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Reutte | Chronik | 26. April 2021 | Johannes Pirchner

Studierende seit mehr als einem Jahr im Lockdown

Studierende seit mehr als einem Jahr im Lockdown<br />
Studenten werden in der Gruppe der „Corona-Leidtragenden“ oft vergessen. Foto: Wikipedia
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Dennoch sind „Corona-Semester“ keine vergudete Studienzeit – eine Außerferner Bestandsaufnahme

Eine große Gruppe, die in der Coronazeit gerne vergessen wird, sind die Studierenden. Sie sind als Erste in den Lockdown gezogen und bis jetzt scheint ein normaler Studienalltag noch in Ferne. Zwar hat die Universität Innsbruck, an der auch sehr viele Außerferner Studenten immatrikuliert sind, vor Kurzem eine vorsichtige Rückkehr in den Präsenzunterricht angekündigt, von Normalität ist aber noch nichts zu spüren. Wie geht es den Außerferner Studierenden und was sind ihre Möglichkeiten? Die Veränderung des Studienalltags hat viele Studierende vor den Kopf gestoßen.
Von Johannes Pirchner.
Das Sommersemester 2020 hatte begonnen. Die neuen Kurse waren eingeteilt. Die ersten Lehrveranstaltungen des Sommersemesters nhamen Fahrt auf. Endlich wieder ein frischer und reger Austausch mit Mitstudierenden und Professoren, inklusive neuer Wissensaneignung. Das Sammeln neuer Erfahrungen, das Kennenlernen von Menschen aus der ganzen Welt und natürlich auch das Feiern gehören zur Studienzeit ebenso dazu. Dann kam Corona. Die Bundesregierung verkündete den Lockdown und die Hochschulen stellten auf Distance Learnig um – Stillstand von hundert auf null! Bis heute befinden die Studierenden im Lockdown. Für Studienanfänger ist die Lage besonders schwierig, sie stehen am Beginn eines spannenden und neuen Lebensabschnittes, sind noch nicht mit dem Studienalltag vertraut. Wie meistern Studierende diese Herausforderung, was sind mögliche Chancen und worauffreuen sich die Studierenden am meisten nach der Krise? Die RUNDSCHAU fragte zwei Außerferner Studenten der Universität Innsbruck.

Die Corona-Epidemie als Chance sehen.
Ein Außerferner Studierender ist Johannes Pirchner aus Wängle, der neben seinem Geschichtestudium auch als freier Mitarbeiter für die RUNDSCHAU im Einsatz ist. Johannes Prichner beschreibt hier seine Eindrücke: „Ich sehe die Coronapandemie als Chanche. Gerade im Bereich der Digitalisierung wird von Seiten der Hochschule viel investiert. Als ich 2017 mit meinem Studium begonnen habe, war Digitalisierung der Hochschule noch reine Theorie. Die Vorlesungen fanden in großen Hörsälen statt, man sollte präsent anwesend sein. Jetzt – mit all den Erfahrungen seit Ausbruch der Pandemie – ändert sich vieles:  Immer mehr Lehrende zeichnen ihre Vorlesungen auf. Man kann diese dann aiuch zu einem späteren Zeitpunkt flexibel von Zuhause ansehen. Das ist sicher kein Ersatz für die persönlichen Austausch mit Mitstudierenden und Lehrenden, aber gerade der Ausbau dieses Modells birgt auch unglaubliche Möglichkeiten. So wird es hoffentlich nach der Epidemie möglich sein, dass Lehrveranstaltungen sowohl in Präsenz stattfinden, gestreamt und speziell Vorlesungen für späteres Abspielen und Lernen auch aufgezeichnet werden. Dadurch können zum einen Terminkollisionen mit anderen Lehrveranstaltungen oder  etwa beruflicher Natur vermieden werden, zum zweiten können sich Außerferner Studenten sicher einige Fahrten mit dem Auto über den Fernpass oder die langwierige Zeugfahrt über Seefeld und Deutschland  sparen. Ein weitereres tolles Angebot das die Digitalisierung  brachte, fand an der Universitäts-und Landesbibliothek statt: An der Bib werden nun Kapitel von angeforderter Literatur digitalisiert und direkt an die Studenten geschickt. Gerade  für jemanden, der viele Bücher benötigt, ist das eine tolle Errungenschaft und wird hoffentlich so beibehalten. Eine nicht zu unterschätzende  Chanche ist es, als Student Eigenverantwortung zu entwickeln. Denn auch während der Pandemie kann man erfolgreich studieren! Die Selbstorganisation, die Ausdauer und die Eigenverantwortung sind später wichtige Features für eine beruflichen Karriere. Trotz allem fehlen ganz klar der Austausch und der Kontakt zu Mitstudierenden. Steht man in einem Dienstverhältnis, sieht man trotz Pandemie – von einigen Branchen wie dem Tourismus abgesehen – seine Arbeitskollegen und hat weiterhin unter strengen Auflagen Kontakt zu anderen. Das fällt bei uns Studenten meist flach. Aber, man muss das Positive sehen: Man hat die Ruhe und den Frieden, sich voll und ganz auf seine Bachelorarbeit, Seminararbeiten und Prüfungen zu konzentrieren, ohne von „wilden Studentenpartys“ oder „attraktiven weiblichen Mitstudierenden“ abgelenkt zu werden. Es wird vorbei gehen und das alte Leben wird zurückkehren.

