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Reutte | Chronik | 17. September 2019 | Bogdan Dujic

Nichts Besseres als klare Verhältnisse

Nichts Besseres als klare Verhältnisse
Zur Entspannung ein Griff zur Gitarre: Fritz Gurgiser, der „Gründervater“ des Transitforums Austria-Tirol (hier bei der Anti-Motorradlärm-Aktion im Juni bei Elmen). RS-Foto: Gerrmann
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Transitforum Austria-Tirol geht voll Tatendrang ins zweite Vierteljahrhundert


25 Jahre Kampf gegen eine (immer größer werdende) Verkehrs-lawine – das ist eigentlich kein Grund zum Feiern. Das Transitfo-rum Austria-Tirol tat es am Samstag dennoch. Und viele Außerferner waren im Mehrzweckgebäude in Vomp (der Heimatgemeinde von „spiritus rector“ Fritz Gurgiser) mit von der Partie. Denn ein Vierteljahrhundert durchzuhalten, das ist ja schließlich was.

Jürgen Gerrmann

Dazu zählte auch einer der „dienstältesten“ Mitkämpfer Gurgisers: der Bichlbacher Altbürgermeister Albert Linser. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU erinnert er sich daran, dass das Transitforum seit einem Vierteljahrhundert ein eingetragener Verein sei – der Kampf gegen die Transitlawine aber schon länger andauere. Schon 1982 habe er als junger Bürgermeister bei einer Konferenz in Lermoos seine Kollegen aufgefordert, zu schauen, dass hier endlich etwas getan werde. Einem entsprechenden Aufruf Gurgisers sei er sofort gefolgt.
1990 habe er mit Mitstreitern in der Nähe seines heutigen Tierparks zum ersten Mal die B179 gesperrt. Damals habe man Felix Mitterers Stück „Weizen auf der Autobahn“ auszugsweise auf der Bundesstraße gespielt: „Damals war ich noch so blauäugig zu denken, dass man was bewirken kann, wenn man der Politik den Rücken stärkt.“ Freilich: Nachdem er diesen Satz gesagt hat, kommt Linser selbst ins Lachen. Damals habe man am Verkehrs-brennpunkt Bichlbach im Schnitt 8000 Fahrzeuge pro Tag gezählt, heute seien es 17 500 (am Fernpass übrigens „nur“ 15 000), an Spitzentagen sogar 25 000.
XSUNDS LEBEN AN B179.

Er wolle niemand die Schuld zuweisen, habe immer vom Verkehr gelebt und verursache heute auch noch Verkehr: „Aber wir müssen mit und neben dem Verkehr auch noch leben können!“ Da sei er froh, dass es nun innerhalb des Transitforums (ähnlich wie im Lechtal) auch die Gruppe „Xsunds Leben an der B179“ gebe: „Für meine Kinder und Enkel ist es wichtig, dass unsere Heimat nicht überfahren wird.“
Ist er nun frustriert, dass der jahrzehntelange Kampf gegen die Verkehrslawine vermeintlich so wenig gebracht hat? „Nein, auf keinen Fall! Ich kann nur Hochachtung für den Fritz Gurgiser und seine engsten Mitstreiter empfinden, die sich so in die Materie hineingekniet und ein enormes Fachwissen für unser Land Tirol zusammen getragen haben: Davor kann ich nur den Hut ziehen!“
Lob wie dieses hat Fritz Gurgiser, wie er der RUNDSCHAU gegenüber offen bekennt, am Samstag schon „emotional tief berührt“. Nach dem Ja der Österreicher zur EU 1994 sei ihm bewusst geworden, „dass man mit kleinen lokalen Bürgerinitiativen auf europäischer Ebene nichts mehr erreichen kann“. Der Zusammenschluss habe sich bewährt: „Mittlerweile sind wir eine gewachsene Familie, mitten aus dem Leben heraus.“
POSITIVE BILANZ.

Sicher: Viele hätten deswegen und dafür auch Nachteile erleiden müssen. Aber: „Trotzdem hat sich's gelohnt. Ohne diese Bewegung hätten wir jetzt eine achtspurige Autobahn durch Tirol.“ Und vergebens sei der Einsatz ja keineswegs gewesen: „Fahrverbote, Tonnagebeschränkungen, Dosiersystem – wir haben eine breite Palette durchgesetzt.“ Und man werde weiter gegen jede Einschränkung dieser Vorschriften zu Felde ziehen.
Was Gurgiser selbst als große Stärke seiner Organisation sieht? „Wir vergessen nichts. Wir haben ein intaktes Kurz- und Langzeitgedächtnis. Und das fehlt in der Politik.“
GURGISER UND DAS AUSSERFERN.

Mit dem Außerfern ist der Anti-Transit-Streiter schon von Anbeginn aufs Engste verbunden: „Wir haben schon die Autobahn Ulm-Mailand mit verhindert und 2005 auch den Tschirgant-Tunnel abgewendet. Und uns für all die verkehrslenkenden Maßnahmen eingesetzt, die nun langsam auf die Schiene kommen.“ Wobei man im Grunde stets um Dinge habe kämpfen müssen, die eigentlich selbstverständlich seien: „Aber wir haben nie für was gestritten, das wir selbst erfunden haben, sondern nur für das, was uns die Leute selbst zugetragen haben.“ Und immer habe er sich da von einer Linie leiten lassen: „Es gibt nichts Besseres als – klare Verhältnisse.“
Freilich: Es gibt nicht nur Zeitgenossen, die für Gurgiser jubelnd Spalier stehen. Kritiker werfen ihm seine robuste Art vor, die Kompromissen abträglich sei und „echte Lösungen“ eher verhindere. Er selbst kann darüber mehr als nur schmunzeln: „Wenn ich so wäre, wie die mich gerne hätten, wäre das Transitforum schon lange auseinandergeflogen.“ Seine Gegner übersehen aber eins: „Die Gesundheit verträgt keine Kompromisse.“
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