Nichts zu verschenken

Liebe Freunde des besinnlichen Weihnachtsfestes!

Geht es euch auch so? Die viel zitierte ruhige Zeit des Advents ist gar nicht so beschaulich wie allgemein verheißen. Da ein Glühwein, dort eine Feier. Dazwischen Einkäufe. Und im Büro noch jede Menge Papier, das noch vor dem großen Fest aufgearbeitet gehört. Dazu die laufenden Nachrichten. Alles andere als Weihnachtsfrieden. Krise im nahen Osten. Hunger in Afrika. Atomtests in Nordkorea. Wirtschaftliche Ausbeutung allerorts. Und auch in Europa steigende soziale Kälte. Die Herbergsuche Fluchtreisender stößt kaum auf liebliche Hirten. Bis die drei Heiligen Könige Weihrauch und Myrrhe verteilen gibt es noch ganz schön harte Gefechte – um Grundversorgung und Mindestsicherung!

Mit dem steigenden Wohlstand sinkt das Verständnis für die Hilfsbedürftigen. Tirols neuer Bischof Hermann Glettler bringt das so auf den Punkt: Wir haben einen gewaltigen Stress, ein tolles Leben führen zu müssen. Und kommen mit der Enttäuschung nicht zurecht, dass wir immer noch unzufriedener werden, je mehr wir haben.

Wer darüber nachdenkt, kommt bald zum Schluss, dass das Materielle nicht das allein Glückseligmachende ist. Die Geschenke zu Weihnachten sind das beste Beispiel dafür. Das Leuchten der Kinderaugen hängt nicht von der Geldtasche ihrer Eltern ab. Ein herzliches Fest, ein besinnlicher Abend, abseits vom Druck des Alltags – allein das zählt.

Zu Weihnachten wird Zeit wichtiger als Geld. Werbesprüche wie „Geiz ist geil“ oder Niki Laudas legendäres Bekenntnis „Ich habe nichts zu verschenken!“ stimmen uns nachdenklich. Ebenso wie die Tatsache, dass wir jetzt offensichtlich noch mehr arbeiten sollen – bei anhaltender Angst, letztlich weniger zu haben. Bei all diesen Schieflagen klingt das Beschwören der weihnachtlichen Idylle irgendwie nach Selbstbetrug. Da wird Besinnlichkeit alsbald zur Bewusstlosigkeit. So etwas nennt man dann eine schöne Bescherung. Frohe Weihnachten!

Meinhard Eiter


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