Noten für Lehrer

Liebe Freunde der hellen Aufregung!

Wieder einmal gingen die emotionalen Wogen in den sozialen Netzwerken hoch. Die neue Handy-App „Lernsieg“ sollte Schülern die Möglichkeit bieten, ihre Lehrer zu bewerten. Kaum freigeschaltet, sorgte die neue Plattform für eine Welle der Empörung. Um die Gemüter zu beruhigen, wurde das interaktive Benotungssystem inzwischen offline gestellt. Also aus dem Verkehr gezogen. Grund dafür waren zahlreiche Hasstiraden gegen den Erfinder und Programmierer, einen 18-jährigen Jugendlichen. Ich behaupte, der junge Mann hatte nichts Böses im Sinn. Aber einen wunden Punkt getroffen. Wenn plötzlich die Schüler die Lehrer benoten, dann gerät für viele Menschen ihr Grundverständnis von Hierarchie ins Wanken. Das Untergraben von Autorität stößt bei Machthabern natürlich auf Ablehnung. Auch ich bin dagegen. Als überzeugter Basisdemokrat macht gegenseitige Bewertung nur Sinn, wenn sich beide Seiten in die Augen schauen. Anonymes Abreagieren auf Knopfdruck geht gar nicht. Mir tun die Lehrer ohnehin leid. Da immer mehr Eltern immer noch mehr arbeiten, um sich ihr tägliches Leben leisten zu können, müssen Pädagogen neben der Vermittlung von Wissen auch verstärkt Erziehungsaufgaben übernehmen. Das ist eine gefährliche Überforderung, die krank machen kann. Wir brauchen also einen sensiblen und rücksichtsvollen Umgang im Miteinander. Es bedarf Politiker, die in der Bildungsfrage das Wohl der Schüler, Lehrer und Eltern in den Vordergrund stellen. Und nicht ideologisch herum eiern. Übrigens: Ich habe ein paar Bewertungen gelesen. Allein für Grammatik und Deutsch der App-Meldungen hätte ich ein Nicht Genügend geben müssen. Die Betragensnote lautet nicht zufriedenstellend. Dummheit darf nicht Schule machen!

Meinhard Eiter