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Reutte | Chronik | 2. August 2021 | Jenni Zeller

Gut ein Drittel der Tannheimer gegen neues Gasthaus am Vilsalpsee

Gut ein Drittel der Tannheimer gegen neues Gasthaus am Vilsalpsee
Eine Visualisierung des heiß diskutierten Projekts zum neuen Gasthaus am Vilsalpsee mit den Bestandsumrissen in Gelb. Das Bauprojekt setzt auf Naturmaterialien und einen modernen Ansatz im Kontrast zum traditionellen Tiroler Stil.
Foto: Mario Gasser Architecture
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Volksbefragungsergebnis hält Tannheim weiter auf Trab

Am Sonntag fand in Tannheim die Volksbefragung zum geplanten neuen Gasthaus am Vilsalpsee statt. Bei einer starken Wahlbeteiligung sprachen sich knapp 60 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen das Projekt aus. Man ist nach wie vor gespaltener Meinung, nun ist der Tannheimer Gemeinderat am Zug.
Von Jenni Zeller.
DER STATUS QUO IN ALLER KÜRZE.
Aus einem Architektenwettbewerb mit 33 Einreichungen ging das Projekt des Innsbrucker Architekten Mario Gasser siegreich hervor: moderner Holzbau, Kubatur von 3890 m3, Gastraum für 120 Personen, Baukosten rd. 3,7 Millionen Euro. Nach der öffentlichen Projektvorstellung im Frühjahr machte sich dann Unmut breit: das geplante Gasthaus passe nicht an den Vilsalpsee, die Kosten seien gerade zu Coronazeiten bedenklich, die Vorgehensweise der Gemeinde habe die Bevölkerung selbst außen vor gelassen. Nach einer Unterschriftensammlung wurde schließlich eine Volksbefragung organisiert, die am 1. August stattfand. Im Vorfeld mobilisierten beide Seiten intensiv – mit Hausbesuchen, Newslettern und mehr. Die Gemeinde habe nach bes-tem Wissen und Gewissen gehandelt, alle Informationen seien öffentlich zugänglich und der Prozess gut durchdacht gewesen. Bürgermeister Markus Eberle bedauerte, dass sich viele nicht ausreichend informiert und dann Kritik geübt hatten. Er zeigte sich gespannt im Hinblick auf die Befragung.

DAS VOLKSBEFRAGUNGSERGEBNIS IM DETAIL
Am letzten Sonntag gingen die Tannheimer zu den Urnen. Die Volksbefragung wurde wie eine Wahl gehandhabt; inklusive vorheriger Kundmachungen und Ernennung einer Wahlbehörde. Wahlleiter war Vizebürgermeister Harald Kleiner, dessen Stellvertreter Andreas Reinstadler. BM Eberle selbst hielt sich als Ersatzmitglied eher im Hintergrund. Aus demokratischer Sicht war die Wahlbeteiligung erfreulich, denn rund 52% (483 Wähler) der 926 wahlberechtigten Tannheimer gaben ihre Stimme ab. Die Fragestellung lautete: „Soll das geplante Gasthaus am Vilsalpsee für Baukosten von 3.750.000 Euro zzgl. Folgekosten gemäß dem prämierten Entwurf aus dem Architektenwettbewerb errichtet werden?“ 282 Tannheimer fanden nicht, 200 schon. Dabei war eine Stimme ungültig, 443 Stimmberechtigte nahmen nicht an der Befragung teil. Summa summarum stimmte eine Mehrheit von 58,5% gegen das Projekt von Mario Gasser.

