Pflege betrifft Klienten und Angehörige

Peter Mittermayr (Pflegeschule Reutte), Alois Gratl (Haus Ehrenberg), Magdalena Wolf (Pflegeinsel Benglerwald), Paul Barbist (Haus zum Guten Hirten), BR Sonja Ledl-Rossmann, Aurel Schmidhofer (Obmann Gemeindeverband Bezirkskrankenhaus Reutte), Renate Reinisch (Verein Together), Ursula Euler (Regionalentwicklung Außerfern), Birgit Adrian-Holzer (Sozial- und Gesundheitssprengel Außerfern) und David Heitzinger (Pflegeberatung Außerfern) (v.l.) bemühen sich um ein tragfähiges Pflegenetz im Bezirk Reutte. RS-Foto: Schretter

Die Pflegedrehscheibe Außerfern berät und dreht sich weiter

Die Gesellschaft steht vor einem demographischen Umbruch, der eine große Herausforderung mit sich bringt. Der Anteil der über 65-Jährigen an der Bevölkerung wird immer größer. Damit nimmt auch die Zahl der chronisch Kranken, der Demenzkranken und der an psychiatrischen Erkrankungen leidenden Menschen zu.

2030 wird jeder vierte Außerferner älter als 65 Jahre sein. Man hat sich den Herausforderungen gestellt und bereits vor acht Jahren die „Pflegedrehscheibe Außerfern“ gegründet. Die Pflegedrehscheibe vernetzt alle Pflege- und Gesundheitseinrichtungen des Bezirkes untereinander, es findet ein regelmäßiger Austausch statt. Koordiniert wird alles von der Regionalentwicklung Außerfern (REA).
Die neu erarbeitete Broschüre „Pflege- und Betreuungsnetz im Außerfern“, die bei allen Ärzten, in allen Gemeinden und vielen öffentlichen Institutionen aufliegt, fasst die umfangreichen Angebote zusammen und richtet sich gleichermaßen an pflegebedürftige Personen und pflegende Angehörige.

Rat und Tat. Erste Anlaufstelle im Akutfall oder vorausschauend ist die Pflegeberatung Außerfern, die sich im BKH Reutte befindet. Gemeinsam wird der Pflegebedarf erhoben. In Zusammenarbeit mit den Systempartnern kann dann die bestmögliche Versorgung ermittelt und organisiert werden. Die Pflegeberatung steht allen Außerfernern kostenlos zur Verfügung.
Als oberstes Ziel steht im Fokus, Menschen so lange wie möglich zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld zu pflegen und zu versorgen. Hier wird Unterstützung vom Sozial- und Gesundheitssprengel Außerfern (SGS) geboten. Klienten sollen ein möglichst selbstständiges Leben bei bester Betreuung führen, die pflegenden Angehörigen sich genügend Auszeiten nehmen können. Der SGS springt auch kurzfristig im Akutfall ein.
Tagespflege ist auch im „Haus zum Guten Hirten“, dem Seniorenzentrum der Marktgemeinde Reutte, möglich. Klienten verbringen die Nacht zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung und werden untertags im „Haus zum Guten Hirten” betreut. Angehörige können damit ihren gewohnten Tagesablauf beibehalten. Im „Haus zum Guten Hirten” wird neben der stationären Pflege auch Kurzzeitpflege angeboten.
Im „Haus der Geborgenheit” gibt es neue Wohneinheiten für betreutes Wohnen, wo Klienten selbst entscheiden, wann sie wie viel Pflege bzw. welche Unterstützung sie in Anspruch nehmen.
Das „Haus Ehrenberg” bietet Pflegeplätze für Lang- und Kurzzeitpflege. Bewohner werden nur dann unterstützt, wenn Notwendigkeit besteht. Die Prämisse ist auch hier, die Selbstständigkeit so lang wie möglich zu bewahren.
Eine wertvolle Einrichtung – vor allem für pflegende Angehörige – ist die  „Pflegeinsel Benglerwald“ in Bach im Lechtal. Klienten werden hier in entspannter Umgebung individuell betreut. Die Betreuungszeit wird an die Bedürfnisse der Klienten und ihrer Angehörigen angepasst und kann zwischen vier Stunden und drei Wochen dauern.
Gemeinsame Zeit für mehrere Generationen bietet der Verein „Together“ in Breitenwang. Senioren, die Unterstützung brauchen oder tagsüber nicht gern allein zu Hause sind, sind hier bestens aufgehoben. Bedarfsorientiert wird auf ein Miteinander von Kindern, Senioren und den jeweiligen Betreuern gesetzt. Jeder kann sich hier, seinen Möglichkeiten entsprechend, entfalten. Pflegende Angehörige werden entlastet.

Ausbildung. Es fängt bei der Pflegeschule an – ohne fundiert ausgebildete Pflegekräfte kann die Versorgung nicht gewährleistet werden.   Seit 1990 gibt es die Pflegeschule in Reutte. Der Pflegebedarf kann im Bezirk abgedeckt werden. Auch im Bildungssektor passt man sich den demographischen Veränderungen an. 2019 startet im Bezirk Reutte eine Fachhochschule für Pflegeberufe, die eine Ausbildung auch höchstem Niveau anbieten wird. Pflegeschulleiter Peter Mittermayr baut auf eine Kooperation mit den Höherbildenden Schulen des Bezirkes. „Wir wollen die Pflegeschule  als Ausbildungsort möglichst nah an die Schüler bzw. Maturanten tragen und weiter alles daran setzen, ausreichend qualifizierte Pflegekräfte auszubilden.“

Luft nach oben. Auch wenn sich im Außerfern die Pflegedrehscheibe bewegt, gilt es, die Kräfte weiter zu bündeln. Es ist an die Zukunft zu denken.
Wartezeiten auf einen stationären Pflegeplatz gibt es auch im Bezirk Reutte. „Wir sprechen hier von einem Zeitraum von einem halben bis einem dreiviertel Jahr“, weiß Alois Gratl vom „Haus Ehrenberg”. „Wenn wir keine andere Möglichkeit haben, müssen wir unter Umständen auch auf Heimplätze außerhalb des Bezirkes ausweichen und so die Wartezeiten überbrücken“, bestätigt Paul Barbist vom „Haus zum Guten Hirten”. Aurel Schmidhofer, Obmann des Gemeindeverbandes BKH Reutte, gibt zu bedenken, dass etwa 30 Betten fehlen, aber alles eine Sache des Geldes ist. „Das Geld ist knapp, das wissen die Bürgermeister. Es reicht nicht, einfach mehr Betten zu haben, es muss auch alles bezahlt werden und die Infrastruktur muss passen.“
BR Sonja Ledl-Rossmann und Ursula Euler von der REA sind sich dennoch einig, auf einem sehr guten und zukunftsweisenden Weg zu sein. „Man kann die Hände nicht in den Schoß legen. Dafür haben wir ja die Pflegedrehscheibe. Es gibt regelmäßige Reflexionen, man tauscht sich aus und sieht, wo es Lücken gibt und der Hebel anzusetzen ist.“
Ursula Euler von der REA  gewährt einen Ausblick auf das nächs-te Projekt. „Wir sind schon daran, uns mit der Thematik Demenz bzw. demenzfreundlicher Region zu beschäftigen. Bereits Ende Oktober fahren wir nach Feldkirch und schauen uns die Aktion „Demenz in Vorarlberg“ an. Unsere Nachbarn sind da schon ein bisschen weiter, aber wir ,lernen von den anderen’ und setzen uns das Ziel, die Drehscheibe in dieser Richtung weiterzubewegen.“