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Reutte | Chronik | 1. Oktober 2019 | Klara Fritz

Willkommenskultur und Integration

Die Diskussionsrunde: Moderator Günter Salchner, GF Klaus Fischer, LA Gabi Fischer, Ksenia Konrad, BM Alois Oberer (v.l.). RS-Foto: Kofelenz
Ksenia Konrad im Gespräch mit Günter Salchner über ihr Buch.
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REA lud zur Podiumsdiskussion in die Kellerei Reutte


„Alles ausser fern“ – Buchautorin Ksenia Konrad präsentierte ihr Werk im Vorfeld passend zur Podiumsdiskussion zum Thema Willkommenskultur und Integration. Günter Salchner begrüßte dazu Landtagsabgeordnete Gabi Fischer, den Geschäftsführer der Allgäu GmbH Klaus Fischer, Bürgermeister Alois Oberer und die Autorin.

Von Sonja Kofelenz

Der Slogan „alles ausserfern“ ist sicher jedem Reuttener ein Begriff. Als der Haymon-Verlag mit der Anfrage, ob diese Wortkreation für ein Buch verwendet werden dürfe, an die REA herantrat, war man sofort dabei. Dieser Slogan, meint Regionalmanager der REA Günter Salchner, passt perfekt zum Inhalt des Buches – nämlich zum Thema Integration und Sprache.
Buchpräsentation.

Ksenia Konrad im Gespräch mit Günter Salchner über ihr Buch. RS-Foto: Kofelenz


„Integration beginnt mit Begegnung“, so Salchner. In seiner Moderation stellt er Ksenia Konrad die Frage, wie sie Integration erlebt. Zuerst komme die Eingewöhnungsphase, das Kennenlernen der Kursteilnehmer untereinander und es dauert, von der Lehrerin zur Trainerin zu werden, berichtet sie. Bis zum Ende der Kurse von A1 bis B2 durchläuft jeder Lernende einen Deutschmarathon. Es ist eine große Herausforderung, sich zurechtzufinden und die Tücken der deutschen Sprache, hier vor allem die Grammatik, zu meistern. Zur Verdeutlichung liest sie einige Passagen aus ihrem Buch, die Situationen aus dem Deutschtraining zeigen. In ihren Kursen treffen oft 10–11 verschiedene Nationen und damit verschiedene Kulturen aufeinander, was die Arbeit erschwert. Ksenia Konrad empfiehlt ihr Buch allen, die im multikulturellen Bereich arbeiten, Deutschlehrern und Trainern, natürlich Zugezogenen und allen, die Freunde in anderen Kulturen haben. Speziell für Muttersprachler hat sie Grammatikerklärungen im Buch platziert. Diese sollen verdeutlichen, wie schwierig es ist, eine andere Sprache, speziell Deutsch, zu lernen.
Integrationsleitbild.

Brauchen bzw. wollen wir Zuwanderung – und wie sieht es mit Integration bei uns in Reutte aus? LA Gabi Fischer stellt dazu fest, dass Willkommenskultur bereits Integration ist. Sie geht auf das neue Integrationsleitbild für alle in Tirol lebenden Menschen ein. Vier wichtige Punkte umfasst das Leitbild: Orientierung schafft Sicherheit, Beziehung braucht Auseinandersetzung, Kooperation stärkt Zusammenhalt und gesellschaftliche Entwicklung benötigt individuelle Potenziale.
Stichwort Fachkräftemangel.

Auf die Frage, was tut das Allgäu in Bezug auf den Fachkräftemangel, entgegnet Geschäftsführer Fischer, dass Flüchtlinge das Fachkräfteproblem nicht lösen. Ansätze zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt wären da: Es wird Ausbildung, vor allem bei Pflegeberufen und im Tourismus, angeboten. Das A & O für die Integration sei jedoch die Sprache. Man versucht andere Wege, um Personal in den gesuchten Bereichen (technische Berufe, Pflege, einige Handwerksberufe) zu lukrieren. Er erklärt zudem, dass das Allgäu als attraktiver Arbeitsort beworben werden muss. Mit dem Portal Great Place To Work wird auf Lebensqualität und interessante Arbeitgeber aufmerksam gemacht. Ziel sei es, das Allgäu als Arbeitsort nach außen zu bringen, meint Fischer.
Integration in Reutte.

„Man braucht Zuwanderung und Pluralität, um die Gesellschaft weiterzuentwickeln“, so Bürgermeister Alois Oberer. Es sei „die humanitäre Pflicht“, Asylsuchenden zu helfen. Flucht, so Oberer, ist immer der letzte Ausweg aus einer misslichen Lage. Reutte hat 2015, während der gro-ßen Flüchtlingswelle, 105 Flüchtlinge aufgenommen. Es gab keinerlei Vorkommnisse mit den Aufgenommenen und man habe nur positive Erfahrungen gemacht. Er berichtet von der demografischen Aufteilung in Reutte: 71,3 % Österreichern stehen 28,7 % aus anderen Nationen gegenüber, davon haben die Deutschen den größten Anteil. Zuwanderung sei jedoch notwendig, auch, um bestehende Systeme aufrechtzuhalten.
Sprachförderung und Kurse.

Das Schlüsselwort ist Bildung und damit auch Sprache, womit er die gekürzten Mittel seitens des Landes für Sprachförderung ins Spiel bringt, was LA Gabi Fischer bestätigt. Dazu kommt noch, dass verschiedene Hürden das Anbieten von Sprachkursen erschweren. Ein interessanter Aspekt ist die Tatsache, dass Asylwerber zum Erlangen einer Mindestsicherung Deutschkenntnisse auf B1-Niveau haben müssen. Das entspricht Maturaniveau. Ksenia Konrad gibt aus ihrer Erfahrung als Trainerin zu bedenken, dass die momentane Anzahl an Unterrichtsstunden bei weitem nicht ausreicht, um dem gerecht zu werden. Es braucht viel Zeit und anschaulichen Unterricht, wie z. B. Ausflüge und Aktivitäten, also praktischen Unterricht. Es werden auch viel zu wenige Kurse angeboten.
Integration am Land.

Günter Salchner stellt die Frage in den Raum, ob Integration am Land einfacher sei. Flüchtlinge suchen ihre Communities, um ein wenig Heimatgefühl zu erfahren, berichtet LA Fischer aus ihrer Erfahrung. So gehen viele der Aufgenommenen aus den ländlichen Gebieten wieder weg in die großen Städte, es sei ein komplexes Thema. Zum Thema Städte, die unter Platzmangel (sprich Wohn- und Lebensraum) leiden, diskutierten die Teilnehmer noch über Dezentralisierung, um dem Problem der Landflucht und der Zersiedelung entgegenzuwirken. Dazu müssten die Regionen gestärkt werden, vor allem im Bildungs- und Verkehrsbereich.
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion lud REA noch zu einem multikulturellen Buffet und anregenden Gesprächen ein.
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