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Reutte | Chronik | 24. Mai 2021 | Johannes Pirchner

Energiebedarf im Außerfern wird bis 2050 verdoppelt

Energiebedarf im Außerfern wird bis 2050 verdoppelt
Dr. Christoph Hilz führt die Schwerpunkte der Energiestrategie für den Bezirk aus. RS-Foto: Pirchner
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Schwerpunkte der Energiestrategie vorgestellt

Bei der Reuttener Gemeinderatssitzung am 20. Mai 2021 präsentierte EWR-Vorstand Dr. Christoph Hilz sehr eindrucksvoll und detailliert die Schwerpunkte der Energiestrategie für den Bezirk Reutte. Die Wasserkraft, die Windenergie und die Photovoltaik (Sonnenenergie) werden dabei eine zentrale Rolle spielen.
Von Johannes Pirchner.
Derzeit liegt der Außerferner Energieverbrauch bei 1224 GWh (Gigawatt pro Stunde) und der Stromverbrauch bei 352 GWh/a. Bei den Energieträgern überwiegt derzeit mit deutlichem Abstand das Öl mit 38 % und die elektrische Energie mit 29 %. Dazu kommt, dass 77 Prozent des energetischen Endverbrauchs für unseren Bezirk importiert werden müssen. Die im Außerfern regional produzierte Energie kommt hierbei im überwiegenden Teil aus der Wasserkraft (69 %) und aus Biomasse (19,8 %). Bei der Stromaufbringung kann sich unser Bezirk zu fast 57 Prozent selbst versorgen. Hierbei macht wiederum die Stromgewinnung aus Wasserkraft den Löwenanteil aus.
Die Klimaziele. Die Ziele der Europäischen Union, der Bundesregierung und des Landes sind durchaus ambitioniert, aber schaffbar. Bis ins Jahr 2050 soll das Land Tirol und damit das Außerfern klimaneutral/energieautonom sein. Damit einhergehend soll die Endenergieeinsparung bei über 40 Prozent liegen. Fossile Brennstoffe sollen hierbei weitgehend Geschichte sein. Dafür sollen die Wasserkraft und die Photovoltaik stark ausgebaut werden. Ebenso wichtig hierfür wird der moderate Ausbau der Windenergie werden. Für die Gebäudeheizungen soll hierbei stark auf die Umweltwärme, sprich die Wärmepumpe, verwiesen werden. Auch soll in naher Zukunft aus den Gasleitungen grünes Gas, wie Wasserstoff oder Methan, kommen.

Folgen für das Außerfern.
Durch diese Klimaziele werden die fossilen Brennstoffe, wie das Erdöl und die Biomasse, weitgehend Geschichte sein. Für das „Heizen“ von Gebäuden wird die dominierende Heiztechnologie die Wärmepumpe sein. Durch die neuen Heizsysteme, die E-Mobilität und Wasserstoff/Methan wird sich der Energieverbrauch von derzeit 352 GWh auf 670 GWh für unseren Bezirk beinahe verdoppeln.

Möglichkeiten im Bezirk.
Aber, kann sich das Außerfern weitgehend unabhängig mit Energie versorgen? Woher sollen die 300 GWH kommen? Vor allem mit einem starken Ausbau der Wasserkraft am Lech wäre dies möglich, hierbei wäre mit einem zusätzlichen Energiepotenzial von 146 GWh zu rechnen. Auch bei der Solarenergie wäre ein Gewinn von 180 GWh drin. Letztlich wären mit einem maximal möglichen Ausbau der Windenergie 40 GWh möglich. Somit könnte das Außerfern theoretisch einen Eigenversorgungsanteil von bis zu 85 Prozent erreichen und damit Licht, Kraft, Wärme sowie die fortschreitende Elektromobilität weitgehend abdecken. Jedoch stellt EWR-Vorstand Hilz klar, um dieses Ziel erreichen zu können, müsste beispielsweise auf fast jedem Dach eine Photovoltaikanlage stehen, der Kraftwerkbau am Lech massiv erweitert werden. Dieses Ziel steht jedoch in der Konkurrenz zu Naturschutz, Tourismus und Landwirtschaft. Faktisch ist jedoch der Ausbau von Wasser-, Windkraft und Photovoltaik regionalpolitisch bedeutend und ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Energieverbrauch und Energieaufbringung zielführend für die gesamte Region. Wie aber kann dies gewährleistet werden?

Das Erreichen der Ziele.
Um die oben genannten Ziele annä-hernd zu erreichen, müssen zum einen die bestehenden Wasserkraftkapazitäten (160 GWh) im Bezirk gestärkt werden. Hier werden die Kraftwerke in der Archbachkette eine immense Bedeutung spielen und hier sind verschiedene Projekte angedacht. Ein weiterer Punkt ist der Ausbau der regionalen Photovoltaik bis ins Jahr 2050 auf 180 GWh. Auch die Prüfung von möglichen neuen großen Windkraftwerken im Bezirk – und, ob ein Windpotenzial im Bezirk von bis zu 40 GWh überhaupt möglich ist. Hierbei sind mögliche Standorte am Hahnenkamm in Höfen, beim Mäuerle in Reutte, im Grubig in Lermoos, am Marienberg in Biberwier und in Ehrwald am Issentalkopf angedacht.

Bessere Versorgungssicherheit durch zweite Trasse.
Grund zur Besorgnis sei auch die Versorgungssicherheit des Außerferns. Derzeit gibt es im Außerfern nur eine Energietrasse ins Inntal. Für die Engergieunabhängigkeit des Außerferns und, um einem möglichen Ausfallen dieser Leitung vorzubeugen, benötigt es unbedingt eine zweite Trasse – etwa nach Vorarlberg oder eine zweite ins Inntal.
Ausbau bei wärmemarkt und Ladeinfrastruktur. Im Außerfern wird es, um die Ziele zu erreichen, eine geförderte Vermarktung und Ausbau von Wärmepumpen um etwa 111 GWh benötigen. Auch auf den Ausbau der E-Mobilität wird ganz stark geachtet. Hierbei soll bei Gewerbetreibenden, Dienstleistern und privaten Haushalten in Ladestationen investiert werden. Hier sind allen voran Wohnbaugesellschaften miteinzubeziehen.

Kein Erdgas mehr, sondern Grüngas.
Auch das grüne Gas – wie Wasserstoff – soll zukünftig aus den Leitungen kommen. Hierbei soll auf Kooperation mit Plansee SE und weiteren Partnern gesetzt werden, um damit eine gute Wasserstoffproduktion zu garantieren.

Die Chancen für den Bezirk.
EWR-Vorstand Dr. Hilz fasste abschließend zusammen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien einen wertvollen Beitrag zu den Tiroler Klimazielen von Land und Bund leis-tet. Für unsere Region ist der Ausbau von Wasserkraft, Wind und Photovoltaik wichtig und bietet nachhaltige regionale Versorgungssicherheit. Dies führt zur Steigerung der lokalen Wertschöpfung sowie zum Ausbau und Sicherung von lokalen Arbeitsplätzen.
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