Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Reutte | Chronik | 13. September 2021 | Regina Hohengasser

Pure Lebensfreude und ein paar rote Gummistiefel

Marianne Hengl (2. Reihe 2.v.r.) erzählte am Füssener Jöchle in Grän im Beisein von Sonnbergbergbahnen-GF Michael Schretter (hinten 2.v.r.) die Geschichte von Marianne und den roten Zauberstiefeln. Foto: RollOn Austria
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„Marianne und die roten Zauberstiefel“ – eine außergewöhnliche Geschichte

Das Füssener Jöchle war eingetaucht in herrliches Spätsommerwetter und lieferte am Donnerstag die Kulisse für Marianne Hengls Kinderbuch Präsentation. Dazu fand sich die Obfrau des Vereins RollOn Austria – WIR SIND BEHINDERT – auf der Bergstation der Sonnenbergbahnen in Grän ein. Ihr Team begleitete sie dabei und stand ihr tatkräftig zur Seite. Die hohen Berggipfel ringsherum könnten auch als Metapher verstanden werden, wie Marianne von klein auf ihr Leben mit Behinderung bewältigte.
Von Regina Hohengasser.
Bewegte Lebensgeschichte.
Gleich zu Beginn ihrer Präsentation wandte sie sich an die anwesenden Kinder mit Fragen wie: Wann ist das Leben schön? Muss ein Mensch perfekt sein, um ein gutes Leben zu führen? Muss ein Mensch einen intakten Körper haben. um glücklich zu werden? Im Dialog mit den Kindern gab es spannende Fragen und Antworten zum Thema Behinderung in unserer Welt. Dass sie behindert auf die Welt kam, tat ihrer sprühenden Lebensfreude keinen Abbruch. Im Gegenteil, sie machte wahrlich das Beste daraus. Aufgewachsen ist Marianne auf einem idyllischen Bauernhof im schönen Salzburgerland. Dass sie sich trotz ihrer Behinderung „wie ein bunter schöner Schmetterling“ entfalten konnte, verdankt sie vor allem ihren liebevollen Eltern und dem ganzen Familienclan. Ihre Liebe und das bedingungslose Angenommensein schufen erst den Nährboden, damit sich Marianne gut entfalten konnte. Mariannes großer Wille – das Leben trotz ihrer Behinderung so selbstständig wie nur irgendwie möglich zu meistern – zeigte sich schon sehr früh. Eine positive Grundeinstellung und viel Lebensfreude halfen ihr dabei. So vergleicht sie ihre Entwicklung gerne mit der Entfaltung eines bunten Schmetterlings. Bis zu ihrem fünften Lebensjahr hatte sie keinen Rollstuhl. Rutschend erkundete sie die Welt um sich herum.

Das Geheimnis der roten Zauberstiefel.
Eines Tages regnete es in Weißbach, wo Marianne aufwuchs. Alle ihre Geschwister bekamen rote Gummistiefel, nur sie bekam keine. Die Eltern dachten sich nichts dabei, da sie ja nicht gehen konnte. Marianne aber machte es sehr traurig. Sie hätte auch liebend gerne solche roten Gummstiefel gehabt. Am nächsten Tag schenkten ihr die Eltern ebenfalls rote Gummistiefel. Da war die Freude groß, gleichzeitig wurde ihr Ehrgeiz geweckt, es ganz allein in den ersten Stock zu schaffen. Das war ihr größter Traum. So begann ihre außergewöhnliche „Karriere“ als spätere Behindertenaktivistin und Obfrau von RollOn. Wie die Lebensgeschichte von Marianne weitergeht, können Kinder in ihrem Buch weiterlesen.

Berührungsängste abbauen.
Mariannes großes Anliegen ist, vor allem Kindern und Teenies die Berührungsängste gegenüber behinderten Menschen zu nehmen. Das Leben und den Alltag mit einer Behinderung zu meistern, ist oftmals eine Herausforderung. Da braucht es viel Unterstützung und helfende Hände. In unserer leistungsorientierten Gesellschaft erleben Menschen mit Behinderung oft nicht die Akzeptanz und Einbindung in die Gemeinschaft, die nötig ist, um ein Leben in Würde zu führen. Es bestehen nach wie vor Hemmungen und Berührungsängste gegenüber behinderten Menschen. Daher hat sich Michael Schretter, Chef der Sonnenbergbahnen Grän gemeinsam mit Marianne zum Ziel gesetzt, genau diese Ängste und Vorurteile in der Bevölkerung schrittweise abzubauen. Die anwesenden Kinder hatten mit der Behinderung von Marianne augenscheinlich überhaupt kein Problem, im Gegenteil. Gerne gingen sie auf alle Fragen ein, die ihnen Marianne stellte. Ganz offen wurde über die verschiedensten Alltagssituationen mit Behinderung gesprochen. Etwa, wenn die Nase juckt, wer kratzt sie dann? Oder wenn Marianne durstig ist, wer reicht ihr ein Glas Wasser? Mit viel Spaß und Lachen übernahmen die Kinder dann das Nasekratzen und das Wasserreichen. Marianne stellte noch eine ganz besondere Frage an die Kinder: „ Kinder, was glaubt ihr, was ich ab und zu gerne machen würde?“ Einige Vorschläge von den Kindern kamen, doch es war nicht der richtige dabei. Da löste Marianne das Rätsel. Was sie am liebsten tun würde, ist, Menschen zu umarmen. Daraufhin gingen einige Kinder und Erwachsene ganz spontan zu Marianne hin und umarmten sie sehr herzlich. Botschaften: Sich Träume zu bewahren, nicht vorzeitig aufzugeben, ist ein wichtiger Hinweis von Marianne an die Kinder. Jeden Tag in den Spiegel schauen und Danke sagen für alles Gute, was man im Leben hat, macht zufrieden und das Leben einfacher, so ihre Botschaft. Zum Schluss richtete Marianne noch einen Appell an die Kinder: Liebt das Leben, so wie ich. Seid ihr einmal mutlos, so denkt an mich und an den schönen gemeinsamen Nachmittag am Füssener Jöchle. Schätzt eure Gesundheit und eure Selbstständigkeit. Ihre Erkenntnisse und Schlüsse fürs Leben gibt sie gerne an Kinder und junge Menschen weiter. Noch ein Spruch zum Schluss, er passt ganz gut zu Marianne und zu uns allen: Wie kein Mensch dem anderen vollständig gleichsieht, so wird auch jeder auf einem eigenen Weg geführt (Sebastian Kneipp).
Pure Lebensfreude und ein paar rote Gummistiefel
RollOn-Obfrau Marianne Hengl und Michael Schretter, GF der Sonnenbergbahnen Grän Füssner Jöchle, bei der Buchpräsentation. Foto: RollOn Austria
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