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Medienfrische – Top oder Flop?

Die RUNDSCHAU im Gespräch mit Petra Krabacher, Bürgermeisterin der Gemeinde Pfafflar

Nachdem bereits letzte Woche Daniel Dlouhy, der Festivalleiter der Medienfrische, seine Erfahrungen in einem resümierenden Gespräch mit der RUNDSCHAU berichtete, erklärte sich nun auch Petra Krabacher, die Bürgermeisterin der Gemeinde Pfafflar, dazu bereit, das Kunstfestival Medienfrische aus dem Blickwinkel der Gemeinde zu betrachten.
11. Juli 2022 | von Von Marlen Perl
Medienfrische – Top oder Flop?
Petra Krabacher, Bürgermeisterin der Gemeinde Pfafflar, im Gespräch mit der RUNDSCHAU über das fünfwöchige Kunstfestival im Bschlabertal. RS-Foto: Perl
Von Marlen Perl

RUNDSCHAU: Welches Resümee ziehst du als Bürgermeisterin im Hinblick auf die letzten Wochen, in denen die Medienfrische vor Ort stattfand?

Petra Krabacher: So viel habe ich eigentlich gar nicht mitbekommen, da die KünstlerInnen für mich nicht wirklich präsent waren. Ich denke, das Festival hat sich generell mehr in Boden als in Bschlabs abgespielt. Doch wenn etwa ein Kinoabend stattfand, bot sich die Gelegenheit, mit anderen DofbewohnerInnen und KünstlerInnen zusammenzukommen oder beim Gang durch den Ort sah man einzelne Skulpturen oder Kunstwerke. Wenn es Fragen gab, bin ich hin und wieder von Daniel Dlouhy, der Festivalleitung, kontaktiert worden.

RUNDSCHAU: Daniel Dlouhy beschreibt die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Pfafflar als „durchwachsen“ und deine Einstellung gegenüber der Veranstaltung als „skeptisch“. Was meinst du dazu? Wie würdest du die Zusammenarbeit mit dem Team der Medienfrische beschreiben?
Petra Krabacher: Für mich war das eine ungünstige Situation. Die Vorgespräche wurden mit Bernd [Anm. Altbürgermeister Bernd Huber] geführt, anscheinend hatte Daniel Dlouhy mit ihm auch das Konzept ausgearbeitet und verschiedene Dinge vereinbart. Ich musste diese dann, als neue Bürgermeisterin, so übernehmen, habe aber das Konzept bis heute nie gesehen. Am Anfang sind sehr viele Gerüchte entstanden, weil eigentlich niemand wusste, was passiert bzw. was auf uns zukommt. Aus diesem Grund habe ich mit Daniel das Gespräch gesucht und mich bei ihm persönlich erkundigt, was geplant ist und ob diese Gerüchte stimmen – beispielsweise, dass 1.500 Leute vor Ort sein werden. Er konnte mich aber schnell beruhigen und schließlich war es dann auch so, wie er mir zugesichert hat. Er hat sich um eine angenehme Zusammenarbeit bemüht und die Veranstaltung hat mir dann schlussendlich gut gefallen.

RUNDSCHAU: Laut eigenen Angaben beginnt Daniel Dlouhy demnächst mit der Planung des zweiten Kunstfestivals für das Jahr 2023 im Bschlabertal. Hat es hier von Seiten der Gemeinde schon erste Gespräche gegeben?
Petra Krabacher: Wir haben das in der letzten Sitzung besprochen und der Gemeinderat war einstimmig dafür, dass die Medienfrische nächstes Jahr wieder stattfindet. Bislang gibt es also eine mündliche Zusage und den aktuellen Gemeinderatsbeschluss. Daniel meinte allerdings, dass mehr Budget erforderlich sein wird. Dafür sollte sich die Gemeinde bei der Regionalentwicklung bezüglich einer Förderung erkundigen. Für die abgelaufene Medienfrische muss das Team bzw. ein Teil davon allerdings nochmal anreisen, um die Veranstaltung ordnungsgemäß abzuschließen und Diverses aufzuräumen, was von Seiten der Veranstalter auch zugesichert wurde. Das ist auch eine Voraussetzung für künftige Vereinbarungen. Für die Medienfrische 2023 möchten wir auf jeden Fall eine schriftliche Vereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Veranstalter, in der alles – Kosten, Haftung, Versicherung, etc. – geregelt wird, was heuer eben nicht der Fall war.

RUNDSCHAU: Welche Rückmeldung zur Medienfrische hast du als Bürgermeisterin von den Einheimischen erhalten?
Petra Krabacher: Ehrlich gesagt habe ich noch nicht mit vielen Einheimischen darüber geredet. Die Gespräche mit Interessierten während der Medienfrische bei diversen Veranstaltungen waren durchaus positiv. Generell würde ich sagen, dass die gezeigten Filme von den Leuten sehr gut angenommen wurden, leider habe ich es nie in’s Kino geschafft – ich bin ein schlechter Gast. Auch einige Konzerte waren wohl gut besucht. Bei uns ist ja sonst recht wenig los und durch diese Veranstaltung kam ein wenig Leben in‘s Tal, das war sehr positiv. Dadurch kamen auch die Einheimischen mehr zusammen, was sonst eher selten der Fall ist.

