Nicht Fleisch, nicht Fisch

Liebe Freunde von Fastenfeiertagen!

Ich entstamme einer Generation von Männern, denen man als kleine Buben noch gesagt hat: Alles aufessen, dann wirst du groß und stark. Seit ein paar Jahrzehnten leide ich ein wenig darunter, dass ich doch beträchtlich stärker als groß bin. Gern, gut und möglichst viel zu essen gehört zu meiner Grundsozialisierung. Und so kann ich mich noch gut erinnern, dass man uns Kinder einst schon Tage vor dem Aschermittwoch und dem Karfreitag warnend erschreckt hat: Ja kein Fleisch essen! Ich checkte damals weder den religiösen Hintergrund noch den tieferen Sinn des Fastens. Und so notierte ich mir in meinem nicht vorhandenen Kalender, an Faschingsdienstagen und Gründonnerstagen anständig Fleischkäse reinzuschieben – um den nächsten Tag zu überstehen. Seit vielen Jahren hat sich da Vieles zum Positiven verändert. Da Fisch im Sinne des Verbots kein Fleisch ist, umschiffte ich die Strafe meist elegant und machte aus Verzicht echten Genuss. Den Erfinder des Heringsschmauses an Aschermittwochen würde ich selig sprechen. Doch alle diese Nebenschauplätze sind vorerst vergessen, seit sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einmal mehr um Feiertagsregelungen streiten. Der Karfreitag ist jetzt ein halber Tag. Vormittag hakeln, nachmittags frei. Eine salomonische Halblösung. Typisch Österreich. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Dass man ab sofort um 14 Uhr die Arbeit niederlegen darf, um eine Stunde später dem Kreuztod Jesu zu gedenken, klingt für Gläubige stressig. Alle, die beim Heulen der Sirene um 15 Uhr an einen Notfall denken, haben jetzt in Tirol auch einen Anti-Heiligen. Der Grüne Gebi Mair, der in der Karfreitagsfrage Jesus vor Lachen blöd sterben ließ, ist ab sofort ein Unheiliger unter Antichristen. Einer, der sonst den Verehrern des Hakenkreuzes sein Hackl ins Kreuz haut, hat sich nun selbst ans Kruzifix genagelt. Um das zu überdenken, gäbe ich am Karfreitag ganztags frei.

Meinhard Eiter