Vom Bobkanal in den Hörsaal.
Ein Außerferner Student, Bobsportler und ehemaliger Olympiateilnehmer in Innsbruck ist Kilian Walch. Er studiert Lehramt für die Sekundarstufe mit den Fächern Berufsorientierung & Lebenskunde, Bewegung und Sport sowie Katholische Religion. Die RUNDSCHAU im Gespräch mit Kilian Walch.

RUNDSCHAU: Lieber Kilian, die Unis sind seit nun drei Semestern geschlossen. Was sind deine Wünsche für das Wintersemester 2020/21?
Kilian Walch: Für das kommende Semester erhoffe ich mir, dass zumindest Seminare und Kurse, die ohnehin in kleineren Gruppen absolviert werden, in Präsenz stattfinden können. Der direkte Austausch mit anderen Studierenden würde sich sowohl auf die Motivation als auch für die Lernerfolge positiv auswirken.

RS: Was waren für dich die größten Probleme in den letzten drei Semestern?
Kilian Walch: Besonders problematisch waren die Covid-Maßnahmen für die praktischen Sport-Lehrveranstaltungen, die durch Online-Lehre schwer zu ersetzen sind. Es wird zwar teilweise versucht, die Kurse unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen in Präsenz durzuführen, was aber nicht immer möglich und sinnvol war. Die Knappheit an Kursplätzen war schon vor Covid ein Thema für Studierend. Jetzt, im dritten Pandemie-Semester, habe ich keinen einzigen Kursplatz mehr für praktische Sportkurse erhalten. Dadurch verzögert sich jetzt mein Studienabschluss im Fach Bewegung und Sport.

RS: Warst du schon wieder in Präsenz an der Universität infolge einer Prüfung oder eines Bibliotheksbesuch?
Kilian Walch: Phasenweise war es erlaubt, in kleinen Gruppen Lehrveranstaltungen vor Ort durchzuführen, wenn diese online nicht ausreichend ersetzt werden konnten. Dadurch war ich schon einige Male an der Uni, beispielsweise für die Gruppenprüfungen für Musikgymastik. An der Pädagogischen Hochschule Tirol konnte ich auch ein paar Lehrveranstaltungstermine in Präsenz absolvieren. Allerdings   nur in kleinen Gruppen und nach Vorlage eines negativen Corona-Tests.

RS: Was fehlt dir am Studentenleben vor Corona am meisten?
Kilian Walch: Mir persönlich fehlt die Verbindlichkeit, die durch die Anwesenheit in der Universität entsteht. Online fällt es mir schwer, mich nicht ablenken zu lassen und aktiv an Lehrveranstaltungen teilzunehmen. Zudem fehlt mir natürlich der Kontakt zu den anderen Studierenden, sowohl vor und nach Lehrveranstaltungen, aber auch beim Sport, in der Mensa oder bei Veranstaltungen.

RS: Welche positiven Aspekte könnte Corona für die Unis haben?
Kilian Walch: Das Aufzeichnen von Vorlesungen und die Nutzung von Lernplattformen wurde bereits vor der Pandemie von einigen Lehrenden eingesetzt. Die e erzwungene Fernlehre hat jetzt dafür gesorgt, dass diese Möglichkeiten zum „Standard“ geworden sind. Wenn dieser Trend auch nach Corona anhält und Lehrveranstaltungen durch digitale Inhalte ergänzt werden, sehe ich durchaus positive Aspekte in dieser Entwicklung.
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