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Reutte | Chronik | 5. April 2021 | Johannes Pirchner

Berufsschüler und Lehrlinge sind im Außerfern gut betreut

Berufsschüler und Lehrlinge sind im Außerfern gut betreut
Jürgen Koch und sein Berufsschulteam bilden unsere Büro und Handelslehrlinge optimal aus. RS-Foto: Pirchner
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Schüler der TFBS-Reutte sind trotz Pandemie bestens für die Lehrabschlussprüfung gerüstet. Lehrlinge meistern die Krise hervorragend

Der Handel ist eine der Branchen, die von der pandemiebedingten Krise am stärksten getroffen wurden. Gerade für junge Auszubildende, die in ihrem neu erlernten Beruf voll durchstarten wollen, ist diese Zeit eine herausfordernde. Doch das duale Ausbildungssystem zeigt sich hier als absolut krisensicher.
Von Johannes Pirchner

Auf Nachfrage beim Prüfungsreferat in der Wirtschaftskammer zeigt sich trotz Pandemie eine überraschend positive Entwicklung: Die praktische Ausbildung von Lehrlingen in den Betrieben leidet trotz Krise und Kurzarbeit nicht. Die Leistungen der Auszubildenen bei den Lehrabschlussprüfungen sind herausragend. Die betriebliche Ausbildung geht nicht verloren. Auch die persönliche Leistungsbereitschaft  der Auszubildenden hat sich vervielfacht! Vor Pandemiebeginn nahmen immer wieder Lehrlinge, die zu Vorbereitungskursen angemeldet waren, diese danach nicht wahr. Jetzt melden sich die Lehrlinge selbstständig zu den Kursen und zur LAP an. Vorbereitungsunterlagen im Internet sind stark nachgefragt, die Auszubildenden beweisen hier viel  Eigenverantwortung. Bei der LAP zeichnet sich bei den kaufmännischen Berufen eine Tendenz von der Theorie hin zur Praxis ab. Diese Entwicklung der Prüfung könnte als Chance durchaus weiter genutzt werden. Eine weitere Chance ergibt sich durch die Digitalisierung. Die Pandemie ist belastend – auch für Lehrlinge. Der starke Rückhalt, den Berufsschulen in der theoretischen Ausbildung vermitteln, ist hier wesentlich. Die RUNDSCHAU sprach mit dem Berufsschuldirektor der TFBS-Reutte, Jürgen Koch.

RUNDSCHAU:  Lehrlinge besuchen innerhalb ihrer Ausbildung die Berufsschule. Konnte das duale Ausbildungssystem von der TFBS-Reutte nach einem Jahr Coronapandemie sichergestellt werden?
Jürgen Koch: Die TFBS Reutte hat das letzte herausfordernde Jahr sehr gut gemeistert und die Ausbildung war jederzeit zu 100 Prozent gewährleistet. Der erste Lockdown im März 2020 hat uns unvorbereitet getroffen und der Start in das Distance-Learning war vielleicht etwas holprig, aber wir haben uns schnell auf die schwierige Situation eingestellt und sind von Tag zu Tag besser geworden. Mit der Kommunikationsplattform MS TEAMS haben wir ein perfektes Medium an unserer Schule installiert, um im Distance-Learning einen stundenplanmäßigen Unterricht zu gewährleisten. Der Arbeitsaufwand für die Lehrpersonen war und ist weiterhin enorm, aber die Lehrpersonen der TFBS Reutte haben hervorragende Arbeit geleistet und enormen Einsatz gezeigt. Die oft diskutierte „Lernlücke“ kann ich jedenfalls nicht finden. Wir sind voll im Plan und die Schüler haben durch Distance-Learning in einer atemberaubenden Geschwindigkeit neue Kompetenzen erlangt.

RS: Welche Sicherheitsmaßnamen gelten derzeit an der TFBS-Reutte? Gibt es Unterschiede zwischen Einzelhandels- und Bürokaufmannsauszubildenden?
Jürgen Koch: Die Schutzmaßnahmen sind für alle Schüler gleich. Die wichtigste Maßnahme ist aus meiner Sicht das Testen am Beginn der ers-ten Stunde durch Antigen-Selbsttests (Nasenbohrertests). Sollte ein positives Ergebnis vorliegen, wird die betreffende Person sofort abgesondert und zu einem PCR-Test angemeldet. Bisher waren an unserer Schule alle Selbsttests negativ. Zwischen den Tischen in den Klassen wird ein entsprechender Sicherheitsabstand gewahrt, wir lüften regelmäßig und es werden permanent FFP2-Masken getragen. Es besteht  Schichtbetrieb, an jedem Schultag sind nur 50 Prozent der Schüler im Präsenzunterricht, die anderen Schüler haben zu Hause einen Hausübungstag.

