnenalpe, führte die prächtige Kronenkuh durch die Dorfgassen.

Mit knapp 450 Bewohnern gestaltet sich das Leben in Nesselwängle meist eher gemütlich und überschaubar. Sobald jedoch die ersten Laubbäume die Farben wechseln und das Schellen der Kuhglocken zur Hirschbrunft durch den Ort hallt, steht der Tag vor der Tür, an dem sich die Einwohnerzahl des Dorfes mehr als vervierfachen wird – der Almabtrieb. Wie in jedem Jahr lud auch heuer die Landjugend Nesselwängle, unter der Leitung von Obfrau Nadine Hornstein und Obmann Markus Thurner, wieder zur Großveranstaltung zu Ehren des Viehs von Krinnenalpe und Schneetalalm ein. Als unzählige Schnitzel, Bratwürste, Kuchen und Biere über die Theken wanderten, zog das ganze Dorf an einem Strang und bewirtete hunderte Gäste, die außerdem bei verschiedenen Ständen schmökern konnten. Das künstlerische Rahmenprogramm gestalteten die drei Tannheimer Taler Jungmusikanten von „Die Tiroler“ und das Vorarlberger „Riedberg Quintett“, die schon seit rund 20 Jahren beim Nesselwängler Almabtrieb den Ton angeben.

„Gepflegt wird das Land von Bauernhand.“

Das Herzstück des Almabtriebs war jedoch das Vieh, das am frühen Nachmittag eintrudelte. Heuer stolzierten 140 Kühe von Martin Riefs Krinnenalpe und Esel sowie die einzigartigen Walliser Schwarzhalsziegen von Karin Rieds Schneetalalm durch die Nesselwängler Gassen. Bei Karin auf der Alm tummelten sich im Sommer aber noch mehr Tiere: Hühner, Hasen, Hunde, schottische Hochlandrinder, 80 Walliser Schwarznasenschafe und über 100 Schwarzhalsziegen. Da der Sommer glücklicherweise auf beiden Almen unfallfrei verlief, waren die Tiere mit prächtigen Blumenkränzen geschmückt und wurden von den Besuchermassen, welche die Dorfstraßen lückenlos säumten, bewundert. Eine Besonderheit in Nesselwängle ist zudem die Traktorparade, die dem Viehtrieb vorangeht und bei der urige Oldtimer-Traktoren, alte Landarbeitsgeräte und Trachten vorgeführt werden. Das große Anliegen der Beteiligten ist nämlich, ein Stück Tiroler Tradition zu teilen und Bewusstsein für die Wichtigkeit des Bauern- und Brauchtums zu wecken. Alpmeister der Krinnenalpe, Bernd Rief, brachte es auf den Punkt: „Das Wichtigste für uns ist ein guter Almsommer und gesunde Tiere,“ seine Kollegen ergänzten lachend in Tiroler Manier: „Und vielleicht ein Feierabendbier.“

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