Nu(h)r nicht mit Greta

Liebe Freunde der Satire!

In Zeiten des Populismus feiern Kabarettisten Hochkonjunktur. Gezielte Übertreibungen von Rechts und Links bedürfen dringend zugespitzter Kommentare von Humoristen, die ihrerseits der Ernsthaftigkeit mit Witz die gebührende Relativität verleihen. Ein Meister dieses Faches ist der Comedian Dieter Nuhr. Sein beißender Humor verschont niemanden. Egal ob Trump, Putin oder Erdogan, Katholiken, Muslime oder andere Fundamentalisten – sie alle bekommen in der Sendung „Nuhr im Ersten“ ihr Fett ab. Großartig ist die Sprache des 58-Jährigen. Einzigartig seine Kunst, die Pointen auf den Punkt zu bringen. Wofür der Deutsche zurecht viel Beifall erntet. Jüngst freilich trat er in einen Fettnapf. Er nahm die Klimaaktivistin Greta Thunberg auf die Schaufel und stieß damit auf eine riesige Welle der Empörung. Shitstorm heißt das auf gut Neudeutsch. Was war geschehen? Allein Nuhrs Satz: „Ich bin gespannt, was Greta macht, wenn es kalt wird. Heizen kann es ja wohl nicht sein“, sorgte bei den Anhänger der Protestbewegung „Fridays for Future“ für wütende Kommentare. Mit einer 16-Jährigen, die ja noch ein Kind sei, dürfe man so etwas nicht machen, entrüsten sich deren Fans. Eben diese hatten bisher noch gejubelt, wenn Nuhr Andersdenkende bissig beleuchtet und entlarvt hat. Nichts anderes hat er jetzt mit einer selbst ernannten Weltretterin getan, die trotz ihrer Jugend längst zu den mächtigsten Menschen dieses Planeten zählt. Und selbst polarisiert wie kaum eine andere politische Figur. Die Rechten, die Ausländer verdammen, gehören zurechtgewiesen. Linke, die den Untergang des Erdballs verkünden, dürfen nicht kritisiert werden. Sonst droht Shitstorm. Das ist ziemlich komisch!

Meinhard Eiter