Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Reutte | Chronik | 25. August 2020 | von Jürgen Gerrmann

„Nicht nur für Touristen“

„Nicht nur für Touristen“
Mit dem Kraftplatz von Boden ist das letzte Projekt dieser Art im Zusammenhang mit den „Auszeitdörfern“ im Lechtal abgeschlossen. Diese Orte, an denen man zur Ruhe kommen kann, sind nicht nur ein touristisches Projekt – sie sollen auch den Einheimischen zugute kommen. RS-Fotos: Gerrmann
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In Boden wurde nun der letzte von fünf Kraftplätzen im Lechtal fertiggestellt

Zur Ruhe kommen, zu sich selbst finden, durchatmen, den Blick schweifen lassen, neue Kraft spüren – immer mehr Menschen sehnen sich in der Hektik des Alltags danach. In den „Auszeitdörfern“ in den Seitentälern des Lech gibt es ein Angebot für sie. Mit dem neuen Kraftplatz oberhalb von Boden ist es komplett.
von Jürgen Gerrmann

In Gramais, Hinterhornbach, Bschlabs und Kaisers konnten sich Einheimische und Gäste schon länger an diesen außergewöhnlichen Orten erfreuen, nun wurde das Projekt baulich zum Abschluss gebracht und kann nun an sämtlichen Schauplätzen mit Leben erfüllt werden.
Das faszinierende Konzept, das nicht zuletzt durch seine architektonische Zurückhaltung besticht, geht dabei auf die 2012 gegründete Künstlergruppe „Alles ist gestaltbar“ zurück. Ihr gehören neben der Lechtaler Bildhauerlegende Ernst „Schnully“ Schnöller aus Untergiblen noch Mathias Gritsch sowie Hella und Michael Bachnetzer (alle aus Silz) an. Sie gewannen die Ausschreibung, die es nach den ersten Überlegungen in den Auszeitdörfern (vor etwa zwei Jahren) seitens des Tourismusverbands (TVB) Lechtal gegeben hatte. „Wir haben versucht, auf die Wünsche der Gemeinden einzugehen und zugleich aber ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, bei dem auch  ein durchgängiger roter Faden erkennbar ist“, erläutert Michael Bachnetzer im Gespräch mit der RUNDSCHAU.

GESTALTUNG DURCH NICHTGESTALTUNG. Der Ansatz ist dabei überaus bemerkenswert: Man setzt auf zwei wesentliche Bausteine: Kantholz und Lechsteine. Die Idee dahinter: „Der Betrachter soll die Elemente verstehen, aber gleichzeitig möglichst wenig abgelenkt werden. Die Gestaltung liegt gewissermaßen in der Nicht-Gestaltung.“ So könne die umgebende Natur (und die von ihr ausgehende Kraft) viel intensiver auf die Menschen vor Ort einwirken. Die einzelnen Standorte hätten der Tourismusverband und die Gemeinden ausgewählt. Das eine oder andere Mal habe man auch einen Wechsel vorgenommen – zum Beispiel, wenn Grundeigentümer nicht einverstanden gewesen seien. Aber auch die Planer hätten ihre Ideen noch einbringen können. Ein entscheidendes Kriterium dabei sei eine schöne Aussicht gewesen. Aber zugleich habe der Platz auch nahe am Dorf liegen sollen. Bachnetzer: „Wir haben dabei auch an die Jugend gedacht – und das – glaub ich – auch ganz gut geschafft.“ Eins habe bei der Konzeption ebenfalls eine ganz große Rolle gespielt: „Die Kraftplätze sind nicht nur für die Touristen da. Sondern auch für die Einheimischen. Das war uns das Wichtigste.“
Das Mobiliar wechsle dabei von Kraftplatz zu Kraftplatz, durchgängiges Element sei aber eine Sitzgruppe mit zwei Bänken und einem Tisch: „Das ging nur in Boden nicht. Aus topografischen Gründen. Und das haben wir akzeptiert, weil wir die Bagger so wenig wie irgend möglich einsetzen wollten.“ Was macht denn eigentlich für den Planer einen Kraftplatz aus? „Dass man gerne hingeht und der Platz eine Ausstrahlung hat.“ Strahlenmessungen oder esoterische Theorien hätten für „Alles ist gestaltbar“ keine Rolle gespielt. Aber das ganze Projekt habe allen sehr viel Spaß gemacht. Auch weil man während der gesamten Bauzeit in den Dörfern gelebt und dadurch Einblicke in diese kleinstrukturierten Gemeinschaften erhalten habe: „Es war schön, die Aufgabenverteilung dort hautnah mitzuerleben.“

 
„Nicht nur für Touristen“
Ernst „Schnully“ Schnöller aus Untergiblen (hier in seiner Werkstatt) gehört zur Künstlergruppe „Alles ist gestaltbar“, die fünf wunderschöne Kraftplätze in den Seitentälern des Lech geschaffen hat.
SCHLUPFLÖCHER FÜR DIE SEELE. Die Wurzel der Kraftplätze liegt übrigens im von der EU geförderten Projekt „Lebensspur Lech“. Eine der fünf Säulen der Kneippschen Lehre, die dort mit Leben erfüllt werden soll, ist ja die innere Balance: „Und uns war bewusst, dass die Auszeitdörfer in den Seitentälern des Lech sich ideal dafür eignen, zur Ruhe zu kommen, neue Kraft zu schöpfen, gewissermaßen Schlupflöcher für die Seele zu bieten.“ Da gebe es auch wahrlich genügend mystische oder spirituelle Orte: „Aber wir wollten das bewusst auf einen pro Gemeinde reduzieren“, sagt Anja Ginther, die beim TVB das Projekt betreut. Aus ihrer Sicht ist der Wunsch der Planer übrigens in Erfüllung gegangen: „Von Außerfernern und Gästen werden die Plätze sehr gut angenommen.“ Nächstes Jahr werden sie übrigens noch weiter aufgewertet: Yoga-Angebote soll es dort ebenso geben wie geführte Meditationen, Kräuterwanderungen sollen dort enden. Und da die Kraftplätze in Hinterhornbach und Kaisers unmittelbar am Wasser liegen, will man dort die Kraft der Kneippschen Anwendungen direkt draußen in der freien Natur vermitteln.
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