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Reutte | Chronik | 4. Jänner 2021 | Jürgen Gerrmann

Viel Nichts um Lärm?

Viel Nichts um Lärm?
Bleibt auch im neuen Jahr sicher ein heißes Thema: der Motorradlärm in der Region. RS-Foto: Gerrmann
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Motorradlärm Fritz Gurgiser Fahrverbot für Motorräder
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Abstimmung zu neuen Maßnahmen gegen den Motorrad-Krach fand im Landtag doch nicht statt

Empörung pur hat Fritz Gurgiser, den Obmann des Transitforums Austria Tirol und Reinhard Oberlohr von der Initiative Xsund's Lechtl über die Jahreswende überfallen. Der Grund? Im Advent war von den Fraktionen, die die Tiroler Landesregierung tragen, ein Beschluss zu „zusätzlichen Schritten zur Eindämmung des Motorradlärms im Bezirk Reutte“ noch vor Weihnachten angekündigt worden. Das Geschenk blieb allerdings aus – beschlossen wurde am 17. Dezember im Landtag nämlich gar nichts.
Von Jürgen Gerrmann.
Als „absoluten Nuller“ bezeichnet Fritz Gurgiser die Ankündigung der beiden Regierungsfraktionen daher. Ein Beschluss wurde nämlich verhindert, weil die FPÖ, auf deren Eilantrag vom 25. Juni vergangenen Jahres (der unter anderem sogar vorsah, dass Motorräder in Tempo 30-Zonen 40 fahren dürfen) der Beschlussvorschlag des Ausschusses für Rechts-, Gemeinde- und Raumordnungsangelegenheiten vom 4. Dezember (auf dem offensichtlich die auch in unserer Ausgabe vom 16. Dezember veröffentlichte schwarz-grüne Pressemitteilung beruhte), ihre Initiative zurückzog – und somit laut Geschäftsordnung des Landtags gar nicht abgestimmt werden konnte.

ÄRGER ÜBER „RUMLAVIEREN“.
„Es ärgert uns maßlos, dass wieder keine Entscheidung gefallen ist und man weiter nur rumlaviert“, sagen Gurgiser und Oberlohr gegenüber der RUNDSCHAU. Damit sei für die Gesamtregion Imst/Hahntennjoch/Ruhegebiet Muttekopf/Naturpark Tiroler Lech/Lech- und Tannheimer Tal nun erneut wertvolle Zeit verloren gegangen. Der Obmann des Transitforums: „Wir hoffen nur, dass die Regierung die Chance der nächsten Monate, in denen es wegen Corona wohl etwas ruhiger zugeht, nutzt, damit nicht noch mehr Schaden für die Bevölkerung und die Tourismuswirtschaft entsteht.“
Denn schon das 2020 verhängte Fahrverbot für Motorräder über einem Standgeräusch von 95 Dezibel sei die völlig falsche Basis gewesen: „Dadurch wurde der Brutalität der Lärmbelastung in keiner Weise Rechnung getragen.“ Entscheidend sei nämlich nicht der Krach, den ein Bike im Stand verursache, sondern der Lärm, wenn es an einer Siedlung oder auch nur einem einzigen Haus vorbeidonnere.

DRAMA IN DREI AKTEN?
Aus Gurgisers Sicht ähneln die jüngsten Ereignisse um den Motorradlärm in der Gesamtregion einem Drama in drei Akten: Im ersten werde (wie gesagt: im Juni) ein „Dringlichkeitsantrag“ eingebracht, der die Prüfung von schwer nachvollziehbaren Maßnahmen beinhalte, die keinerlei Beziehung zum realen Umgebungslärm hätten. Im zweiten werde dann (wie gesagt: im Dezember) vom zuständigen Ausschuss ein Vorschlag unterbreitet, der auf eine weitere Prüfung, aber nicht auf konkrete Schritte hinauslaufe. Darin sei auch von weiteren Zählstellen die Rede. Eine Messung dort bringe aber nix, sondern nur dort, wo die Anrainer sich schon lange beklagten, dass die Situation immer unerträglicher werde. Und im dritten werde dann auch dies wieder zurückgezogen.
Gurgiser ist daher nicht zuletzt darob entrüstet, dass „der Tiroler Landtag nicht imstande ist, sowohl die private wie auch die betriebliche Anrainerschaft durch klare Vorgaben zu schützen“. Dieses „Dahinlavieren“ schütze im Gegenteil nur diejenigen, die „die Gesamtregion aus Freizeitvergnügen verlärmen, die Gesundheit der Menschen dort überbelasten und auch den Tourismusbetrieben nachhaltigen Schaden zufügen“. Es mache auch kein gutes Bild, mit wunderschönen Bildern und Schriften von privaten Zimmervermietern bis hin zum Wellnesshotel diese Gesamtregion „als Erholungs- und Gesundheitsqualitätsgebiet“ zu bewerben, wenn dann alles wirklich Schöne und Wichtige durch den Motorradlärm wieder zunichte gemacht werde.

„LÄRM MESSEN UND HANDELN!“.
Daher sei es jetzt dringend nötig, dass sich der Landtag sich mit der Problematik „zeitgemäß und zielorientiert“ befasse. Das Motto müsse daher lauten „Lärm messen und handeln“ – und nicht „Verkehr zählen und untätig bleiben“. Sonst drohe nach Corona wieder die „alte brutale Lärm-Normalität“. Statt deren benötige die Gesamtregion (und zwar dringend) „Ruhe, Gesundheit und einen erfolgreichen Gesundheitstourismus als Grundlage für die nächsten Generationen in einer wunderschönen, einzigartigen und auf Grund der Topografie aber sehr sensiblen alpinen Region“.
Und was meint er zu der vorweihnachtlich-frohen Botschaft der Verkehrssprecher der beiden Regierungsfraktionen? „Lärm kann durch laute Autos und Motorräder genauso erzeugt werden wie durch untätige Politik oder Behörden. Beides schadet Tirol.“
„Viel Lärm um nichts“ – so lautet der Titel einer Komödie von William Shakespeare. Für Fritz Gurgiser dürfte es angesichts der Ankündigung neuer Maßnahmen gegen den Motorrad-Krach indes eher heißen „Viel Nichts um Lärm“. Und unklar bleibe, ob es sich um eine Komödie oder Tragödie handelt.
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