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Reutte | Kultur | 19. April 2021 | Jürgen Gerrmann

„Die Krise hat zwei Seiten“

„Die Krise hat zwei Seiten“
Die Musik und seine Familie - das sind die beiden großen Lieben in Andreas Kopeinigs Leben. Beide schenken ihm in der Corona-Krise Kraft zum Durchhalten.  RS-Foto: Gerrmann 
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Andreas Kopeinig lässt sich durch Corona nicht unterkriegen

Ein Land ohne Kultur? Wie das aussieht und sich anfühlt, kann man im Moment in aller Bitterkeit erleben. Künstler sehnen sich danach, endlich wieder auftreten zu können, dem Publikum fehlen Theater, Konzerte und Ausstellungen immer mehr. Nicht aufzugeben, das ist für Maler, Schauspieler, Kabarettisten und Musiker (überhaupt alle in der Kulturszene) eine immense Herausforderung. Der Reuttener Jazzer und Musiklehrer Andreas Kopeinig meistert sie freilich geradezu bewundernswert.
Von Jürgen Gerrmann.
Aber woher nimmt er denn die Energie, da durchzuhalten, nicht zu verzweifeln, immer neue Projekte zu entwickeln? Das weiß er selbst nicht so genau, bekennt er im Gespräch mit der RUNDSCHAU: „Die ist wohl schon immer in mir drin.“ Denn sonst hätte sich der gebürtige Steirer, der einst aus beruflichen Gründen ins Außerfern kam, wohl auch 2005 nicht getraut, die Landesmusikschule Reutte zu verlassen und sein eigenes Klavier- und Jazzinstitut Klazz zu gründen. „Das wird nix“, hatten ihm viele prophezeit. Aber es wurde doch was.
Rückhalt in der Familie. Ein Musiker habe halt immer Energie in sich, mutmaßt er. Auf jeden Fall: „So bin ich eben.“ Zudem sei Aufgeben für ihn ja gar keine Option: „Ich muss ja meine laufenden Kosten für mein Studio und meine Unterrichtsräume reinkriegen.“ Dass seine Stimmung dennoch im Positiven bleibe und nicht ins Negative abrutsche, liege ganz sicher an dem Rückhalt, den ihm die Familie und die Kinder gäben: „Und natürlich auch an der Liebe zum und der Freude am Beruf – sowohl künstlerisch als auch pädagogisch.“ Freilich: Was das Komponieren anbelange, sei er seit dem ersten Lockdown vor rund einem Jahr etwas zurückhaltender gewesen. Weil er sich stattdessen seinen beiden kleinen Kindern (der zweijährige Samuel und das 2021er-„Neujahrsbaby“ Raphael) mehr zugewandt habe: „Für uns als Familie war die Krise eher ein Glücksfall. Als Musiker ist man normal doch an vielen Abenden und Wochenenden unterwegs, aber nun kann ich viel mehr als früher Mann und Vater sein.“  Corona habe da seine zwei Seiten: „Ich möchte natürlich gern wieder auftreten und spielen. Das geht mir schon ab. Aber auf der anderen Seite genießen wir das als Familie im Moment auch sehr.“

Mit Einbußen gelte es dennoch zurechtzukommen.
Direkt vor dem Lockdown habe er zum Beispiel mit seinem Ensemble „Südlich von Helsinki“ in München eine neue CD eingespielt. Und solche Alben würden gemeinhin hauptsächlich nach Auftritten verkauft. Aber da herrsche im Moment eben totale Fehlanzeige. Die Funkstille seitens potentieller Konzertveranstalter sei ja auch verständlich. Jeder sage: „Ich muss jetzt erst mal das unterbringen, was ich im vergangenen Jahr verschoben habe.“ Das sei ja auch in der Reuttener Kellerei, zu dessen Führungsteam er mit zählt, nicht anders: „Im Moment ist schon eine gewaltige Bugwelle da.“

In der Nische etabliert.
Dennoch konnte er sich doch in einer Nische ziemlich erfolgreich etablieren: „Online-Konzerte waren schon ein Ausweg.“ Als im November sein Auftritt beim Jazz-Wochenende des Kulturforums Breitenwang abgesagt werden musste, entschloss er sich, das Improvisations-Konzert einfach im Internet über YouTube zu streamen. Mit unerwarteten Erfolg: Rund ein halbes Tausend Mal wurde es bislang angeklickt, er erhielt viele E-Mails, wurde auf der Straße darauf angesprochen und bekam auch durchaus nennenswerte Spenden. Das motivierte ihn natürlich, sowohl im Advent seine jazzigen Weihnachtslieder als auch im Februar sein Konzert zum eigenen 50. Geburtstag mit vielen kleinen Piano-Miniaturen („ein improvisierter musikalischer Streifzug durch mein Leben“) ins weltweite Netz zu stellen. Wer in der Suche bei YouTube „Andreas Kopeinig“ eingibt, findet all das immer noch. Und wie geht es jetzt weiter? Aktuell mit einer gro-ßen Hoffnung: „Ich habe mich beim Kultusministerium in Wien für ein Stipendium im Rahmen des Projekts ,Von der Bühne zum Video‘ beworben. Das geht es um die Förderung digitaler Kultur, und ich könnte meine Aktivitäten dort auf eine breitere Basis stellen – zum Beispiel durch ein Miteinander mit einer Schauspielerin, die Texte zu meiner Musik liest.“ Er habe durch seine Aktivitäten im Internet in den vergangenen Wochen gespürt, wie gut den Menschen und auch ihm die Musik tue: „Das kann zwar nicht die Atmosphäre eines Konzerts mit der Kommunikation mit einer Band und dem Publikum ersetzen – aber für die Seele ist das auf beiden Seiten schlichtweg eine Wohltat. Ich möchte einfach spielen und meine Musik weitergeben. Auch wenn wir uns gegenseitig nicht sehen können – ich glaube, den Menschen kann ich auch so meine Gefühle weitergeben.“
Bis es dann endlich (und hoffentlich bald) ein Wiedersehen auf und vor der Bühne gibt.
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