RUNDSCHAU: Würdest du sagen, dass die Region – insbesondere die Gemeinde Pfafflar – von der Medienfrische profitiert hat? Inwiefern? Auch finanziell?
Petra Krabacher: Finanziell hat die Gemeinde Pfafflar sicherlich nicht davon profitiert, lediglich die Vereine [Anm. Landjugend und Sportverein Pfafflar], die den Bardienst bei manchen Veranstaltungen übernahmen. Allerding der Getränkewagen und das Kino, was beides von der Medienfrische gebaut bzw. ausgebaut wurde, können künftig von den einheimischen Vereinen bzw. der Gemeinde genutzt werden.

RUNDSCHAU: Von Seiten einiger GemeindebürgerInnen hört man, dass das Festival weniger für die Allgemeinheit als für einzelne GemeindebürgerInnen ein Profit war. Wie siehst du das als Bürgermeisterin?
Petra Krabacher: Dazu kann ich eigentlich nichts sagen, darüber weiß ich zu wenig. Das habe ich zwar auch schon gehört, aber inwieweit das stimmt, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, was genau in Boden passiert ist. Das haben dort meines Wissens vorwiegend Christoph und Ramona [Anm. vom Bergbauernhof Pabulariu] gemacht bzw. übernommen. Die Beherbergungsbetriebe im Tal haben sicherlich von den Nächtigungen profitiert, wobei hier auch wieder einige meinten, dass sie die Zimmer zu günstig vermietet hätten und dies im nächsten Jahr so nicht mehr möglich sei, was laut dem Veranstalter auch ein Grund sei, weshalb das Budget aufgestockt werden muss. Die Gasthäuser in Bschlabs und Boden waren für die Verpflegung zuständig, wie dies bewertet wurde, weiß ich nicht. Mir fällt aber keine Person ein, wo ich sagen würde, der- oder diejenige hat sehr davon profitiert.

RUNDSCHAU: Auch kursiert das Gerücht, dass die Medienfrische nur deswegen im Bschlabertal veranstaltet wurde, weil hier weder Mieten noch Abgaben von der Gemeinde gefordert werden. Wurden die Räumlichkeiten wirklich kostenlos zur Verfügung gestellt?
Petra Krabacher: Ja, da es keine Vereinbarung gab und wie bereits erwähnt, im Vorfeld bereits alles entschieden wurde. In Zukunft ist dies so auch nicht mehr möglich. Die Kosten, wie Wasser, Strom, Müll, etc., müssen gedeckt sein, was heuer nicht der Fall war. Daniel Dlouhy ist zwar sicher der Meinung, dass wir von dem Festival profitierten – beispielsweise durch den gebauten Barwagen oder das Kino – die Gemeindekosten wurden dadurch aber nicht gedeckt. Generell kann ich sagen, dass es eine schöne Veranstaltung mit positiven Leuten war. Das Festival passt auch eigentlich gut zu uns ins Tal, da die einzelnen Events überschaubar sind und nicht in eine Massenveranstaltung ausarten. Damit es auch nächstes Jahr wieder funktioniert, ist eine Vereinbarung über bestimmte Rahmenbedingungen notwendig.

RUNDSCHAU: Wie wird dies künftig bei Veranstaltungen von Einheimischen in diesen Räumlichkeiten, eben beispielsweise dem Kino, gehandhabt? Wird hierfür künftig Miete verlangt?
Petra Krabacher: Das ist eine gute Frage. Darüber haben wir uns bislang noch keine Gedanken gemacht. Wir werden eventuell künftig Miete berechnen; bisher konnten wir von der Medienfrische allerdings nichts verlangen, da das Kino ja von ihrem Team ausgebaut wurde, aber auch das gehört künftig geregelt. 

RUNDSCHAU: Laut dem Interview mit dem Festivalleiter der Medienfrische im Bschlabertal wäre diese Veranstaltung eine Chance, um die Gemeinde Pfafflar als „Kunstort“ zu vermarkten, teilst du diese Meinung?
Petra Krabacher: Als Kunstort? Darunter kann ich mir ehrlich gesagt nicht wirklich etwas vorstellen. Sicher ist so etwas wie die Medienfrische und generell ein Ort für Kunst etwas Anderes bzw. etwas Neues. Das es bisher im Lechtal in dieser Form nicht gibt. Werbung für unseren Ort wäre natürlich auch nicht schlecht, aber ich weiß nicht, wie Kunst bei den Leuten ankommt – entweder man interessiert dafür oder eben nicht. Generell kann ich sagen, dass es eine schöne Veranstaltung mit positiven Leuten war. Das Festival passt auch eigentlich gut zu uns ins Tal, da die einzelnen Events überschaubar sind und nicht in eine Massenveranstaltung ausarten. Damit es auch nächstes Jahr wieder funktioniert, ist eine Vereinbarung über bestimmte Rahmenbedingungen notwendig.

RUNDSCHAU: Vielen Dank für das Gespräch.


 

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