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Reutte | Chronik | 3. Jänner 2022 | Jürgen Gerrmann

Außerferner Bergwacht im Dauereinsatz

Außerferner Bergwacht im Dauereinsatz
Vor allem Wasser zieht Wildcamper im Außerfern geradezu magnetisch an. Das Problem dabei: Immer mehr suchen sich versteckte Plätze und sind von der Bergwacht nur mit großem Aufwand aufzuspüren. RS-Foto: Gerrmann
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Bezirksstellenleiter Kerber berichtet über ereignisreiches Jahr

Jede Menge zu tun gab es für die Bergwacht im Außerfern auch 2021. Das wurde im Gespräch der RUNDSCHAU mit Bezirksleiter Albert Kerber über die Bilanz des zweiten „Coronajahres“ deutlich.
Von Jürgen Gerrmann.
Der Vergleich zum Jahr davor fällt dabei schwer beziehungsweise hinkt gewaltig: Denn im vergangenen Jahr gab es zweieinhalb Lockdown-Monate mehr als 2020. Aber dennoch wird deutlich, wie viel die Ehrenamtlichen dieser Organisation zu tun hatten.
Zwischen Januar und September 2021 (das sind die aktuellen Zahlen) gab es zum Beispiel 1559 „Feststellungen im Zusammenhang mit dem  Campinggesetz des Landes Tirol“ (so Kerber), während es im gesamten Jahr zuvor 2162 waren – aber wie gesagt, über einen deutlich längeren Zeitraum. In 1438 Fällen davon waren auch Amtshandlungen erforderlich. Was das ist? „Wir haben die Leute angezeigt oder weggeschickt.“

WASSER ALS MAGNET.
Ganz besonders das Wasser scheint dabei große Anziehungskraft auf die Wildcamper ausgeübt zu haben. Denn die Hotspots des illegalen Geschehens waren dabei vor allem Blindsee, Plansee und Weißenbacher Baggersee: „Generell die Seen halt“, sagt Kerber. Als besonders beliebt erwiesen sich darüber hinaus auch das Schwarzwasser und die Lechauen. Wobei sich die mit dem massiven Ärger des Jahres 2020 ausgelösten intensiveren Kontrollen durchaus ausgewirkt haben. Allerdings weniger in einem verstärkten Bewusstsein dafür, dass man die Natur einfach in Ruhe lassen sollte. „Die Leute suchen sich nun versteckte Plätze, an die man nicht so leicht zufahren kann“, hat der Bezirksstellenleiter beobachtet.

WENIGER MÜLLSÜNDER.
Eine deutliche Verbesserung hat sich indes anscheinend bei den Verstößen gegen das Abfallwirtschaftsgesetz eingestellt. Da registrierte man statt 770 nur noch 286 Fälle. „Die Leute haben sich im letzten Jahr dezenter verhalten, die wussten wohl, dass sie Ärger kriegen“, mutmaßt der Mann von der Bergwacht. Und dieser Bewusstseinswandel ging offensichtlich in den allerwenigsten Fällen mit Einsicht einher: „2017, 2018 und 2019 haben wir nur aufgeklärt. Aber das war den Leuten ziemlich wurst, die haben ihren Dreck einfach weiter in die Landschaft geschmissen“, erzählt Kerber. Erst als man begonnen habe, Strafen zu verhängen, sei die Situation auf diesem Sektor besser geworden. Wobei man Müllsünder fast ausschließlich unter den Wildcampern erwischen könne, wo der Abfall dann direkt neben den Fahrzeugen oder Zelten zu finden sei, ansons-ten seien die Überltäter schnell verschwunden, auf frischer Tat ertappe man kaum einen.
Die Einheimischen seien in dieser Richtung nämlich auch keine Engel, vor allem bei Jugendlichen habe die Neigung, den Abfall von Partys an Locations wie dem Lech oder dem Gsperr einfach wegzuschmeißen, zugenommen. Kerber: „Viele jungen Leute sind einfach schlampig, aber wir haben auch schon erlebt, dass sie den Dreck am nächsten Morgen gemeinsam weggeräumt haben.“ Seiner Einschätzung nach sei indes „das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen auf diesem Gebiet spürbar gesunken – immer mehr verlassen sich auf den anderen und darauf, dass irgendwer den Dreck schon mitnehmen wird“.
Zur Bergwacht-Truppe gehören übrigens auch vierbeinige Helfer: Zwei Hunde unterstützen die Organisation bei ihrer wertvollen Arbeit. Einer wird im Moment noch darauf trainiert, Verschüttete unter Lawinen oder auch Trümmern aufzusuchen. Leider gibt es indes auch auf diesem Sektor ein Generationenproblem: Viele alte erfahrene Hunde haben in den vergangenen Jahren leider das Zeitliche gesegnet und können nur schwer ersetzt werden. Auf 290 Mitglieder kann die Bergwacht im Außerfern übrigens zurzeit im Außerfern bauen – und gut die Hälfte davon leistet aktiv Dienst. Und zwar mit einem höchst beachtlichen Pensum: Sage und schreibe 2797 Einsätze mit insgesamt 10 105 Stunden kamen da allein in den ersten neun Monaten 2021 zusammen – das waren fast so viele wie im gesamten Jahr 2020. Und Kerber registrierte dabei insgesamt 11 240 Fahrkilometer seiner Truppe.

MOTIVATION SINKT.
Welches Fazit zieht denn der Bezirksstellenleiter über das vergangene Jahr? „Beim Wildcampen hat sich auf den ersten Blick die Situation durch die verstärkten Kontrollen verbessert. Schlechter ist indes, dass sich manches nun auf versteckte Flächen verlagert hat, wo wir auch nicht ständig vorbeikommen.“ Und wie sieht es mit der Motivation aus? „Die wird langsam geringer. Der Tiroler Landtag hat zwar vor der Sommerpause den Beschluss gefasst, dass wir wieder Organmandate verhängen (also die Leute direkt vor Ort strafen) können sollen, aber seitens der Landesregierung hat sich seither nichts getan – wir hören da nichts mehr.“
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