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Reutte | Chronik | 24. September 2019 | Klara Fritz

„Ausreden zählen nimmer“

„Reutte for Future!“: Mit diesem Ruf endete die beeindruckende Klima-Demo am Freitag in Reutte. RS-Foto: Gerrmann
„Reutte for Future“ – die Klima-Demo am autofreien Tag in der Gemeinde Weißenbach. RS-Fotos: Gerrmann
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„Reutte for Future“: Klima-Demo am autofreien Tag fordert Handeln ein


„Schluss mit den Sonntagsreden! Handelt endlich!“: Das war die unüberhörbare Botschaft bei der Reuttener Klima-Demo am autofreien Tag vor der Annakirche. Und sie wurde von allen Generationen überbracht – von den Schülern bis zu den „Omas for Future“.

Von Jürgen Gerrmann

Schon Initiatorin Christine Schneider hatte darauf aufmerksam gemacht, dass seit der UNO-Konferenz von Rio, die den Klimawandel als globale Bedrohung eingestuft habe, 27 Jahre vergangen seien: „Und seither ist alles noch schlimmer geworden!“ Der verhängnisvolle Trend sei „höchstwahrscheinlich unumkehrbar“, wenn die Temperatur weltweit um zwei Grad steige. Zurzeit befinde man sich indes (auf das Jahr 2100 gesehen) sogar auf einem Vier-Grad-Kurs. Es reiche nicht aus, die Treibhausgase zu verringern, auch der Permafrost habe sich so verringert, wie es erst für 2090 vorausgesagt worden sei, Urwälder rode man in einem noch nie dagewesenen Umfang: „Die Politik will das nicht erkennen, aber wir können aufstehen und die Politiker dazu zwingen, den Klimanotstand auszurufen.“
„BEBAUEN UND BEWAHREN“.

Nach Auffassung von Dekan Franz Neuner „gaukeln uns Politiker und Medien vor, wir wären auf dem richtigen Weg“. Freilich: „Es ist Feuer unterm Dach! Wir haben keine Zeit mehr!“ Nun brauche es Druck auf die Politik von allen Seiten: „Die letzte Möglichkeit zu handeln ist jetzt!“ Die Politik könne hier nicht die Verantwortung auf Privatpersonen abwälzen: „Sie muss Rahmenbedingungen setzen, inklusive radikaler Maßnahmen, und für globale Klimagerechtigkeit sorgen.“ Die jungen Leute kämpften nun um ihre Zukunft, „die die Alten idiotisch riskiert haben“. Und es gebe hoffentlich immer mehr Erwachsene, „die ihnen ohne Heuchelei zur Seite stehen“. Denn: „Unser Planet ist ein von Gott geheiligter Ort. Ausreden zählen nimmer. Es gibt eine schönere Welt als diese konsumorientierte Wegwerfgesellschaft!“ Neuners evangelischer Pfarrkollege Mathias Stieger griff die Schöpfungsgeschichte in der Bibel auf. Darin heiße es ausdrücklich, der Mensch solle die Erde „bebauen und bewahren“. Für ihn ist das auch eine Warnung: „Wehe, wenn wir diese Spannung nicht aushalten! Dann richten wir nicht nur uns selbst, sondern diese Welt und den ganzen Kosmos zugrunde!“ Die Bewahrung der Schöpfung sei keine Ideologie oder gar neue Religion, sondern gehöre zum gelingenden Miteinander zwischen den Menschen untereinander, aber auch mit allen Geschöpfen der Tier- und Pflanzenwelt: „Wenn wir beides tun, dann leben wir im Segen und nicht im Fluch.“
„MISSBRAUCHTE GASTFREUNDSCHAFT“.

„Reutte for Future“ – die Klima-Demo am autofreien Tag in der Gemeinde Weißenbach. RS-Fotos: Gerrmann


Annabell Poberschnigg verglich als Vertreterin der jungen Generation die jetzige Situation mit einer Party, zu der immer mehr Gäste kämen, die dann den Kühlschrank plünderten und sich zugleich weigerten, den Müll und Dreck wegzuräumen: „Die Erde ist unser Gastgeber, und wir missbrauchen ihre Gastfreundschaft, indem wir ihre Ressourcen schonungslos ausbeuten.“ Also: „Wir dürfen nicht mehr nur reden, wir müssen handeln. Wir haben keine Zeit mehr.“ Karin Kühbacher wandte sich gegen die Massentierhaltung: Für die Produktion von einem Kilo Steak würden zurzeit 16 000 Liter Trinkwasser verbraucht. Martin Rauter zollte den Jugendlichen, die darauf aufmerksam machten, dass „die Welt brennt“ einen „Riesen-Respekt“. Die Profitgier, die die Misere verursacht habe, sei „ein Wahnsinn“. Dagegenhalten könnten freilich alle: „Jeder kann selbst entscheiden, was er einkauft.“ Walter Leitgeb unterstützte die Ziele der Demonstration, nutzte die Chance aber auch, um der Beseitigung des Forchacher Baggersees „das Prädikat Naturschutz abzusprechen“. Schließlich würden hier massenweise Bäume für ein „überbordendes Projekt“ zunichte gemacht. Martin Storf hatte einen großen Wunsch an die Politik: „Bringt endlich den Mut auf, einzugestehen, dass das, was auf uns zukommt, niemals umsonst sein kann.“ Den Menschen müsse reiner Wein eingeschenkt werden: „Es wird Verzicht kosten. Und es wird unmöglich sein, diesen Lebensstil weiter zu pflegen.“ Danach ging's gemeinsam zum Reuttener Ortsschild an der Lechbrücke – mit Gruppenfoto und Kurz-Video, das über die Aktion „Austria for future“ republikweit verbreitet wurden, endete die Demo. Mit dem Ruf: „Reutte for Future!“ Auch in Weißenbach und Tannheim gab es übrigens Demonstrationen gegen den Klimawandel.
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