Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Reutte | Chronik | 15. Feber 2021 | Sabine Schretter

Spürnasen, die Leben retten

Spürnasen, die Leben retten
Dominik Bilgeri und Mona, Patrick Grässle und Loki und Horst Eisele mit Amy (v.l.) stellen sich der Herausforderung und absolvieren derzeit die mehrjährige Ausbildung für die Hundestaffel der Bergrettung.
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Drei junge Hunde und ihre Hundeführer von der Bergrettung des Bezirkes Reutte begannen ihre Ausbildung

Wenn Menschen von einer Lawine verschüttet oder in unwegsamem Gelände gesucht werden müssen, bleibt den Rettungsteams nur ein sehr kleines Zeitfenster. Nach zehn bis 15 Minuten schwinden die Überlebenschancen verunfallter Personen. Die Anforderungen an Hundeführer und ihre Suchhunde sind hoch und bedingen eine spezielle und sehr aufwändige Ausbildung. Drei junge Teams stellen sich derzeit bei der Bergrettung des Bezirkes Reutte dieser Herausforderung. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit Bergrettungs-Bezirksleiter Markus Wolf.
Von Sabine Schretter.
Am 30. Jänner war die Bergrettung des Bezirks Reutte mit der gesamten Hundestaffel bei einer Übung am Rastkopf in Berwang. Es war ein besonderer Tag für die drei Hundeführer: Dominik Bilgeri, Patrick Grässle und Horst Eisele, die mit ihren jungen Hunden Mona, Loki und Amy zum ersten Mal mit dabei waren. Diese drei jungen Teams beginnen gerade mit ihrer Spezialausbildung und werden nach erfolgreichem Abschluss zur Hundestaffel der Tiroler Bergrettung gehören. Bezirksausbilder Andreas Bader wird die drei Teams auf ihrem Weg begleiten. „Derzeit sind sechs Teams aus dem Bezirk Reutte auf der Alarmierungsliste. Sechs weitere Teams befinden sich aktuell in der Ausbildung. Wir blicken also auf die stolze Zahl von insgesamt zwölf Teams im Außerfern, darauf bin ich sehr stolz“, erzählt Markus Wolf. Die Hundehalter der Teams auf der Einsatzliste sind Wilfried Ried, Norbert Rief, Michael Knitel, Alexandra Huber, Ludwig Tröber und Jörg Brejcha.

Zwei aus besonderem Holz.
Das Hauptziel der Rettungshundearbeit der Bergrettung ist es, einsatzfähige Teams aus Hund und Hundeführer optimal auszubilden, um im Einsatz Leben retten zu können. Das Aufgabengebiet der Teams ist vielfältig und verlangt Hund und Hundeführer viel ab. Die Ausbildung für die Teams ist in mehreren Stufen aufgebaut und dauert mindestens drei Jahre. Auch wenn die Ausrüstung, vor allem elektronische Hilfsmittel, immer besser werden und eine wichtige Rolle bei der Vermisstensuche spielen, ist ein gut ausgebildeter Suchhund gerade bei großflächigen Lawinen oder im freien Gelände durch nichts zu ersetzen. Hundführer kann nur werden, wer auch fertig ausgebildeter Bergretter und aktives Mitglied der Bergrettung ist – eine private alpinistische Tätigkeit und gute Kondition sind vorausgesetzt. Jeder Bergretter absolviert zwölf Übungen pro Jahr in der Ortsstelle und alle drei Jahre einen Kurs im Jamtal. Für die Hundeführer kommen zwölf Hundeübungen pro Jahr im Bezirk und die Spezialkurse im Kühtai und im Jamtal hinzu. „Hundeführer und ihre Hunde sind aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt. Der Aufwand und die Anforderungen sind extrem hoch. Daher freut es mich wirklich sehr, dass drei junge Teams im Bezirk Reutte diesen Weg begonnen haben“, erklärt der Bergrettungs-Bezirksleiter der RUNDSCHAU weiter. Suchhunde sind besondere Hunde, nicht zwingend reinrassig. Es sind Familienhunde, die nicht ängstlich, aber neugierig und zutraulich sind. Suchhunde sollten ausgeglichen sein und ein verträgliches Wesen zeigen. Hund und Führer bilden eine eingeschworene Einheit. „Das hat auch eine sehr emotionale Komponente. Man merkt das bei jeder Prüfung. Wenn wieder ein Kurs mit Erfolg absolviert wurde, kommt es nicht selten vor, dass auch gestandenen Männern vor Freude die Tränen kommen“, lässt Markus Wolf wissen.