RS: Die TFBS-Reutte liegt bei den positiven Lehrabschlüssen im Tiroler Spitzenfeld. Dies wird durch die qualitativ hohe Ausbildung garantiert. Gibt es pandemiebedingt für die Auszubildenden Erleichterungen bei der LAP?
Jürgen Koch: Es freut mich, dass unsere Schüler bei den Lehrabschlussprüfungen überdurchschnittlich gut abschneiden. Das zeigt den Vorteil einer kleinen Schule mit einer angenehmen Lernatmosphäre. Als Lehrperson kann man viel gezielter auf die Jugendlichen eingehen. Man kennt die Stärken und Schwächen, manchmal auch die persönlichen Geschichten hinter dem Namen und kann so entsprechend reagieren. Die Lehrabschlussprüfung wird von der Wirtschaftskammer abgenommen. Die Lehrlinge müssen sich aber keine Sorgen machen, weil wir trotz Pandemie die Schüler perfekt auf die LAP vorbereiten.

RS: In vielen Fächern in der Handelsvorbereitung wie WVP (Warenspezifisches Verkaufspraktikum) oder Schaufensterdekoration, stehen Mitschüler in direktem Kontakt zueinander. Finden diese Fächer statt?
Jürgen Koch: Seit ca. vier Jahren gibt es einen neuen Lehrplan für Einzelhändler, in dem die Schaufensterdekoration nicht mehr diesen Stellenwert einnimmt wie früher. Das Führen von Verkaufsgesprächen in Form von Rollenspielen ist aber nach wie vor ein wesentlicher Inhalt. Durch den Schichtbetrieb können wir im Präsenzunterricht unterschiedliche Situationen im Verkauf üben, natürlich unter Einhaltung der Hygienevorschriften.

RS: Auch an der TFBS herrscht Schichtbetrieb. Neben Berufsschulstunden absolvieren die Lehrlinge auch Arbeitszeit, werden im Betrieb gebraucht. Wie funktioniert das System und wie ist die Akzeptanz vonseiten der Lehrbetriebe?
Jürgen Koch: Die TFBS Reutte wird als Jahresschule geführt, das heißt, dass die Lehrlinge einer Klasse an einem bestimmten Tag in der Woche (zum Beispiel am Montag) in die Schule gehen. An den anderen Wochentagen sind die Lehrlinge beim Arbeiten im Lehrbetrieb. Beim Schichtbetrieb wird nun diese Klasse, in unserem Beispiel die „Montagsklasse“ in zwei gleich große Gruppen geteilt. Die Gruppe A ist in der ersten Woche im Präsenzunterricht, die Gruppe B bleibt zu Hause und bearbeitet Arbeitsaufträge bzw. Hausübungen. In der darauffolgenden Woche wird getauscht. Gruppe B ist in der Schule und Gruppe A hat Hausübungstag, das funktioniert sehr gut.

RS: Das Distance-Learing bringt viele Herausforderungen mit sich. Eine ist sicher die Ausstattung. Gab es Schüler, die Probleme hatten, dem Unterricht zu folgen, weil die Ausstattung fehlte?
Jürgen Koch: Beim ersten Lockdown war das teilweise ein Problem, da nicht alle Lehrlinge einen eigenen Laptop zu Hause hatten bzw. diesen mit Geschwistern teilen mussten. Diese Schüler haben sich mit ihrem Handy über die erste Phase gerettet, was aber nicht sehr ideal war. Die Arbeiterkammer Tirol hat aber dankenswerter-weise sehr schnell reagiert und alle Berufsschulen in Tirol mit Laptops ausgestattet. So konnten wir bereits im Mai vergangenen Jahres jedem Lehrling, der ein Gerät benötigte, leihweise eines zur Verfügung stellen. Ich darf mich an dieser Stelle nochmals bei der AK Tirol für diese schnelle und großzügige Hilfe bedanken.

RS: Der Onlinehandel war auch schon vor Pandemiebeginn für die Handelsbranche ein Thema. Jetzt gibt es viele Konsumenten, die sehr gerne in „Präsenz“ einkaufen gehen. Könnte dies eine positive Folge der Pandemie sein?
Jürgen Koch: Das wird die Zukunft zeigen. Einerseits ist der Umsatz im Onlinehandel aufgrund der Geschäftsschließungen durch die Decke gegangen, andererseits wird manchen Konsumenten durch die Einschränkungen bewusst, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und den Kontakt zu anderen braucht. Diesen Kontakt, die Fachberatung und das Verkaufserlebnis kann der Onlinehandel nicht bieten. Da sehe ich eine Chance für den stationären Handel.

RS: Sollte der Onlinehandel zukünftig stärker in Lehrplänen vorkommen?
Jürgen Koch: Der Onlinehandel kommt bereits im Lehrplan vor. Durch den Schwerpunkt „Digitaler Verkauf“ wird zum Beispiel dem „Multi-Channel-Selling“ ein großer Stellenwert eingeräumt.

RS: Vielen Dank für das Gespräch!

 
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