DEMOKRATIE UND GEDANKEN – WIE ES WEITERGEHT.
Das Ergebnis der Volksbefragung ist rechtlich nicht bindend. Es herrscht nach wie vor Uneinigkeit in Tannheim, jedoch seien das Interesse der Bevölkerung und die hohe Wahlbeteiligung prinzipiell erfreulich. Thomas Gropp, Sprecher der Projekt-Gegner, hofft darauf, die Gemeinde würde das Ergebnis und damit die Stimmen eines knappen Drittels der Bevölkerung zur Kenntnis nehmen, und das Projekt – trotz der bereits entstandenen Vorkosten und ausgezahlten Förderungen – zumindest bis nach den Gemeinderatswahlen 2022 pausieren. Es sei schließlich Sache der neuen Gemeindespitze, ein so großes Zukunftsprojekt zu übernehmen. Die aktuelle Gemeindespitze wird nun beraten. BM Eberle zeigt sich über das Befragungsergebnis enttäuscht, erkennt es jedoch als Statement der Demokratie an. Die Debatten zum Projekt tangierten mitunter auch die persönliche Ebene; für ihn persönlich sei „der Käse nun zwar gegessen“, das Projekt aber noch nicht vom Tisch. „Das ist jetzt Sache des Gemeinderates“, meinte Eberle am Sonntag. Der Gemeinderat steht übrigens hinter dem Projekt. Es bleibt also spannend, wie es mit dem Gasthaus am Vilsalpsee weitergehen wird.

 
Gut ein Drittel der Tannheimer gegen neues Gasthaus am Vilsalpsee
Das aktuelle Gasthaus am Vilsalpsee ist ein traditionelles Tiroler Haus. Da Sanierungen nicht mehr sinnvoll sind, soll der Bestand abgerissen und ein neues Gasthaus gebaut werden.
Interview mit Architekt Mario Gasser (27. Juli 2021).

RUNDSCHAU: Mario, was sind deine Gedanken zu den Debatten in Tannheim und wie geht es dir mit der Situation?
Gasser: Es ist schon auch stressig für mich. Als Architekt halte ich mich aber eher zurück, denn das, was gerade in Tannheim passiert, ist eine politische Angelegenheit. Objektiv betrachtet finde ich jedoch, dass die Gemeinde als gewählte Vertretung der Bevölkerung mit dem Architekturwettbewerb und in ihren Vorbereitungen sehr engagiert und professionell gehandelt hat. Bei der vorgebrachten Kritik werden viele Fragestellungen – Geld, Geschmacksfragen, Politik – vermischt und leider weniger konstruktive Alternativen diskutiert.

RS: Findest du die Vorwürfe gegenüber deinem Gasthaus-Entwurf gerechtfertigt?
Gasser: Ich habe bei der Projektvorstellung – einer öffentlichen Gemeinderatssitzung und mit Dokumenten – versucht, meine Herangehensweise zu erklären. Es ist schon wichtig, sich mit dem Projekt zu befassen, nachzufragen und sich zu informieren. Mein Ziel war kein traditionelles Haus, kein Objekt – ich wollte etwas, das der Landschaft Rechnung trägt und sich einfügt. Deshalb auch die Dachschrägen, das begrünte Dach, das Panoramafenster und die Fassade aus Naturmaterialien.

RS: Wie sieht es momentan mit dem Projekt aus?
Gasser: Wir befinden uns mitten in der Planung. Weitere Verzögerungen wären wirklich schwierig, zumal das Vorhaben laut Plan 2022 umgesetzt werden soll. Es geht auch um gewisse Förderungen, die nur dieses Jahr wegen Corona ausgeschrieben sind. Das Gasthausprojekt qualifiziert sich außerdem für Förderungen für ökologische Baustoffe; gerade Pro Holz würde uns sehr unterstützen und sich über dieses Leuchtturmprojekt freuen. Ich hoffe jedenfalls wirklich, dass wir weitermachen dürfen.
Gut ein Drittel der Tannheimer gegen neues Gasthaus am Vilsalpsee
April 2021: BM Markus Eberle und Architekt Mario Gasser (v.l.) präsentierten das Modell und Details zum Projekt am Vilsalpsee. Fotos: Zeller
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