„Passt in den Ortsteil Bichl ein Chaletdorf?“

Mit einer schriftlichen Anfrage an die zuständigen Landesräte wollen Markus Rottensteiner und Andrea Haselwanter-Schneider die Meinung der Landesregierung über das geplante Chaletdorf erfahren. RS-Foto: Dorn

Liste Fritz stellt Anfrage zu Wenner Causa an Landesräte

Die einen sagen „Ja, ganz hervorragend“, die anderen sagen „Auf keinen Fall“ – Die Rede ist vom geplanten Standort für ein Chaletdorf im Wenner Ortsteil Bichl, der von den Projektbetreibern und von Bürgermeister Walter Schöpf als geeignet, von der inzwischen in die Offensive gegangenen gegnerischen Bürgerinitiative als völlig ungeeignet bezeichnet wird. Unterstützung haben sich die Anrainer nun von der Liste Fritz geholt, die ihnen rechtlichen Beistand versprochen, sowie bereits eine schriftliche Anfrage an die beiden Abgeordneten Johannes Tratter und Ingrid Felipe gestellt hat.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, die betroffene Bevölkerung über ein geplantes Bauvorhaben zu informieren? Hier gehen in Wenns die Meinungen ebenso auseinander wie bei der Frage, ob dem Wenner Ortsteil Bichl ein Chaletdorf zu Gesicht stehen würde oder nicht. Fakt ist auf jeden Fall, dass sich besonders die Anrainer des rund 80-Personen zählenden Ortsteils Bichl überrannt fühlen von den inzwischen sehr weit gediehenen Plänen eines ortsansässigen Grundbesitzers, der gemeinsam mit zwei Schweizer Investoren plant, dort ein 80-Betten umfassendes Chaletdorf zu errichten. Die Klubobfrau der Liste Fritz, Andrea Haselwanter-Schneider sieht die Vorgangsweise von Gemeindeoberhaupt Schöpf jedenfalls äußerst kritisch: „Das demokratiepolitische Verständnis des Bürgermeisters ist höchst bedenklich. Diese Drüberfahrermentalität wollen wir nicht dulden.“ Nachdem die Anrainer von keiner Behörde Auskunft erhalten hätten, seien sie an die Abgeordneten mit der Bitte um Unterstützung herangetreten. Dorfchef Schöpf dementiert die Vorwürfe bekanntermaßen schon länger und argumentiert, er hätte nicht mit einem Projekt an die Öffentlichkeit gehen können, das noch nicht genügend ausgereift sei: „Ich habe nichts anderes getan, als wenn ein Häuslbauer zu mir kommt. Außerdem habe ich auch eine bestimmte Diskretionsverpflichtung gegenüber dem Projektwerber gehabt.“ Dass das Chaletdorf „massiv mehr Infrastruktur“ benötige als die bereits vorhandene und zudem vermutlich eine neue Trinkwasserquelle erschlossen werden müsse, wie von der Bürgerinitiative behauptet, stimme ebenso nicht, so Schöpf: „Die gesamte Infrastruktur – und ich betone inklusive Trinkwasser – ist bereits mit Absicherung vorhanden. Wir werden durch das Chaletdorf kein Trinkwasserproblem bekommen.“

 

Pro Tourismus, kontra Anrainer? Doch auch Markus Rottensteiner von der Liste Fritz sieht den Standort des geplanten Chaletdorfs als ungeeignet an: Die Nähe zu den in Bichl befindlichen Bauernhöfen würde für die Touristen Lärm- und Geruchsbelästigung bringen, außerdem sei auf dem Grundstück auch ein ökologisch wertvolles Feuchtgebiet , das zerstört werden würde. Außerdem würden die Projektbetreiber vermutlich ein Umweltverträglichkeitsverfahren dadurch umgehen, dass sie das Vorhaben in zwei Projektschritte teilen und nach den 80 Betten später noch 40 weitere dazu errichten würden. Stimme wieder nicht – mit 78 bis höchstens 82 Betten in 17 oder 18 Chalets sei die Obergrenze erreicht, eine geplante Bettenanzahl von 120 sei eine Falschinformation, die von der Bürgerinitiative verbreitet worden wäre. Schöpf geht davon aus, dass der naturschutzrechtliche Bescheid Ausgleichsflächen für die „Feuchtwiese“ vorschreiben wird, von Feuchtbiotop könne man jedoch nicht sprechen. In einem jedenfalls sind sich sowohl der dem Projekt kritisch gegenüberstehende Rottensteiner als auch Bürgermeister Schöpf einig: Der Bettenschwund im Pitztal ist eklatant und der Tourismus im Tal hätte eine Förderung dringend nötig. „Bei uns im Pitztal leben nachweislich 70 bis 80 Prozent direkt oder indirekt vom Tourismus und wir machen unsere Hausaufgaben nicht. In Wenns gibt es Bettensterben und seit mindestens 20 Jahren wurde in Wenns kein Großprojekt für den Tourismus mehr realisiert“, sieht Schöpf das Chaletdorf als Chance für die Gemeinde. Auf eine genaue Kostenschätzung durch die bauausführende Firma, dem Tiroler Blockhaus, warte man momentan, man rechne mit 9,5 bis 10 Millionen Euro. Eine Präsentation des Projekts wäre laut Dorfchef übrigens von Anfang an geplant gewesen, doch erst letzten Freitag hätte die Gemeinde das Betreiber- und Wirtschaftskonzept in die Hände bekommen. Dass es nun anstelle des eigentlich geplanten TT-Forums doch eine Gemeindeversammlung am 23. November geben werde, sei einer Aufsichtsbeschwerde durch die Bürgerinitiative zu verdanken. Eine Diskussion über das brisante Thema sollte jedoch auch hier möglich sein, so Schöpf. Ob die Versammlung die verhärteten Fronten zu glätten imstande ist, wird sich noch zeigen. Zumindest aber kann sich jeder der Wenner Bürger bei der rund 45-minütigen PowerPoint-Präsentation ein umfassendes Bild des geplanten Chaletdorfs machen.

von Agnes Dorn

Mit einer schriftlichen Anfrage an die zuständigen Landesräte wollen Markus Rottensteiner und Andrea Haselwanter-Schneider die Meinung der Landesregierung über das geplante Chaletdorf erfahren. RS-Foto: Dorn