Nicht nur Zeit nehmen, sondern auch noch schenken

Im vergangenen Jahr wurden 1700 Stunden „Zeit geschenkt“

Die Zeit – immer knapp, zu oft gar nicht vorhanden, oder doch? Aussagen wie „Zeit ist Geld“ oder „Ich habe keine Zeit“ zählen beim Verein Zeit schenken nicht, denn hier nimmt man sich die Zeit.

Natürlich ist die Zeit in einer schnelllebigen wie dieser ein knappes Gut geworden. Findet man dann Menschen, die freiwillig und ehrenamtlich bereit sind, ihre Freizeit in den Dienst der guten Sache zu stellen, ist das umso wertvoller.
Der Schwerpunkt des Vereins Zeit schenken liegt nach wie vor auf der Betreuung von SeniorInnen – zuhause, aber auch in Pflege. Der Verein zählt insgesamt 75 Mitglieder, davon sind 15 Mitglieder ehrenamtliche ZeitschenkerInnen, die im letzten Jahr rund 1700 Stunden Zeit für ein Gespräch, ein gemeinsames Spiel, einen Spaziergang, einen Einkauf oder für einen gemeinsamen Veranstaltungsbesuch geschenkt haben. Die zur Verfügung gestellte Zeit erleichtert den SeniorInnen oft den Alltag und bringt Abwechslung und Freude in deren Leben. Auch drei der neun Vorstandsmitglieder schenken ihre Zeit.

Unglaubliche LeISt-
ung. Diesen Aufwand wissen auch die Vertreter der Reuttener Altenheime und des Freiwilligenzentrums zu schätzen, die bei der Jahreshauptversammlung vergangene Woche anwesend waren. „Die Zeitschenker-
Innen sind eine große Unterstützung und leisten Unglaubliches“, lobte Paul Barbist. Einige Bewohner-
Innen der Heime würden ständig Besuch bekommen, während andere tagelang auf einen solchen warten. Auch Bürgermeister Stellvertreter Michael Steskal sprach dem Verein seine Wertschätzung aus: „Diese Leute nehmen sich nicht nur Zeit, sondern schenken sie auch noch.“

Lieblingskind. Freiwilligenkoordinatorin Michaela Perktold bezeichnete den Verein als ihr „Lieblingskind“. Es benötige viele tausend Stunden und viel Gespür, solch einen Verein am Leben zu erhalten. „Es gibt Dunkelheiten im Leben, die einen prägen und krank machen – wenn dann jemand kommt, der freiwillig und nicht des Geldes wegen seine Zeit mit mir verbringt, ist das für die Menschen ein positives Erleben, welches nicht hoch genug einzuschätzen ist“, so Perktold. Als Besonderheit des Vereines bezeichnete sie auch dessen Flexibilität. „Was machbar ist, wird gemacht.“ So ist es wohl nicht verwunderlich, dass sich eine Zeitschenkerin mehrere Wochen lang um eine Katze kümmerte, deren Frauchen im Krankenhaus lag. „Wir sind recht flexibel bei den Anfragen“, ließ Obfrau Andrea Weirather dazu verlauten.
Im Zuge der Jahreshauptversammlung fanden auch Neuwahlen statt, bei denen der Vorstand für zwei weitere Jahre bestätigt wurde. Da immer wieder ehrenamtliche Zeitschenker gesucht werden, gibt es eine Anlaufstelle, die vom Verein geführt wird. Die Freiwilligen deponieren ihre Zeitspende mit Angabe von Datum und Dauer. Die Senioren selbst oder Angehörige melden sich bei uns und äußern uns gegenüber ihre Wünsche, beispielsweise gemeinsames Kartenspiel, und der Verein vermittelt. Informationen finden Interessierte unter
www.zeitschenken-reutte.at

Von Frau zu Frau. Abschließend berichtete Michaela Perktold von einem neuen Projekt „Von Frau zu Frau“, dessen Start voraussichtlich im Frühjahr 2017 sein wird. Dafür werden Patinnen zur Integration von Frauen mit Fluchtgeschichte gesucht. Die Dauer der Patenschaft ist befristet und wird etwa sechs Monate sein. Vorrangiges Ziel ist es, die Frauen in der Alltagsbewältigung zu unterstützen. Interessierte Frauen können sich für detaillierte Informationen jederzeit bei Michaela Perktold im Freiwilligenzentrum, unter freiwilligenzentrum@allesausserfern.at oder Tel. 0567262387  melden.