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Reutte | Chronik | 31. Jänner 2022 | Jürgen Gerrmann

Das Tüpfelchen aufs I

Das Tüpfelchen aufs I
In der Nähe der Mündung des Lechaschauer Mühlbachs in den Lech haben die Bagger an der Uferbefestigung schon mit der Arbeit begonnen. Im Zuge des letzten Life-Lech-Projekts werden die Altarme der beiden Flüsse im Auwald wieder zu neuem Leben erweckt. Sie sind auf dem Bild als weiße Schneisen zu erkennen. RS-Foto:Baubezirksamt Reutte
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Reutte  Jürgen Gerrmann
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Am Lechaschauer Mühlbach wird der Schlusspunkt unter 14 Life-Lech-Projekte gesetzt

Bestnoten erhielt das Life Lech-Projekt im vergangenen Herbst bei einem hochkarätigen internationalen Symposium im VZ Breitenwang. Und bei all den effektiven Maßnahmen, um die ökologischen Bedingungen für den „letzten Wildfluss der Nordalpen“ zu verbessern, wurde zudem so sparsam gewirtschaftet, dass sogar noch Geld für einen „Nachschlag“ übrig blieb. Die Vorarbeiten dafür haben bereits begonnen.
Von Jürgen Gerrmann.
Zwölf der in den vergangenen Jahren in Angriff genommenen Maßnahmen waren unter der Regie des Baubezirksamts Reutte verwirklicht worden, für eine war das benachbarte Wasserwirtschaftsamt Kempten zuständig, und bei einem hatte die Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol die Federführung. Auf 6,1 Millionen Euro war das Gesamtprojekt veranschlagt, 3,65 Millionen davon kamen aus der Kasse der EU. Nach der Abrechnung konnte man erfreut feststellen, dass noch 470.000 Euro verwendet werden können – und die fließen nun in die Maßnahme C14: „Lechaschau – Altarme und Uferrückbau“, wie es im Planerdeutsch heißt. Das Tüpfelchen aufs I wird hier gewissermaßen gesetzt. Und das hat wie die Einzelprojekte zuvor Wolfgang Klien, der frühere Leiter der Waasserwirtschaft beim Baubezirksamt, unter seinen Fittichen. Worum es dabei geht? Klien erklärt es: „Frühere Nebenarme von Mühlbach und Lech, die im Laufe der Zeit verlandet waren und seit Jahrzehnten ganz verschwunden sind, werden revitalisiert. Das Wasser soll wieder durch den Auwald rinnen können. Zudem gestalten wir die Mühlbach-Mündung um und verbreitern sie. Und entfernen auch die rund 40 Jahre alte Uferverbauung auf der Lechaschauer Seite.“

MEHR „BEWEGUNGSFREIHEIT“.
Letztere ist noch ein Zeugnis aus der Aera, in der man glaubte, die Flüsse partout „regulieren“ zu müssen, und ihnen dadurch die „Bewegungsfreiheit“ raubte. Die will man dem Lech nun wieder zurückgeben. Der Fluss kann sich dann auf der (in Fließrichtung gesehen) linken Seite wieder in den Auwald vorarbeiten: „Nach ein paar Jahren wird das dann so aussehen wie auf der rechten Seite auf Höhe des Pflacher Vogelturms“, prophezeit der erfahrene Wasserbau-Ingenieur. Das konkrete „Design“ übernimmt der Fluss dann selbst ohne menschliches Zutun: „Das dauert je nach Hochwasser länger oder kürzer. Aber auf jeden Fall mehrere Jahre. Das geht nicht Schlag auf Schlag.“

FISCHE PROFITIEREN.
Von C14 sollen nicht zuletzt auch die Fische profitieren: „Die wollen sich bei Hochwasser vor dem reißenden Fluss schützen und finden dann künftig viel besser Unterschlupf als heute“, erklärt Klien. Zudem schaffe man durch die demnächst beginnenden Arbeiten auch zusätzliche Laichplätze – was gut für die natürliche Bestandsentwicklung sei: Denn man muss nicht mehr so viele einsetzen. Die offenen Flächen, die der Lech in den kommenden Jahren und Jahrzehnten schaffe, kämen wiederum auch vielen geschützten Kiesbankbewohnern zugute, die sich auf einer größeren Fläche auszubreiten und zu entwickeln vermöchten: etwa Flussuferläufer und Flussregenpfeifer aus der Welt der Vögel oder die Deutsche Tamariske aus dem Reich der Pflanzen. Der Fluss kann künftig noch mehr seine Stärke als Landschaftsgestalter ausspielen. Auch das Vergehen birgt dabei das Entstehen und neues Leben in sich. Zum Beispiel? „Das wilde Wasser reißt Bäume um, das Holz bleibt im Lech liegen. Und wird da zum wertvollen Unterstand für Kriechtiere und Vögel – im Grunde für alles, was kreucht und fleucht. Und das ist überaus wichtig“, sagt Klien.

ERSTE RODUNGEN. Während der Adventszeit wurde übrigens mit den ersten Rodungen begonnen, sobald es die Witterung erlaubt, soll dann so richtig durchgestartet werden. Kliens Ziel: „Bis Juni sollten wir dann fertig sein.“ Mit den Bauarbeiten wohlgemerkt, denn dann gilt es noch, in einem Monitoring durch verschiedene Büros einen Vorher-Nachher-Vergleich zu ziehen und die Berichte an die EU zu schreiben. Das offizielle Ende des Projekts ist bisher für den 30. September vorgesehen. Dann wird auch Wolfgang Klien endgültig den Schlussstrich unter sein berufliches Lebenswerk ziehen, das am Lech im Rahmen des „Gewässerentwicklungskonzepts“ (um noch einmal die Sprache der Experten zu bemühen) rund 70 Einzelmaßnahmen umfasste. Mit Überzeugung und Begeisterung war er von den ersten Begehungen, bei denen deutlich wurde, welches Potenzial für den Artenschutz hier schlummert, dabei. Viel ist dabei erreicht worden, aber dennoch sagt er: „Man könnte noch mehr tun.“ Der Abschlussbericht von C14 wird daher für ihn auch den kompletten Abschied vom Beruf bedeuten, nachdem er seine Funktion als Amtsleiter schon zu Silvester 2020 auf- und an Florian Keller übergab, das letzte „Life Lech-Projekt“ aber noch als Konsulent betreut. Mit welchen Gefühlen geht er nun durch die nächsten Wochen? „Für mich war das eine schöne Arbeit. Aber es ist auch schön, wenn man dann tun und lassen kann, was man will. Ich freue mich drauf, den Lech dann einfach als Pensionär genießen zu können.“
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