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Reutte | Chronik | 23. Juli 2019 | Klara Fritz

„Schauts bitte nochmal hin!“

„Schauts bitte nochmal hin!“
„Rückzugsort für gestresste Menschen und Ruhepol gegen Motorradlärm“: der Forchacher Baggersee.
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Bürgerinitiative will den Forchacher Baggersee retten


Ein See lässt die Wogen hochschlagen: Kurz vor dem Start macht eine „Bürgerinitiative Biodiversität“ mobil gegen das am früheren Forchacher Baggersee geplante Life-Projekt, mit dem das einst von Menschenhand geschaffene Biotop wieder dem Lech übereignet werden soll. Am Donnerstag, 25. Juli, um 19.30 Uhr wird es nun eine Info-Veranstaltung in der Mehrzweckhalle von Weißenbach geben.

Von Jürgen Gerrmann

„Wir sind Kinder des Lechs“, sagen Wolfgang Schweißgut und seine Frau Evelyne. Die beiden Weißenbacher, die beim Besuch der RUNDSCHAU am Freitag schon 18 engagierte Unterstützer für ihr Anliegen gefunden hatten, wollen damit deutlich machen: Sie haben nichts gegen eine ökologische Aufwertung des Flusses – sie setzen sich lediglich für den Erhalt eines „Naturjuwels“ ein, das ihnen mehr und mehr ans Herz gewachsen ist.
Die erste Erinnerung, die Wolfgang Schweißgut mit diesem See verbindet, ist keine angenehme: Seine Mutter schuftete in der kurzen, aber heftigen Saison im „Goldenen Lamm“ in Weißenbach so sehr, dass sie zusammenklappte und eine Zwangspause machen musste. Neue Kraft fand sie damals an diesem Fleckchen Erde, über das nun so heftig debattiert wird.
Wolfgang Schweißgut selbst ist nach eigener Aussage „leidenschaftlicher Fliegenfischer“. Freilich: „Den letzten Fisch habe ich vielleicht vor fünf Jahren gefangen. Es ist ja ganz klar. Meine Frau und ich sind eigentlich nur da draußen, weil es dort so schön ist.“
Und diesen Status quo wollen sie möglichst nicht verändert sehen. Wobei Evelyne und Wolfgang Schweißgut unterstreichen: „Wir sind keine fundamentalistischen Grünen, sondern Naturfreunde.“ Gleichwohl spielen bei ihrem Engagement die mindestens 23 geschützten Tierarten dort („Eine davon, die Gebänderte Prachtlibelle, haben wir selbst gefunden“) eine zentrale Rolle.
Und sie kritisieren vor allen die Firma, die 2017 das Gutachten zum Life-Projekt erstellt habe. Auch nach Auffassung des Experten, Dr. Armin Landmann von der Uni Innsbruck, enthalte deren Arbeit viele Ungereimtheiten, schon der erste Satz sei falsch, denn es sei von einer Revitalisierung zwischen Stanzach und Vorderhornbach die Rede. Auch sonst sei sehr schlampig gearbeitet worden.
Die Chefetage der Gutachterfirma reagierte auf mehrmalige Anfrage der RUNDSCHAU dazu nicht. Laut Wolfgang Klien, Fachgebietsleiter Wasserwirtschaft beim Baubezirksamt Reutte, handelt es sich indes um ein renommiertes Büro, das österreichweit mehrere Projekte höchst erfolgreich abgewickelt habe.
Klien steht nach wie vor zu dem Projekt: „Die Unterlagen wurden fachlich positiv geprüft und alles genehmigt.“ Es liege nun mal in der Dynamik des Lechtals, „dass etwas verschwindet und Neues entsteht“, sagt er und zeigt ein Luftbild von 1950, auf dem von einem Baggersee weit und breit nichts zu sehen ist.
Man wolle ja auch nicht den See zerstören, sondern nur die Buhnen, die angelegt worden seien, um Land zu gewinnen, beseitigen: „Alles, was danach passiert, entscheidet der Lech.“ Auch ein uraltes Bachgerinne werde wiederhergestellt.
Evelyne Schweißgut hat bei alledem eine große Bitte: „Schaut's bitte nochmal hin, bevor Ihr was tut!“ Und Wolfgang Klien versichert: „Das ist jetzt eine politische Entscheidung. Bevor die Chefs etwas sagen, werden wir nix tun.“ Und wenn die Chefs nichts sagen? „Dann wird gebaut.“

 

 

 
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