Recht auf gewaltfreies Leben

LR Fischer, Evelyn Mages, Regina Karlen und Klaudia Henn-Meßmer (v.l.) halten die Flagge für ein freies Leben ohne Gewalt hoch. RS-Foto: Schretter

Aktion „16 Tage gegen Gewalt“ macht darauf aufmerksam

(sas) Vom 25. November bis zum 10. Dezember läuft die internationale Aktion „16 Tage gegen Gewalt“, die mit verschiedenen Veranstaltungen aufzeigt, dass Gewalt an Frauen und Mädchen noch längst nicht vom Tisch ist und allen Frauen und Mädchen ein Recht auf ein gewaltfreies Leben zusteht. Tirols Frauenlandesrätin Gabriele Fischer besuchte die Reuttener Frauenberatungsstelle BASIS und lud zum Pressegespräch.

Im Bezirk Reutte wurde 2018 begonnen, mit der Bierdeckelaktion das Thema Gewalt an Frauen in die Öffentlichkeit zu bringen und die Bevölkerung zu informieren. 2019 wurde die Aktion ausgeweitet. Mit Unterstützung von Regina Karlen wurden die Bierdeckel wieder in heimischen Gaststätten verteilt. „Die Resonanz ist sehr positiv und viele Gastwirte sind bereit, unsere Aktion zu unterstützen und die Bierdeckel in ihrem Lokal aufzulegen“, sagt Regina Karlen. 

LR Gabriele Fischer sieht in der Aktion „16 Tage gegen Gewalt“ starke Zeichen, die für ein freies Leben stehen. „2019 sind in Österreich 18 Morde an Frauen passiert. Das ist eine erschreckende Zahl. Wir sprechen hier nicht von Beziehungsdaten, sondern wirklich von brutalen Morden. Es zeigt sich einmal mehr, dass die eigenen vier Wände für Frauen und Kinder oft der gefährlichste Ort sind. In Tirol wird jede fünfte Frau mindes-tens einmal in ihrem Leben mit sexualisierter, psychischer oder physischer Gewalt konfrontiert“, schildert die Landesrätin die Situation.

Präventionsarbeit bezeichnet sie als zentral. Vor allem in den dezentralen Regionen sei es wichtig, niederschwellige Angebote und Beratung zu haben. In Reutte ist die Frauenberatungsstelle BASIS so eine Einrichtung. Frauenhäuser und Opferschutzeinrichtungen helfen dann, wenn Frauen bereits Gewalt erfahren haben.

„Ab Jänner 2020 wird es in Tirol erstmals eine Notschlafstelle ausschließlich für Frauen geben. 21 von Sozialarbeitern begleitete Plätze für Frauen und Kinder werden eingerichtet. Zusätzlich muss aber Täterarbeit in den Fokus gestellt werden. Männer, die gewaltbereites Verhalten zeigen, bedürfen ebenfalls einer Beratung“, so LR Fischer. Täter sollen lernen, wie sie mit ihrer Aggression umgehen können. Es darf  in Konfliktsituationen erst gar nicht auf Gewalt zurückgegriffen werden.

BASIS-Geschäftsführerin Evelyn Mages erklärt, dass sich die Formen von Gewalt verändern. Gewalt passiert oft subtil und ist daher schwer fassbar. Aber gerade diese Form von Gewalt hinterlässt tiefe Spuren. Sie ist nicht sichtbar und wird oft sehr spät wahrgenommen. Darüber aufzuklären und Frauen und Mädchen zu sensibilisieren, ist daher besonders wichtig.  

Für BASIS-Beraterin Klaudia Henn-Meßmer steht die Zusammenarbeit mit Schulen weit vorn. Mit Schülerinnen wird die Frage diskutiert, wann freundschaftliches Mitein-nander aufhört und Gewalt beginnt. „Mädchen sind mit der Gewaltthematik in ihrem öffentlichen Leben und ihrer Freizeit konfrontiert. Wir helfen ihnen zu erkennen, wo, und ab wann sie subtiler Gewalt ausgesetzt sind“, führt Klaudia Henn-Meßmer aus. Wichtig sei hier auch, die Burschen mit ins Boot zu holen. 

Frauenlandesrätin Gabriele Fischer betont, dass es nicht ausreiche, das Strafmaß für Gewalttäter zu erhöhen. „Das hält Täter nicht ab. Es muss vielmehr daran gearbeitet werden, die Aufklärungs- und Verurteilungsrate zu erhöhen. 

Auch ein eng gesteckter Zeitrahmen, in dem betroffene Frauen eine Gewalttat melden müssen, ist kontraproduktiv. Frauen sind nach einem Gewaltgeschehen traumatisiert und brauchen Zeit.“

Flaggenaktion.

Ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen sind die Flaggen, die während des Aktionszeitraumes von „16 Tage gegen Gewalt“ an vielen Orten Österreichs, Deutschlands und weltweit wehen. Auch neun Außerferner Gemeinden – Reutte, Breitenwang, Pflach, Vils, Biberwier, Ehenbichl, Lechaschau, Höfen und vielleicht auch Weißenbach – werden die Flaggen mit der Forderung „Frei leben ohne Gewalt“ hissen.

Ein gewaltfreies Leben führen zu können, ist ein Grundrecht. Gewaltfreiheit muss ein gesellschaftlicher Wert sein. Es muss aber auch in der Gesellschaft ankommen, Partei zu ergreifen, wenn Übergriffe gegen Frauen und Mädchen bemerkt werden. „Frei leben ohne Gewalt“ sollte mehr als der Slogan auf den Flaggen sein.