Ausbildung.
In den Ortsstellen werden angehende Hundeführer und ihre Tiere auf die Eignung hin getestet und mit grundlegenden Aufgaben vertraut gemacht. Die eigentliche Ausbildung erfolgt – in Theorie und Praxis – überregional, gemeinsam mit anderen Kandidaten in Pflichtkursen, die in Winter (Kühtai)- und Sommerarbeit (Jamtal) gegliedert sind. Kurs A/ Grundkurs: Das Team – Hundeführer und Hund – absolviert einen einwöchigen Kurs im Kühtai. Dabei soll die gute soziale Bindung zwischen den beiden gefestigt werden. Der Suchhund lernt, bei störenden Einflüssen richtig und ruhig zu reagieren. Beim Training wird der natürliche Rudeltrieb aller Hunde ausgenutzt. Der Junghund muss zu Beginn seinen im Schnee – in einem unbekannten Lawinenfeld – verschwundenen Hundeführer suchen und anzeigen. Ein junger Hund gerät leicht in Panik, wenn seine Bezugsperson in den Schneemassen verschwindet. Aus dem Bedürfnis des gemeinsamen Unterwegsseins entwickelt sich bei ihm die Motivation, später bei einem Einsatz nach verschütteten Menschen zu suchen. Diese Motivation wird in verschiedenen Aufbau- und Schwierigkeitsstufen spielerisch gefördert und verstärkt. 

Kurs B/Ausbildung für Fortgeschrittene:
Auf den Grundkurs im Winter folgt im Sommer die Ausbildung für Vermisstensuche im Jamtal, im nächsten Winter der Kurs B mit einer taktischer Schulung für den Hundeführer. Zwei Teams suchen auf einer echten, unbekannten Lawine nach vier Verschütteten. Es sind also mehrere Menschen und Hunde beteiligt, ein guter Suchhund darf sich dadurch aber nicht ablenken lassen. Die Teams werden mit Hubschraubern, der Taubergung mit dazugehörendem Bergegeschirr und den speziellen Gegebenheiten konfrontiert. Der Hund fährt in einer Pistenraupe und einem Skidoo mit. Unter diesen Bedingungen zeigt sich, ob der Hund lärmempfindlich oder schreckhaft ist und wie die Teams mit Stresssituationen umgehen können. Im Kurs geht es darum, Situationen richtig zu beurteilen, den Hund entsprechend einzusetzen und die wichtigen lebensrettenden Maßnahmen für die verschütteten Personen zu ergreifen. Absolvieren die Teams diesen Kurs erfolgreich, wird der Hund als einsatzfähig eingemeldet und auf die Einsatzliste des Landes Tirol gesetzt. 

Kurs C/Perfektionskurs, Kurs CW/Fort- und Weiterbildungskurs:
Nach Abschluss des B-Kurses ist ein Suchhund offiziell einsatzfähig. Jedes Suchhundeteam muss jedoch ein Jahr nach dem erfolreichen B-Kurs noch Perfektions-und Weiterbildungskurse absolvieren. Dabei wird die Suchdauer ausgedehnt und die taktische Ausbildung des Hundeführers als Einsatzleiter verstärkt. Nur mit einem jeweils postiven Abschluss können die Teams auch den weiterführenden Kurs besuchen. „Es kommt bei der Prüfung nicht nur auf das an, was im Kurs gelernt wurde, es kommt auch darauf an, punktgenau abzuliefern. Hund und Mensch können einen schlechten Tag haben, das auszugleichen und trotzdem zu bestehen, verlangt beiden viel ab“, zollt Markus Wolf Respekt, der abschließt: „Die Tiroler Lawinenhundestaffel arbeitet auf höchstem Niveau, was auch der sehr qualifizierten und aufwändigen Ausbildung und dem persönlichen Engagement der Teams geschuldet ist. Im Bezirk Reutte stehen drei junge Teams in den Startlöchern. Auf die Zusammenarbeit mit ihnen freue ich mich sehr!“
 
Spürnasen, die Leben retten
Mit drei Monate alten Welpen wird mit der Ausbildung zum Suchhund begonnen. Fotos: Markus Wolf
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