Noch einmal, mit Gefühl

Verschiedene Generationen treffen sich nicht nur im Sommerkonzert-Publikum, sondern auch in der Stadtmusikkapelle selbst: Das älteste Mitglied, Erwin Hafele, feierte bereits 76 Geburtstage, die beiden Jüngsten, Felix Winkler und Christina Marth, sind elf und 13 Jahre alt.RS-Foto: Matt

Imster Sommerkonzerte 2019: Letzte Gelegenheit am 23. August

Andernorts mögen es Schwalben sein, die in vielfacher Zahl vom Sommer künden. In Imst sind es die Freiluft-Konzerte der Stadtmusikkapelle, die im Juli und August den Rathausplatz füllen – übrigens zum letzten Mal für dieses Jahr am 23. August. Warum das Format derart erfolgreich ist, darüber plauderte die RUNDSCHAU mit Kapellmeister Hermann Delago.

Von Manuel Matt

„Es braucht ein Konzept, um anzuziehen“, betont Hermann Delago und lädt ein, Platz zu nehmen – bei sich zuhause, in seinem Arbeitszimmer, wo wenige Stunden vor dem vorletzten Sommerkonzert die letzten Vorkehrungen getroffen werden. Auch heuer, im 13. Jahreskreis der Delago-Ära, setzt die Imster Stadtmusik auf Erprobtes: Die Kombination aus Moderne und Tradition, gepaart mit der Symbiose aus Blasmusik und Gesang. Was zu Beginn noch ein Imster Alleinstellungsmerkmal war, ziehen Kapellen wie Sankt Johann und Fügen doch mittlerweile nach, lässt anlässlich der acht Sommerkonzerte stets eine beträchtliche Schar an Zuhörern zum Rathausplatz pilgern. Vor dem Pavillon tümmelt sich aber nicht nur klassisches Blasmusik-Publikum, was den Maestro besonders freut: „Ein solch bunter Haufen ist andernorts eine Seltenheit. Es sind jüngere und ältere Gesichter aus sämtlichen sozialen Schichten, Gelegenheitshörer und anspruchsvolle Zeitgenossen“ – was den Sommerkonzerten gleichzeitig eine gesellschaftliche Komponente verleiht und den Rathausplatz zum wöchentlichen Mittelpunkt des Stadtlebens erhebt.

Entfesselte Herzen

Damit das auch so bleibt, lassen die Imster Stadtmusikanten die großteils vom Kapellmeister maßgeschneiderten Arrangements mit Herzblut zur Wirklichkeit werden. Besonderer Anziehungspunkt dieses Jahr an drei Freitagen: Ein raffiniertes Gemisch aus dem Besten der britischen Rocklegenden von Queen, samt Chorgesang von Josef „Pepi“ Kranebitter mit seiner Tochter Manuela, Valentina Eberlein und der jeweiligen stimmgewaltigen Gastsängerin des Abends, Laura Wagner oder Martina Schwarz, die als Solostimmen beispielsweise auf den Spuren von Adele wandeln. Ein Fixpunkt bleibt freilich auch Charly Baumgartner, der auch im weisen Alter eine Offenbarung am Mikrofon bleibt. „Den Charly kennt jeder und mag jeder – ein Unikat, ein Sänger von internationalem Format, auch mit seiner Ausstrahlung“, schwärmt der ebenso singende Kapellmeister. Ein weiteres Delago-Credo („Das Lied muss zum Sänger passen“) findet mit „With a Little Help from My Friends“ bei Baumgartner zweifellos vortreffliche Erfüllung – jener Nummer, die Joe Cocker beim Woodstock-Festival zur Legende machte und den 2014 verstorbenen Briten am vorletzten Sommerkonzert auf den Tag genau, 50 Jahre später am Rathausplatz zu würdigen wusste.

Bald ein Adieu?

Imst – die Heimat starker Musiker, aber auch Herd von so manchem Gerücht. Eine Sorge bestätigt Delago im Laufe des Gesprächs: Seine Zeit als Imster Kapellmeister neigt sich dem Ende zu. Wann es wirklich so weit sein wird, lässt sich Delago nicht entlocken, nur das Versprechen, dass er nicht einfach verschwinden, seine Stadtmusikanten in guter Erinnerung halten und es keine kopflose Übergabe sein wird. So oder so war es vergangenen Freitag heuer das letzte Sommerkonzert für Delago, der sich tags darauf in den Urlaub nach Portugal samt anschließender Indonesien-Tour verabschiedete. Den Taktstock schwingt am letzten Freitagabend stellvertretend Josef Frischmann „und das sicher ganz ausgezeichnet“, betont Delago. Also: Nur einer von unzähligen Gründen, den Imster Musikanten zum Wochenende hin um 20 Uhr noch ein letztes Mal für diesen Sommer die Aufwartung zu machen. Der Besuch ist wie immer kostenlos.

Fordernd am Dirigentenpult, charmant in der Moderation: Hermann Delago RS-Foto: Matt

Die Imster Personifizierung des Woodstock-Festivals: Charly Baumgartner RS-Foto: Matt

Stimmgewaltiger Gast aus Zirl: Martina Schwarz RS-Foto: Matt