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Reutte | Kultur | 28. Juni 2021 | Uwe Claus

Die Pest im Außerfern und im Allgäu

Die Pest im Außerfern und im Allgäu
Die Pestheiligen Sebastian (links) und Rochus. In der Rochuskapelle von Biberwier zusammen mit der Gottesmutter, die Jesus auf dem Arm trägt. RS-Repro: Claus
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Auch unsere Vorfahren mussten gegen eine Pandemie kämpfen – Zeugnisse darüber sind heute noch sichtbar

Bereits im vergangenen Oktober hat Klaus Wankmiller einen hochinteressanten Vortrag über die Pest und ihren Verlauf im Außerfern und dem angrenzenden Allgäu gehalten. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte jedoch nur eine sehr dezimierte interessierte Hörerschar die Ausführungen Wankmillers verfolgen. Um weiteren Interessierten zum Thema die Gelegenheit zu bieten, wiederholte Wankmiller kürzlich seinen Vortrag an zwei Tagen.
Von Uwe Claus.
Aufgrund der derzeitigen Pandemie-situation war der Vortrag brandaktuell, gab es doch viele Parallelen zu heute. Wankmiller spannte den Bogen von der Entstehung der Pest über ihre Ausbreitung, die hilflosen Helfer bis hin zu den Pestheiligen, dem heiligen Sebastian und dem heiligen Rochus. Er stellte fest, dass Pandemien schon immer die Geschichte der Menschheit begleiteten. In verschiedenen Wellen wurde Mitteleuropa seit 1347 etwa immer wieder von der Pest heimgesucht. Pest gleich Seuche gleich Schwarzer Tod – so die Definition. Für viele war die Pest eine „biblische Plage“, die in der Zeit des 30-jährigen Krieges ihren Höhepunkt erlebte. Die Ausbreitung wurde durch die damaligen hygienischen Zustände von Ratten, Läusen und Flöhen als „Zwischenwirten“ begünstigt. Ihr fielen zum Teil bis zu 75 Prozent der Bevölkerung zum Opfer.

Hilflos.
Die prekäre Lage wurde durch die Hilflosigkeit der Helfer verstärkt, die Krankenhäuser und Spitäler waren überfüllt und die Friedhöfe wurden, nachdem man die Toten anfangs noch innerorts beerdigt hatte, an den Ortsrand der Dörfer und Städte verbannt. Es entwickelten sich Verschwörungstheorien – etwa, dass alles ein Werk von Juden sei – und oftmals wurden sehr merkwürdige Gegenmittel angewandt. Eine Merkwürdigkeit im Verlauf war, dass, im Gegensatz zur Corona-Pandemie, die Pesthäufigkeit im Sommer ansteigend und im Winter absteigend war. Die Zeit der Pest war auch jene des Entstehens von bildlichen Totentänzen, Selbstgeißelungen der „Auserwählten Gottes“ und der  Marienverehrung, die „fröhliche Urständ“ feierte.
In seinem Vortrag machte Klaus Wankmiller Station an verschiedenen Orten des Außerferns und schilderte unter anderem die Situation im Zwischentoren, im Lechtal und im Tann-heimer Tal. In seinen Recherchen besuchte er Pestfriedhöfe, Gedächtniskapellen und nannte auch Zahlen von Toten, die jedoch nicht immer belegt waren, da die Kirchenbücher oftmals keine Aufzeichnungen enthielten. Er erwähnte die erschütternden Folgen für die Bevölkerung, die mancherorts bis auf wenige Überlebende dezimiert wurde. Auch im angrenzenden Allgäu wütete die Pest entsetzlich: So wurden in Pfronten 1635 300 Kinder und fast 700 Erwachsene von der Seuche dahingerafft. Noch heute findet man Pestsäulen, Gedenktafeln und Kapellen, die auf diese todbringende Zeit hinweisen.

Samstagskultur.
Zum geschilderten Thema führt Klaus Wankmiller am Samstag, dem 10. Juli, zu verschiedenen dieser Pestdenkmäler. Treffpunkt für die Samstagskultur ist um 14 Uhr am Parkplatz vor der Pfarrkirche in Biberwier. Von dort aus geht es zu Fuß zur „Rochuskapelle auf der Geißel“ mit dem Pestfriedhof. Zweite Station ist der Pestfriedhof im Oberdorf von Lermoos, den man ebenfalls von der Pfarrkirche aus erreichen kann. Den Abschluss bildet der Pestfriedhof von Bichlbach. Dort wurde 1980 eine moderne Kapelle errichtet. Mehrere Reliefs im Inneren erinnern an die Pestheiligen Sebastian und Rochus und an den „Schwarzen Tod“, der vor allem in den Jahren 1611 und 1635 zahlreiche Opfer forderte. Anmeldungen zur Samstagskultur und weitere Informationen: info@museum-reutte.at bzw. Tel. +43 5672 72304, www.museum-reutte.at. Mitfahrgelegenheiten gibt es ab 13.15 Uhr vom Museum im Grünen Haus in Reutte aus. Auch hier wird um eine rechtzeitige Voranmeldung gebeten. Die aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen sind einzuhalten.
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