Rasenball-Sklaven

Liebe Freunde martialischer Kämpfe!

Das Prinzip Brot und Spiele ist seit der römischen Herrschaft ein die Macht unterstützendes Element. Heute noch, wo vielfach der Sport die Lust auf Krieg ersetzt, liebt das Volk das Muskelspiel. Strotzende Kraft verraten schon die Vereinsnamen. Im Ostblock verliehen einst Begriffe wie Lokomotive, Dynamo oder Turbine den Fußballteams den Energieschub von Maschinen. In der Neuzeit sind Tiere modern. Red Bull verleiht Kickern die Flügel von Stieren, die Löwen aus München wollten immer schon die gefürchteteren Bayern sein. Im Eishockey jagen Tiger, Adler, Panther und sogar Haie dem Puck nach.
Was Profis vorleben, ahmen Amateure gerne nach. Bloßes Kopieren gilt dabei als verpönt. Also kreieren die Sportfreaks neue Namen für ihre Klubs. So auch die Spielgemeinschaft Mötz/Silz. Dort hat ein wirtschaftlich erfolgreicher Mäzen seine Athleten jetzt Gladiatoren genannt. Aus Verlierern, die von der Tiroler Liga abgestiegen sind, machte der Präsident schlagartig Sieger. Die Gladiatoren hauen momentan alles weg, was sich ihnen in den Weg stellt. Sportlich ist das hoch erfolgreich. Gesellschaftspolitisch jedoch fragwürdig. Immerhin waren Gladiatoren einst Sklaven und Kriegsgefangene, die man bei Schaukämpfen der Meuchellust des Volkes aussetzte. Ihre Kämpfe waren von Hinrichtungen und Tierhetzen begleitet. Historisch interessant ist, dass der dem Christentum zugewandte Kaiser Konstantin schon im Jahre 325 verfügt hat, diese Kämpfe abzuschaffen. Heutzutage ist der Fußball die wohl letzte legale Bühne für Menschenhandel. Das ist übel genug. Und so ist der Begriff Gladiator in einer Zeit, in der man sich mit Geld Sportler und gesellschaftliche Anerkennung kaufen kann, zumindest im historischen Kontext bedenklich. Humoristisch ist die Sache auch nicht ohne. Immerhin taufte ein Kollege von mir jüngst nach einer verlorenen Schlacht die Gladiatoren prompt in (verwelkte) Gladiolen um.

Meinhard Eiter

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